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Pressestimmen

Montag, 27. April 2009

"Experiment gescheitert": Klinsmann muss gehen

In München wird es wohl kein Sommermärchen mehr geben, zumindest nicht mit Jürgen Klinsmann. Der muss gehen, weil die Ergebnisse einfach nicht stimmten. Dass er von Anfang an zu viel versprochen hat, hätte Bayerns Führungsetage ahnen können, meint die Presse.

Die Badische Zeitung kennt Jürgen Klinsmanns Fehler: Er habe sich überschätzt. "Viel schlimmer" findet das Blatt jedoch, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß bei "seinem visionären Irrglauben" mitgemacht hätten. Schon als Klinsmann bekannt gab, dass er die Fußballer jeden Tag besser machen wolle, hätte die Bayern-Führung aufwachen müssen. Denn: "Ein Großteil der Bayern-Akteure ist um die 30 Jahre alt, ihr Entwicklungspotenzial daher begrenzt" Ebenso hätte Klinsmanns "mangelnde Erfahrung" Alarm schlagen müssen. Jetzt bleibe den Herren von Bayern "nicht einmal die Zeit, ihren Irrtum am Saisonende mit Anstand zu korrigieren."

Die Leipziger Volkszeitung bezeichnet "Klinsmann in München" als ein "ultimative(s) Risiko, ein Experiment, ein grandioses Missverständnis. Der Held des Sommermärchens mutierte schnell zum Sündenbock." Er habe die Säbener Straße zur "Wohlfühl-Oase" gemacht. Zudem habe Klinsmann Buddha-Figuren aufgestellt und einen "riesigen Experten-Stab" eingestellt. Zwar hätte sich sein Konzept gut angehört, "aber seine Spieler wurden nicht wie angekündigt jeden Tag besser." Im Gegenteil: "Klinsmann drosch Phrasen, beging Fehler bei Personal und Taktik, bezog mit einer Mannschaft, die im Vorjahr das Double holte, zu viele Bundesliga-Niederlagen." Das Blatt resümiert, dass Jürgen Klinsmann ein "Lernender" gewesen sei und Zeit gebraucht sowie verdient hätte. Aber er sei "an der einfachsten Wahrheit" gescheitert: den Spielergebnissen – "und an einer Führung, die vollmundig langfristiges Denken propagierte und doch Sklave des Alltagsgeschäfts blieb".

Von den Ergebnissen bestraft seien allen voran, so der Fränkischer Tag, die Bayern-Verantwortlichen durch ihre Blauäugigkeit. Sie hätten ihren "Wunschkandidaten aus der Sonne Kaliforniens nach München gelockt". Es sei ein gewaltiges Risiko gewesen, "einen Trainer zu verpflichten, der die Nationalmannschaft ein paar Wochen auf die Weltmeisterschaft vorbereitet hat, ansonsten aber keinerlei Erfahrung im Tagesgeschäft besitzt". Klinsmann dann auch noch "mit Martin Vasquez einen Assistenten zur Seite zu stellen, der zwar perfekt Englisch und Spanisch, aber eben nicht Deutsch spricht, grenzt an grobe Fahrlässigkeit."

"Die geplatzte Illusion Klinsmann kommt einer Bankrotterklärung der stets wortgewaltigen Münchner Führungsetage gleich", urteilen die Kieler Nachrichten ähnlich. "Das unterhaltsame, sportlich aber wertlose Image des FC Hollywood hat vorerst den Nimbus der ewigen Bayern-Stärke abgelöst."

Zusammengestellt von Julia Kreutziger

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