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Pressestimmen

Dienstag, 03. November 2009

Merkel spricht vor dem US-Kongress

"Die beste Rede ihrer Amtszeit"

Angela Merkel wird nicht nur in Washington gefeiert, auch die Presse lobt den Auftritt der Kanzlerin als ehrliche und brillante Rede, die Lob und Dank mit Forderungen verbinde.

Merkels wurde für ihre Rede vor dem US-Kongress in Washington gefeiert.
(Foto: REUTERS)

Die Frankfurter Rundschau lobt Merkels deutliche Mahnungen in Richtung eines verstärkten Einsatzes für den Klimaschutz: "Es spricht für Merkel, dass sie nach der gefühligen Geste das amerikanische Volk in einer brillanten Rede deutlich an seine Pflicht in Sachen Klimaschutz erinnert hat." Ob dieser Appell das ergriffene Publikum erreicht habe, sei dahingestellt, die Kanzlerin habe jedenfalls "das Wesen der transatlantischen Beziehung auf den Punkt gebracht": "Lob und Dank für den großen Verbündeten, aber auch Forderung und Verpflichtung."

Die Märkische Allgemeine betont, dass Angela Merkel nach Konrad Adenauer erst die zweite im Kanzleramt sei, der diese Ehre widerfahre. Das könne mit jeder "Tellerwäschergeschichte mithalten, die die Amerikaner so lieben". Doch das Blatt aus Potsdam ist sicher: "Wenn der Applaus verklungen ist, wird die US-Regierung bei den harten Themen Iran und Afghanistan die Kanzlerin beim Wort nehmen und erwarten, dass Taten folgen." In einer der schärferen und konkreteren Redepassagen sei es um das iranische Atomprogramm und die Möglichkeit harter wirtschaftlicher Sanktionen gegangen. "Es kann bei dem unberechenbaren iranischen Präsidenten sehr schnell der Fall sein, dass die zur 'Führerin Europas' hochgelobte Kanzlerin das Sanktionsversprechen einlösen muss", mutmaßt das Blatt.

Die Kieler Nachrichten bezeichnen Merkels Rede als "mit Abstand die beste ihrer Amtszeit", zumal eine Rede zu halten "für gewöhnlich nicht zu den Stärken der Kanzlerin" gehöre. "Den Amerikanern zu danken für die Berliner Luftbrücke, für den Beistand während des Kalten Krieges und schließlich für die Unterstützung auf dem Weg zur Einheit - das ist 20 Jahre nach dem Fall der Mauer für die meisten deutschen Politiker eine eher lästige Pflichtübung." Merkel habe den Abgeordneten jedoch aus tiefer Überzeugung gedankt, denn sie "hatte die Unfreiheit, den Mief, die Dekadenz in der DDR am eigenen Leib erfahren". Das Blatt urteilt: "Ihr Versprechen, sie werde Amerikas Hilfe für Deutschland 'niemals vergessen', war ehrlich und kein bisschen aufgesetzt."

"(...) Nichts begeistere und sporne sie mehr an als 'die Kraft der Freiheit' und der 'American Dream', sagte die Kanzlerin (...). Der deutsche Traum ­von der im Sozialismus gefangenen ostdeutschen Physikerin zur Kanzlerin des freien, vereinten Deutschlands ­ist ganz nach dem Geschmack der Amerikaner." Merkel habe den richtigen Ton getroffen, kommentiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung, "auch mit der Danksagung für den Beistand Amerikas von der Luftbrücke bis zur Wiedervereinigung". Zwar beseitigten solche Reden keine Interessengegensätze, doch gerade im Streit helfe die Erkenntnis weiter, "dass die Übereinstimmung im Grundsätzlichen die Differenzen im Detail weit überwiegt". Das Blatt stellt große Anforderungen an Merkel im eigenen Land: "Wer vor dem Kongress in Washington eine solche Ode an die Freiheit vorträgt, wird wissen, dass er dem Bundestag und der deutschen Öffentlichkeit nicht viel weniger bieten kann."

Zusammengestellt von Nadin Härtwig

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