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Politischer Aschermittwoch"Straubing in Wallung"

17.02.2010, 20:56 Uhr

Westerwelle siegt im bayerischen Fernduell, Seehofer liefert eine laue Vorstellung ab. Für einen Schmunzler sorgt immerhin der Auftritt von "Linken-Ulknudel" Sahra Wagenknecht.

Westerwelle hat beim politischen Aschermittwoch alles richtig gemacht, meint n-tv.de. Und auch für die Presse geht die FDP als Sieger aus dem bayerischen Fernduell hervor. Horst Seehofer hingegen kann die Arena in Passau nicht fesseln. Er liefert eine kraftlose Vorstellung in einer generell lauen Veranstaltung. Für einen Schmunzler sorgt immerhin der Auftritt von "Linken-Ulknudel" Sahra Wagenknecht.

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Sahra Wagenknecht versucht Humor. Das ist lustig. (Foto: APN)

"Der politische Aschermittwoch unterscheidet sich durch zwei Dinge vom politischen Dienstag und Donnerstag: Erstens reden Politiker an diesem Tag nicht als sie selbst, sondern als Mensch. Und zweitens darf man sich dabei betrinken", spöttelt die Märkische Allgemeine aus Potsdam. "An normalen Tagen verfechten Politiker ihre Parteilinie und beschimpfen ihre politischen Gegner. Am politischen Aschermittwoch auch. FDP-Chef Guido Westerwelle kämpft gegen 'spätrömische Dekadenz' bei Hartz IV, SPD-Frontmann Sigmar Gabriel dafür, und die bayerische Personalunion Horst Seehofer bekennt sich zu Bayern. Dass Linken-'Ulknudel' Sahra Wagenknecht eine Aschermittwoch-Rede hält, ist schon ein Gag an sich. Und die Vorstellung, wie Angela Merkel im malerischen Demmin die tollen Tage beschließt, eher eine Angstvision."

Für den Münchner Merkur hat die FDP das "Fernduell auf bayerischem Boden" gewonnen: "45 Minuten und die simple Botschaft vom Missbrauch des Sozialstaats genügten Westerwelle, um sein Straubinger Publikum in Wallung zu bringen." Das Blatt stellt die Rede Seehofers gegenüber: "Geschlagene eineinhalb Stunden und einigend dutzend Manuskriptseiten dagegen reichten dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht, um wie einst Strauß und Stoiber die Passauer Arena zu entfesseln." Die Gründe dafür, dass "die Liberalen die Lufthoheit über die Stammtische erringen konnten", benennt das Blatt auch: "Passau und der politische Aschermittwoch sind viel mehr als der größte Stammtisch der Welt, auf den ihn Dummköpfe gerne reduzieren. Passau, das ist der Ort, wo einst große CSU-Vorsitzende kantige konservative Politikentwürfe sichtbar werden ließen, wo die kulturell prägende Kraft des deutschen Südens spürbar wurde. In der CSU ist diese Kraft erloschen."

Für den Bonner General-Anzeiger war der politische Aschermittwoch eine eher laue und auf Schadensbegrenzung statt auf Krawall angelegte Veranstaltung: "Eines konnten die schwarz-gelben Koalitionäre vom politischen Aschermittwoch gewiss nicht erwarten: Dass der rote Faden deutlicher wird, an dem Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer in Berlin ihre Politik ausrichten. Gewiss: Das Koalitions-Trio tat deutlich alles, um sich nicht wechselseitig weiter zu zerlegen. Ein paar süffisante Nickeligkeiten und spöttische Ellenbogen-Rempler: Aber im Grundsatz dominierte das Bemühen, die Gräben nicht noch breiter werden zu lassen. Die sind ohnehin kaum überwindbar, was nicht zuletzt mit der politischen Schwäche der Handelnden erklärbar ist."

"Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei. Der karnevalistische Frohsinn in jeden Fall, der politische Blödsinn hoffentlich auch", wünscht sich die Hessische/Niedersächsische Allgemeine, die sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren kann, "dass einige Akteure in Koalition und Opposition den Unterschied nicht mehr zu erkennen vermögen". "Nun, da die tollen Tagen vorüber sind und damit das Schlimmste überstanden ist, beginnt die Zeit der Abstinenz. Eine gute Gelegenheit für Politik, Bürger und Medien, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen. Denn all die Aufgeregtheiten der jüngsten Vergangenheit hatten kaum etwas mit den Fragen zu tun, was Sozialstaat heißt, was noch bezahlbar ist und wo Eigeninitiative der Bürger helfen kann, was Arbeitslosen zugemutet werden muss und was Besserverdienende zu schultern haben", kritisiert das Blatt aus Kassel.

Quelle: Zusammengestellt von Nadin Härtwig