Politik
Mittwoch, 27. Januar 2010

Holocaust-Gedenktag: "Keine überflüssige Mahnung"

Vor 14 Jahren hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Holocaust-Gedenktag ausgerufen, um das Gedenken an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wach zu halten. Er solle als nachdenkliche Stunde inmitten der Alltagsarbeit begangen werden. Aber brauchen wir einen solchen Gedenktag? "Ja, er ist unverzichtbar", urteilt die Presse.

Mit Kränzen und Blumen wird im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg der Toten gedacht.
Mit Kränzen und Blumen wird im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg der Toten gedacht.(Foto: dpa)

Wer die ständige Warnung vor einem Schlussstrich in der Holocaust- Debatte für eine überflüssige Mahnung halte, solle einen Blick in die Internet-Foren deutscher Medien werfen, schreiben die Kieler Nachrichten: "Dort wimmelt es von Beiträgen, die zeigen, dass vielen Deutschen der Gedenktag ein Dorn im Auge ist. Die Sehnsucht danach, die NS-Vergangenheit mit Verweis auf das Leid der Palästinenser im Gazastreifen und andere Gräueltaten in der Geschichte zu relativieren, ist offenbar riesig. Und sie scheint zu wachsen, je länger dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zurückliegt."

Die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle stellt fest, dass das Erinnern müßig wäre, wenn es nicht gleichzeitig zu einer Überprüfung des eigenen Verhaltens in der Gegenwart führen würde und fragt, wie offen unsere Gesellschaft wirklich für das oft nur vermeintlich Fremde ist? "Dämonisieren wir nicht heute gelegentlich den Islam wie vor Jahrzehnten das Judentum? Wie stehen wir zu den mittlerweile meist humanitär begründeten Auslandseinsätzen der Bundeswehr? Und nicht zuletzt, was ist der Beitrag der Deutschen zu einer Lösung des Nahostkonflikts? Diese Frage wird für die Bundesregierung zunehmend unbequem. Denn die einfache Antwort, dass Deutschland an der Seite Israels stehe, ist zwar richtig, definiert aber noch nicht, was wirklich im Interesse Israels sein könnte."

"Ja, dieser Tag der Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten ist unverzichtbar", mahnen auch die Nürnberger Nachrichten gleich zu Beginn. "Schon deshalb, weil sich die Reihen der Zeitzeugen lichten. Der Prozess gegen Iwan M. Demjanjuk in München dürfte eines der letzten Verfahren gegen einen mutmaßlichen KZ-Wächter sein." Anders als bei den Frankfurter Auschwitz-Prozessen in den 60-iger Jahren sei es heute wegen des hohen Alters der Beteiligten ungleich schwerer, die Wahrheit ans Licht zu bringen."

"Noch gibt es Überlebende des barbarischen Völkermordes an den Juden in Europa, die Zeugnis ablegen können", schreibt das Straubinger Tagblatt. Ihr Zeugnis, authentisch und unmittelbar, sei durch nichts zu ersetzen. "Doch sie werden immer weniger. Dies bleibt auch für den Holocaust-Gedenktag nicht ohne Folgen, den vor 14 Jahren der damalige Bundespräsident Roman Herzog ausrief, um das Gedenken an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wach zu halten. Neue Formen des Erinnerns sind gefragt, wenn die unmittelbar Beteiligten nicht mehr zur Verfügung stehen."

Quelle: n-tv.de

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