Freiwilliger Wehrdienst"Guttenberg verdient Rückendeckung"
Die Bundeswehr steht vor einer gewaltigen Reform. Die Zahl der Soldaten soll drastisch sinken. Das allein reiche aber nicht, urteilt die Presse. Vieles liege im Argen.
Die Bundeswehr steht vor einer gewaltigen Reform. Verteidigungsminister zu Guttenberg favorisiert ein Modell mit freiwilligem Wehrdienst. Die Zahl der Soldaten soll drastisch sinken. Dafür gebührt dem Verteidigungsminister Anerkennung, urteit die Presse. Das allein reiche aber nicht. Vieles liege im Argen.
Bei der Führung der Bundeswehr habe man sich längst mit dem Gedanken an eine abgespeckte Truppe vertraut gemacht, bemerken die Westfälischen Nachrichten. Von dort dürften "kaum noch Stolpersteine" zu erwarten sein. Denn "auch mit 165.000 Soldaten sieht dort niemand den sicherheitspolitischen Auftrag gefährdet." Ohnehin gelte die traditionelle Wehrpflicht-Armee bei den gegenwärtigen militärischen Herausforderungen als Auslaufmodell, urteilt das Blatt aus Münster und wirft die Frage auf, ob sich "die Kanzlerin aus der Deckung wagen wird, um ihrem Verteidigungsminister den Rücken zu stärken?" Verdient habe er es.
"Nur die Wehrpflicht abzuschaffen, macht die Bundeswehr noch lange nicht zu einer besseren Armee", kritisiert die Pforzheimer Zeitung. Vieles liege im Argen insbesondere bei der Ausrüstung und Ausstattung. Auch müsse sich einiges ändern, um den Soldatenberuf attraktiver zu machen, damit nicht nur jene zur Bundeswehr gehen, die sonst keine berufliche Alternative haben. "Doch das kostet Geld. Und noch etwas: Die Politik muss insgesamt eine Antwort darauf finden, wie der Verlust der vielen Zivildienstleistenden in der Republik kompensiert werden kann. Möglicherweise ist das Ende der Wehrpflicht der Beginn eines allgemeinen Sozialdienstes."
Auch die Neue Osnabrücker Zeitung befasst sich mit der Debatte um eine freiwillige Wehrpflicht und urteilt: "Diese Lösung nimmt der Wehrpflicht zwar viele gesellschaftspolitische und militärische Vorzüge, die sie einst hatte." Doch sei sie allemal besser als das, was gerade begonnen hat: das Festkrampfen an einem Halbjahres-Wehrdienst, der viele Kräfte bindet und immer weniger freisetzt. Und dessen Einberufungspraxis keinen akzeptablen Gerechtigkeitskriterien standhält.
"Reformen der Bundeswehr hat es schon viele gegeben", stellt die Neue Presse fest. Doch eines habe sich bisher kein Minister getraut: Die Wehrpflicht in Frage zu stellen. Dass Guttenberg sich nun daranmacht, "verdient Anerkennung", urteilt das Blatt aus Hannover. Leicht werde er es allerdings nicht haben, dafür werden die Traditionalisten schon sorgen. "Ihnen baut Guttenberg schon mal eine Brücke, indem er die Wehrpflicht nicht abschaffen, sondern nur aussetzen will. Etwas halbherzig scheint da das Ansinnen, weiterhin einen Wehrdienst für Freiwillige anzubieten. Aber auch das ist offenbar eine Verbeugung vor den Konservativen."