Den Kassen droht ein Milliarden-Loch"Die Leiden sind chronisch"
Nach dem "Herumdoktern" am deutschen Gesundheitssystem sei es nun reif für den Spezialisten, meint die Presse. Und wer ist wieder der Dumme? Der Versicherte.
Nach dem "Herumdoktern" am deutschen Gesundheitssystem sei es nun reif für den Spezialisten, meint die Presse. Und wer ist wieder der Dumme? Der Versicherte.
Die Nürnberger Nachrichten üben Kritik am Einheitsbeitrag. Es räche sich nun vor allem, dass sich die Große Koalition auf einen solchen fetsgelegt habe und ihn "unter allen Umständen unter der 15-Prozent-Marke halten wollte". Denn vor dem Fonds wären die Krankenkassen gezwungen gewesen, durch die Höhe des Beitragssatzes zu konkurrieren, "die Menschen hatten damit einen klaren Maßstab, welche Versicherung gut wirtschaftet und welche nicht". "Die Kassen hatten deshalb zugleich ein großes Interesse, mit ihren Geldern vernünftig umzugehen, um nicht Mitglieder durch steigende Beiträge zu verprellen."
Nun erwarte die neue Regierung "eine weitere klaffende Wunde: das Milliardenloch bei den Krankenkassen", konstatiert der Mannheimer Morgen. Das Geld scheine "förmlich zu zerrinnen" durch die hohen Arzneimittelpreise, teure Krankenhausaufenthalte oder steigende Ärzte-Honorare. "Nach dem Herumdoktern der vergangenen Jahre ist der Gesundheitssektor reif für eine Überweisung zum Spezialisten." Für das Blatt geht die Einführung des Gesundheitsfonds und des einheitlichen Kassenbeitrags ebenfalls einher mit einer Verschärfung der Probleme. "Denn statt Wettbewerb zu erzeugen, hat der Fonds das Gegenteil bewirkt. Für die Versicherten ist aber jetzt schon klar: Es wird teurer. Entweder steigt der Krankenkassenbeitrag und belastet die Lohnnebenkosten oder es gibt Zusatzbeiträge, die die Arbeitnehmer wiederum allein zu tragen hätten." Und auch eine Finanzierungslösung über "weitere Steuerzuschüsse für den kränkelnden Fonds" sieht das Blatt kritisch, denn auch eine solche gehe zu Lasten der Geldbeutel der Patienten. "Die Leiden des Gesundheitssektors sind längst chronisch geworden. Der geeignete Facharzt wird noch gesucht."
"In diesem Jahr werden rund zehn Milliarden Euro mehr gebraucht als noch vor einem Jahr", schreibt die Bayerische Rundschau und kommt zu einem ähnlich vernichtenden Urteil: "Der Gesundheitsfonds macht krank, und droht gleichzeitig unser Gesundheitssystem finanziell regelrecht zu sprengen. Dabei haben, besser hatten wir eines der besten Gesundheitssysteme Europas."
Und der Bonner General-Anzieger sieht nur einen Weg für Union und FDP: den einer schrittweisen Entbürokratisierung. "Die Deckelung des Zusatzbeitrages muss beispielsweise dringend aufgehoben und eine flexiblere Regelung gefunden werden. Gleichgültig wie auch immer man rechnet: Im Endeffekt ist immer der Versicherte der Dumme. Denn er muss draufzahlen."