Samstag, 12. März 2005
Druck aus Brüssel: Fan-Randale in Rom
Bei einer Demonstration von Anhängern des finanziell angeschlagen italienischen Fußball-Erstligisten Lazio Rom sind zehn Personen verletzt worden. Rund 3.000 Tifosi versammelten sich vor dem Sitz der Steuerbehörde in Rom, die vom Klub die Rückzahlung von 150 Millionen Euro verlangt. Bei der Kundgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Ein Lazio-Fan wurde festgenommen.
"Wenn uns das Finanzamt keine Umwandlung unserer Steuerschuld gestattet, wird Lazio Pleite gehen", sagte Klub-Präsident Claudio Lotito. Er verhandelt mit dem Steueramt, damit die Summe zumindest ratenweise zurückgezahlt werden kann. Lotito rief die Tifosi jedoch zu Vernunft auf. "Mit Gewalt werden wir unsere Probleme nicht lösen", sagte der Klubchef.
Seit Lotito den Erstligisten im Sommer vergangenen Jahres übernommen hatte, häufte Lazio dank eines strengen Sanierungskurses keine weiteren Schulden mehr an. Mit einer Finanzspritze von 21 Millionen Euro hatte der römische Bauunternehmer Lazio im vergangenen Juli vor der drohenden Insolvenz bewahrt.
Die EU-Kommission drängt Italien unterdessen zu einer Änderung des Sonderabschreibegesetzes zur Rettung der von der Pleite bedrohten italienischen Fußball-Klubs. Das Gesetz sei in mehreren Punkten wettbewerbsverzerrend, weil es italienische Klubs im internationalen Wettbewerb bevorteile, hieß es in Brüssel. Sollte Italien das Gesetz nicht ändern, droht eine Klage vor der Justizkommission der EU.
"Wir hoffen, dass es noch zu einer Einigung kommt", sagte EU-Binnenmarkt-Kommissar Charlie McCreevy nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Die EU-Kommission verlangt von der italienischen Regierung, das Gesetz bis April zu revidieren.
Das so genannte "Salva Calcio"-Gesetz sieht vor, dass die Vereine die durch die eingebrochenen Ablösesummen entstandenen Wertverluste ihrer Spieler in den Bilanzen über zehn Jahre abschreiben können und nicht sofort ausgleichen müssen. Die EU sieht darin einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil der Italiener im Vergleich zu anderen europäischen Klubs und fordert, dass die Zeitspanne für die Sonderabschreibung auf fünf Jahre reduziert wird.
Rom hatte stets argumentiert, dass dem Fiskus dadurch sogar Mehreinnahmen entstünden und somit von einer verdeckten Staatssubvention keine Rede sein könne. Die Gesamtbelastung der italienischen Profivereine wird mit rund zwei Milliarden Euro angegeben. Wenn die hoch verschuldeten Vereine ihre Bilanzen nicht in den nächsten Wochen konsolidieren, droht ihnen die Verweigerung der Europacup-Lizenzen durch die Europäische Fußball-Union (Uefa). Allerdings gilt es unter Experten als sicher, dass sich die Uefa den eigenen Wettbewerb nicht durch die Verweigerung der Zulassungen an die Top-Vereine kaputt machen wird.
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