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Deutsche Wirtschaft wächst wieder"Eine gefährliche Nachricht"

13.08.2009, 21:47 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal wieder leicht gewachsen, das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,3 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres zu. Die Zahl – da ist sich die Presse einig - macht zuversichtlich, allein der Glaube an ein Ende der Krise fehlt.

In der Krise sind auch kleine Hoffnungszeichen willkommen: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal wieder leicht gewachsen, das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,3 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres zu. Die Zahl – da ist sich die Presse einig - macht zuversichtlich, allein der Glaube an ein Ende der Krise fehlt.

Kraene
Trotz Stabilisierung ist Deutschland noch weit von seiner alten Wirtschaftskraft entfernt. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Der Weltuntergang ist abgesagt. Die Bundesrepublik hat den schlimmsten Konjunktureinbruch ihrer Geschichte beendet", kommentiert die Frankfurter Rundschau das Wachstum der deutschen Wirtschaft. "Damit verstärken sich die Anzeichen, dass Deutschland vergleichsweise glimpflich davonkommt in dieser historischen Krise. Natürlich müssen solch optimistischen Einschätzungen jede Menge Aber folgen. Die massive staatliche Nachfrageankurbelung und die beispiellosen Eingriffe der Notenbanken haben sich ebenso als Retter in der Not erwiesen wie das Kurzarbeitergeld. Die relativ stabile Beschäftigung wiederum stützte den Konsum." Bedacht fügt das Blatt hinzu: "Niemand aber weiß, ob die nächste Bundesregierung das Durchhaltevermögen mitbringen wird, das nötig ist, damit die Erholung nicht stoppt, bevor sie richtig angefangen hat."

"Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch minimal. Das ist eine ausgezeichnete Nachricht. Doch es ist auch eine gefährliche Nachricht", warnt die Financial Times Deutschland. "Die Gefahr ist groß, dass sie die ersten Anzeichen der Besserung nutzen werden, um das Haushaltsdefizit zu senken: Ausgaben zurückfahren, Steuern und Sozialbeiträge erhöhen, Investitionen eindampfen. Das aber wäre höchst riskant. Denn der Aufschwung ist noch labil. Eine Parallele zur Bundestagswahl 2005 drängt sich auf. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im November 2005 antrat, war das Wachstum ähnlich labil wie heute. Und was taten Union und SPD? Zuerst einmal sehr entschlossen gar nichts. Den Abbau des Haushaltsdefizits und die Mehrwertsteuererhöhung verschoben sie in der Hoffnung auf steigende Steuereinnahmen auf 2007. Das war einmal richtig. Es wäre auch ein zweites Mal richtig."

"Endlich mal gute Nachrichten" ist in der Pforzheimer Zeitung zu lesen. "Die deutsche Wirtschaft hat offenbar die schwerste Krise der Nachkriegszeit überwunden. Die Rezession scheint gestoppt." Doch "Vorsicht" mahnt das Blatt: Die vorgelegten Zahlen seien "noch lange kein Grund zum Jubeln. Denn mehr als ein Lichtblick am rabenschwarzen Konjunkturhimmel sind die 0,3 Prozent, die die Wirtschaft zwischen April und Juni zugelegt hat, nicht. Abzuwarten bleibt, wie schnell sich die verbesserte Wirtschaftslage auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Noch hält das konjunkturelle Kurzarbeitergeld die Erwerbslosenzahlen in Grenzen. Zum Jahresende läuft aber auch diese Staatshilfe aus. Und dann? Die Auftragslage wird entscheiden, ob die Unternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter in vollem Umfang halten oder die Belegschaft ausdünnen werden. Letzteres würde die Arbeitslosenzahl in die Höhe treiben und Staat sowie Gesellschaft vor neue Probleme stellen."

Nach dem jähen Absturz zu Beginn des Jahres und all den düsteren Prognosen heißt auch der Express die neuesten Nachrichten zum Wirtschaftswachstum "höchst willkommen": "Weil sie Mut machen für die Zukunft und ein Ende der Krise in greifbare Nähe rücken. Klar, viele Experten warnen: Das Schlimmste liege noch vor uns. Auf dem Arbeitsmarkt sei die Krise noch gar nicht richtig angekommen sei. Das mag stimmen. Aber die Krise hat uns nicht zuletzt gelehrt, wie wichtig Psychologie in der Wirtschaft ist. Das Positive zu sehen, unsere Chancen und Stärken zu nutzen, bringt uns weiter als Schwarzmalerei." Denn: "Immerhin zeigen die jüngsten Zahlen, dass Deutschland besser dasteht als viele andere Nationen."

Weniger beeindruckt zeigen sich die Lübecker Nachrichten. Für sie ist klar: "Noch sind es neben dem recht stabilen privaten Verbrauch die staatlichen Konjunkturprogramme, die die Wirtschaft befeuern. Selbsttragend ist der Aufschwung bisher nicht. Klar ist aber auch: Was die Wirtschaftsforscher erwarten, dürfen wir nicht besonders ernst nehmen. Die rühren auch nur mit der Stange im Nebel." Wichtiger seien die Signale, die die Realwirtschaft aussende, untermauern die Zeitungsmacher ihren Standpunkt. "Das sind die Unternehmer, die über Entlassungen oder Neuinvestitionen entscheiden. Das sind die Verbraucher, die weiterhin Geld ausgeben und nicht ins Angstsparen verfallen. Das sind auch Banken, die Unternehmen ohne übertriebene Risikoscheu Kredit gewähren. Gerade für Wirtschaft und Verbraucher gilt, dass Psychologie die Hälfte der Wirtschaftspolitik ausmacht. Daraus folgt, dass nicht Lohnverzicht gepredigt und ehrgeizige wirtschaftspolitische Ziele als Zahlenspielerei gegeißelt werden sollten. Sondern dass Zukunftschancen klar beschrieben werden und es für gute Arbeit wieder mehr Nettolohn gibt."

Und auch die Rhein-Neckar-Zeitung betrachtet das Wirtschaftswachstum mit Argusaugen: "Die Wirtschaft wächst wieder, wenngleich wir es mit einem zarten Konjunkturpflänzchen zu tun haben. Risiken gibt es genügend. Vielerorts schlummern bei den Banken nach wie vor Leichen im Bilanz-Keller. Werden diese ausgegraben, könnte die Kreditklemme Wirklichkeit werden. Eine steigende Arbeitslosigkeit würde den Handel treffen. Gefährlich werden könnte daneben die Tatsache, dass ein Großteil des Wachstums dank staatlicher Düngemittel zustande kam. Doch Konjunkturprogramme laufen irgendwann aus siehe Abwrackprämie. Dann muss sich der Aufschwung von alleine zu einer starken Pflanze entwickeln. Doch das wird nicht über Nacht passieren."

Zusammengestellt von Susanne Niedorf