Archiv

WM-LexikonB wie Blatter

10.06.2010, 21:43 Uhr

Von A wie Abschied bis Z wie Zakumi - das WM-Lexikon auf n-tv.de bringt Sie gut durchs Turnier. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum ersten Fußball-Weltturnier auf afrikanischen Boden wissen müssen. Von Christoph Wolf und Stefan Giannakoulis.

2rhm4649-jpg8080931882623932160
Kurz vor dem Friedensnobelpreis: Sepp Blatter. (Foto: dpa)

BLATTER, SEPP. Die Fußball-WM in Südafrika ist Werk und Vermächtnis von Joseph S. Blatter. Geht sie daneben, endet Blatters Amtszeit im Juni 2011. Wird sie das erhoffte Fußballfest, kann sich der Blatter Sepp noch einmal wählen lassen, natürlich per Akklamation. Seine erneute Kandidatur hat er aber sicherheitshalber schon einmal vor dem Turnier angekündigt. Zum ersehnten Friedensnobelpreis wäre es dann nur noch ein kleiner Schritt, zumindest aus seiner Sicht.

Die erstmalige Vergabe der WM an ein afrikanisches Land sollte, das wurde Blatter nie müde zu betonen, nichts weniger als die Begleichung der historischen Schuld des entwickelten Westens an die ehemaligen Kolonien sein. "Wir wollen Afrika etwas zurückgeben", verkündete er während des Confederations Cup 2009. Die Rechnung ist bestechend einfach. Das Turnier erfordert Milliarden-Investitionen in Stadien und Infrastruktur, neue Arbeitsplätze entstehen, Schlachtenbummler kurbeln den Tourismus nachhaltig an, die gemeinsame Unterstützung für "Bafana Bafana" lässt 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid die tief gespaltene Gesellschaft endlich zur "Rainbow Nation" zusammenwachsen.

Der Rechnung ist nicht zu trauen. Der von Politikern so gern beschworene positive gesamtwirtschaftliche Effekt von sportlichen Großevents ist ein Mythos, mehr nicht. Die Experten des Hamburger Weltwirtschaftsinstitutes sprachen unlängst in einer Studie von einer "Sonderkonjunktur", die keinen langfristigen Einfluss auf die ökonomische Situation Südafrikas haben werde.

Blatter betont hingegen gern und oft, dass nach dem 12. Juni jeder Interesse an Afrika haben werde, denn "es wird die beste WM aller Zeiten". Zweifel sind angebracht. Um sie öffentlich auszuräumen, wurde dem FIFA-Boss vorab vom südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma schon einmal der "Order of the Companion of OR Tambo" angedient, die höchste südafrikanische Auszeichnung für ausländische Bürger. Verdient hat Blatter den Orden für sein Blendwerk zweifellos, ganz so wie auch die zahllosen anderen Ehrerbietungen. Glauben Sie nicht? Fragen Sie Sepp Blatter.

BETRIEBSFERIEN. Die Regierung von Honduras gibt 200.000 Beamten für die WM-Spiele des mittelamerikanischen Landes frei. Minister Africo Madrid erklärte, die Beamten müssten beim Auftaktspiel von Honduras gegen Chile erst um 10 Uhr in den Büros erscheinen, um sich das Fußballspiel noch daheim ansehen zu können. Für die Spiele gegen Spanien und die Schweiz dürfen die Beamten bereits um 11.30 Uhr nach Hause gehen. Madrid appellierte an private Unternehmen, ähnlich zu verfahren. Honduras spielt in Südafrika seine zweite WM-Endrunde nach 1982.

Quelle: cwo/sid