Mixa tritt zurück"Eines Kirchenmannes nicht würdig"
Mixa hat gelogen, er hat "Watsch'n" verteilt. Aber erst ein Impuls von einem Kollegen war nötig, damit Mixa die längst überfälligen Konsequenzen zieht. Alles in allem: ein armeseliges Trauerspiel.
Für n-tv.de war der Rücktritt Walters Mixas längst überfällig. Auch andere Medien begrüßen sein Gesuch beim Papst mit einem "Gott sei Dank" und bewerten die Art seines Abgangs als ein armseliges Trauerspiel. Doch zeigt die Mixa-Krise auch, dass sich die Bischöfe nicht alles erlauben können.
Der Bischof Walter Mixa ist zurückgetreten. "Gott sei Dank, werden viele erleichtert aufatmen", schreibt der Express. Die von Krisen gebeutelte katholische Kirche sei damit ein Problem los. Aber es sei "eben nur ein Problem". Das Blatt konstatiert in diesem Zusammenhang, dass Mixa "stellvertretend für Kirchenfürsten, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Kirche sich grundlegend reformieren muss" stehe. Durch bloßes Köpfe-Austauschen lasse sich das verschütt gegangene Vertrauen nicht wieder herstellen. "Gläubige sind heute mündige Bürger, die Antworten verlangen und sich nicht mehr mit Dogmen-Keulen einschüchtern lassen. Demut, Bescheidenheit, Glaubwürdigkeit und Volksnähe waren einst die Attribute, die Jesus Christus auszeichneten und seine Botschaft zu einer Erfolgsgeschichte ohnegleichen machten. Viele seiner heutigen Jünger in den höchsten Machtpositionen der Kirche predigen diese Werte zwar noch, aber leben nicht danach."
Auch die Emder Zeitung meint: "Wer glaubt, mit dem Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa könne die katholische Kirche wieder zum Alltag zurückkehren, der irrt." Die gestrige Erleichterung von offiziellen Vertretern der Katholiken werfe Fragen auf: "Ist man erleichtert, weil Mixa seit längerem nicht wohl gelitten war? Oder weil man endlich jemanden vorweisen kann, der Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen im katholischen Umfeld zieht?" Klar ist, dass Mixa nach menschlichem Ermessen nicht mehr als Bischof zu halten gewesen sei. (…) Mixa hatte ausgeteilte Ohrfeigen immer wieder bestritten. "Wir wissen: Der Bischof hat gelogen. Es waren nicht die damals üblichen Watschen, sondern der Verstoß gegen das 8. Gebot, mit denen sich Mixa als geistlicher Würdenträger endgültig unmöglich gemacht hat."
Die Pforzheimer Zeitung dagegen äußert sich weniger zu Mixas Taten als Bischof, sondern bewertet eher dessen Abgang von der Kirchenbühne: "Als längst klar war, dass Mixa nicht die Wahrheit gesagt hatte, lavierte er noch zwischen verharmlosen und sich entschuldigen. Armselig, dass erst ein öffentlicher Impuls von Bischofskollegen nötig war, um Mixas erbärmliches Trauerspiel zu beenden. Wie man mit Schuld umgeht, und wie man Glaubwürdigkeit zurückerlangt, das hätte der Augsburger bei seiner evangelischen Kollegin Margot Käßmann lernen können, deren Haltung Respekt genießt. Stattdessen steht er nun da wie eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste, die Fäden haben andere für ihn in die Hand genommen."
Wie kläglich Mixas Abgang ist, beschreibt auch die Stuttgarter Zeitung: "Mixa hat sich verhalten wie manch ein Politiker: zuerst abgestritten, Gegenangriffe gestartet, dann nur bruchstückweise und verklausuliert zugegeben, was unausweichlich war, Aufklärung versprochen - alles zu dem einzigen Zweck, sich zu retten und seinen Sessel nicht räumen zu müssen." Es sei ein Trauerspiel und für eines Kirchenmannes ganz und gar nicht würdig gewesen.
Die Frankfurter Rundschau weist auf, was das Problem mit dem Augsburger Bischof deutlich gemacht hat. Die Distanzierung von Walter Mixa sei ein Exempel und solle allen Bischöfen, die sich für unangreifbar halten, verdeutlichen: "Ihr könnt euch nicht alles erlauben. Nein, die Bischofskonferenz kann keinen Skandal-Hirten absetzen, weil jeder letztlich nur von dem Votum des Papstes abhängig ist. Aber die Erklärung zu Mixa und ihre Folgen zeigen, welche Macht sich entfaltet, wenn die Bischofskollegen den Mantel des Schweigens endlich an den Haken hängen."
Auch die Nürnberger Nachrichten sehen in der Mixa-Krise Aspekte, "die für die Zukunft des bedeutenden Bistums Augsburg und für die Kirche(n) insgesamt Zeichen der Hoffnung sind": Mut und Verantwortungsbewusstsein hätten viele Laien – ob Diözesanräte oder einfache Gläubige – bewiesen, die sich öffentlich gegen ihren Bischof stellten. Auch erstaunlich viele Priester hätten die Stirn geboten. "In einem streng hierarchischen System ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Geistliche vor ihre Gemeinde treten und aus echter Sorge um ihre Kirche und um ihre eigene Glaubwürdigkeit Klartext gegenüber Bischofsthronen reden."