Ramsauer im KreuzfeuerVorwürfe sind "purer Zynismus"
Hat Ramsauer den Luftraum zu lange schließen lassen? Oder zu früh Sichtflüge erlaubt? Man sollte dem Minister jetzt nicht den Schwarzen Peter zuspielen, findet die Presse.
Nachdem die Aschewolke den Flugverkehr über Deutschland wieder zulässt, wird Kritik am Krisenmanagement laut. Hat Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Luftraum zu lange schließen lassen? Oder zu früh Sichtflüge erlaubt? Die Zeitungen halten es mehrheitlich für ungerecht, jetzt dem Minister den "Schwarzen Peter für das Flugchaos" zuschieben zu wollen.
Die Tagespost aus Würzburg lobt das Vorgehen von Ramsauer und verurteilt im Gegenzug die Verhaltensweise der Flugbranche: "Der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) steht in der Kritik der Luftfahrtunternehmen, weil er die Start- und Landeverbots infolge der Aschewolke über Europa angeblich zu streng handhabe. Humbug. Die erste Pflicht eines Politikers, der für den Verkehr zuständig ist, ist es, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Und die wäre durch eine vorschnelle Freigabe des Luftraumes über Deutschland in Gefahr gewesen. Andersherum wird ein Schuh aus der Kritik der Airlines: Dass sie ihre Piloten zwingen, auf Sicht zu fliegen, damit sie die Ausnahmeregelungen des Ministers nutzen können, ist unverantwortlich."
Keinen der gegen Ramsauer erhobenen Vorwürfe kann die Märkische Allgemeine aus Potsdam nachvollziehen: "Die einen werfen Ramsauer vor, den Luftraum über Deutschland unnötig lange geschlossen zu haben. Das ist nun wirklich der pure Zynismus: Wenn auch nur leiseste Zweifel an der Sicherheit bestehen, hat der Minister geradezu die Pflicht, Flugtests am Menschen kategorisch auszuschließen. Andere kritisieren Ramsauer dafür, sich dem Druck der Airlines gebeugt und zu früh Flüge auf Sicht zugelassen zu haben. Auch das ist Unfug, weil die ersten Probeflüge ohne Passagiere stattfanden. Bleibt der Vorwurf schlechten Krisenmanagements. Sicher hätten talentiertere Selbstdarsteller vermutlich geschliffenere Presse-Auftritte hingelegt. Es gehört zu den Widersinnigkeiten der veröffentlichten Meinung, Politik-Darsteller gleichzeitig zu verachten und nach ihnen zu verlangen."
Die Frage, ob Ramsauer nach seinem Auftritt im Bundestag "seinen persönlichen Aschermittwoch erlebte oder wie Phönix aus der Asche stieg", könne man verschieden bewerten. Allerdings ist es aus Sicht der Dresdner Neuesten Nachrichten nicht gerechtfertigt, Ramsauer alleine den "Schwarzen Peter für das Flugchaos der vergangenen Tage zuzuschieben". Denn "dass die Freiheit über den Wolken nicht immer grenzenlos sein konnte, war letztendlich dem Bemühen um die Sicherheit von Passagieren und Fluggesellschaften geschuldet. Für jede Eventualität Krisenpläne zu fordern, ist mindestens so blauäugig, wie Wetter- oder Naturkatastrophen als allgemeines Geschäftsrisiko auszuschließen."
Die Abendzeitung liefert eine andere Einschätzung der Situation und deutet weitgreifende Konsequenzen an: "Absolut unsäglich der Auftritt des CSU-Mannes mitten in der Krise", findet das Münchner Blatt. Ramsauer habe sich aufgeführt, "als habe er höchstpersönlich die Prinzipien der Luftsicherheit erfunden, und als sei nur ein Staatsmann seines Formats in der Lage, das Prinzip Sicherheit vor Profit zu gewährleisten." Nur wenig später sei er dann "vom hohen moralischen Ross in die Tiefen des Opportunismus" gefallen. "Genau dem Druck privater Interessen, die er tags zuvor noch zügig durchgeißelte, gab er willfährigst nach. Was einst gefährlich war, gab nach 24 Stunden Anlass für jede Menge Ausnahmeregelungen. Und das nicht etwa aufgrund neuer Tatsachen. Ein Messflug hatte bis dahin nicht oberste Priorität im zuständigen Ministerium, also gab es weder beruhigende Daten noch tatsächlich Grund zur Entwarnung. Umso unverständlicher, dass Peter Ramsauer jetzt sein Krisenmanagement als 'alternativlos' bezeichnet. Als Minister ist er das sicher nicht."