Politik
Mittwoch, 28. Dezember 2011

Immer mehr Frührentner: "Entwicklungen werden schöngeredet"

Immer mehr Deutsche nehmen finanzielle Einbußen in Kauf und gehen früher in Rente. Manche können sich das leisten, andere nicht. Und so wächst die Sorge vor einer Altersarmut. Ob die Angst berechtigt ist oder nicht, darüber diskutiert auch die Presse.

Die Sozialverbände befürchten eine wachsende Altersarmut.
Die Sozialverbände befürchten eine wachsende Altersarmut.(Foto: picture alliance / dpa)

"Es verabschiedet sich eine Generation aus dem Erwerbsleben, die - auch dank üppiger Betriebsrenten - vielfach ausgesorgt hat. Da nehmen manche lieber ein paar Abschläge in Kauf, als sich den steigenden Druck am Arbeitsplatz länger anzutun", kommentiert der Mannheimer Morgen. Die Zeitung blickt jedoch sorgenvoll auf kommende Generationen, denn die Belastung im Beruf werde zwar künftig kaum kleiner, "aber definitiv die Zahl derer, die sich eine Frühverrentung leisten können". "Daher sollte man die Entwicklung weiter genau beobachten. Es darf nicht sein, dass Menschen bei der Arbeit ihre Gesundheit ruinieren müssen, um das gesetzliche Renteneintrittsalter zu erreichen."

Für die Nürnberger Nachrichten entbehren die Zahlen der Dramatik, denn sie "sind nur scheinbar eindeutig - die Wirklichkeit, die sich hinter ihnen verbirgt, hält gelegentlich große Überraschungen parat." Das Blatt hält es für leichtfertig, "von der Zunahme der Frühverrentungen unmittelbar auf wachsende Altersarmut zu schließen. Denn die Zahl der Frauen, die ein komplettes Arbeitsleben hinter sich und damit auch Rentenansprüche erworben haben, nimmt zu. Sie sind im Durchschnitt etwas jünger als ihre Ehemänner und nehmen häufig Abschläge in Kauf, damit sie die Zeit nach dem Arbeitsleben gemeinsam gestalten können."

Die Leipziger Volkszeitung betont: "Die Entscheidung für die Frührente ist, anders als es das Bundesarbeitsministerium jetzt weismachen wollte, oft nicht freiwillig. Das ministerielle Bemühen, die teilweise dramatischen Entwicklungen bei bestimmten Gruppen von Frührentnern schön zu reden, trägt fast absurde Züge. Die Rente mit 67 nämlich wurde seinerzeit von der großen Koalition unter der Maßgabe eingeführt, dass es mehr Jobs für Ältere geben müsse. Genau dies ist jedoch nicht der Fall, trotz der Klagen über mangelnde Fachkräfte übrigens."

Für die Hessische/Niedersächsische Allgemeine liegt die Wahrheit in der Mitte: "Die einen gehen früher in Rente, weil sie es sich leisten können, nachdem Häuschen oder Wohnung abbezahlt sind oder Miete und Rente zueinander passen. Die weniger Glücklichen müssen sich auf die Grundsicherung im Alter verlassen. Der Wert der Rentenstatistik liegt, wenn überhaupt, in dieser Erinnerung: Wir werden länger arbeiten müssen. Unsere Rentenansprüche werden nicht steigen. Wer im Alter versorgt sein will, muss dafür arbeiten. Und manchmal reicht selbst das nicht für mehr als nur eine Grundversorgung."

"Die Anhängerschaft der These, dass Geld allein nicht glücklich macht, wird größer." Doch der Bonner General-Anzeiger richtet seinen Fokus auf eine Gruppe von Menschen, der seiner Meinung nach bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde: "Was tatsächlich erschrecken muss, ist die dramatisch gewachsene Zahl an vermindert Erwerbsfähigen, die mit ihrer vorzeitigen Pensionierung den Kampf gegen Krankheit am Arbeitsplatz verloren geben und sich an den Abstieg in die Renten-Armut gewöhnen müssen. Das ist eine gesellschaftliche Gruppe, über deren Perspektive viel stärker nachgedacht werden muss, als das bisher der Fall war."

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Quelle: n-tv.de

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