Archiv

Kap-WM mit Perücke und VuvuzelaNicht ohne meine Tröte

03.03.2010, 16:22 Uhr
2phh0046-jpg6767522336771544216
Ein Muss für jeden südafrikanischen Fußballfan: Die Vuvuzela. (Foto: dpa)

Bunt und laut dürfte es zugehen bei der WM. Denn ohne Schminke, Perücke oder übergroße Brille geht der südafrikanische Fan nicht aus dem Haus. Vor allem aber nicht ohne seine Vuvuzela.

WM in Afrika - das suggeriert Wärme, Sonne, Exotik. Doch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika dürfte es vor allem so werden: laut, bunt und recht kalt. Neben lärmigen Plastiktröten werden unweigerlich Schals und Wollmützen zu den Accessoires der Fans gehören. Denn die Spiele finden im Winter der Süd-Halbkugel statt, und das bedeutet in höher gelegenen WM-Städten wie Johannesburg abends Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Der Fußballweltverband FIFA hatte schon beim großen WM-Test, dem Confederations Cup im Juni 2009, auf das große Bibbern überraschter ausländischer Fans in den Stadien reagiert. Wärmende Stricksachen gingen an den Verkaufsständen weg wie warme Semmeln. Auch heimische Händler, die an den Zugängen zu den weitläufig abgesperrten Stadien bunte Basotho-Wolldecken anboten, berichteten über glänzende Geschäfte.

Die Vuvuzela gehört dazu

Bunt dürfte es ebenfalls hergehen - nicht zuletzt wegen der kreativen Fantasie der Südafrikaner. Kein Kicker-Fan, der etwas auf sich hält, würde dort ohne Schminke, Perücke, übergroße Brille oder Makarapa ins Stadion gehen. Die in Handarbeit aus den Plastikhelmen der Bergarbeiter geschnittenen Kopfbedeckungen der Fans haben sich bereits heute als Sammlerartikel entpuppt - trotz des Transportproblems bei der Fan-Abreise in den engen Flugzeugkabinen.

2phh0056-jpg5883110436157323141
Für den genervten ausländischen Fan soll es Ohrstöpsel in Vuvuzela-Form geben. (Foto: dpa)

Der Fan-Artikel der WM 2010 dürfte jedoch zweifellos die Vuvuzela sein - eine lange Plastiktröte, die Millionen TV-Zuschauer in aller Welt beim Confed Cup plötzlich entdeckten. Obwohl sich am gleichbleibenden stundenlangen Hornissen-Ton bereits Trainer und Spieler aus dem Ausland rieben, blieb die FIFA auf Kurs. Sie hat eine afrikanische WM versprochen, und die Vuvuzela gehört nun mal zur Kultur des temperamentvollen afrikanischen Kickers. Damit werden sie auch diese WM prägen - basta!

Tröten-Fans werden zudem die Qual der Wahl haben, denn die kleine Vuvuzela bekam zwischenzeitlich noch eine große Schwester - die nach einer Großantilope (Kudu) benannte Kuduzela. Anders als die langgestreckte Vuvuzela hat die einem Kudu-Horn nachempfundene Kuduzela eine gewundene Form, die dem Blasinstrument einen besonderen tiefen Klang gibt. Es knüpft an alte afrikanische Traditionen an, bei der in ländlichen Gebieten mit dem dumpfen Klang des Kudu-Horns Versammlungen oder Schlachten einberufen wurden.

Findige Gastegeber

Den "echten Sound der Savanne" versprechen die Hersteller. Anders als der Klang der massenhaft geblasenen Vuvuzelas würde die im Chor geblasene Kuduzela einer Herde trompetender Elefanten gleichen. Doch auch für die sensiblen und Geräusch-empfindsamen unter den ausländischen Gästen haben sich die findigen Gastgeber vom Kap etwas einfallen lassen. "Statt uns weiterhin immer nur über den Vuvuzela- Lärm zu beschweren, wollten wir etwas Positives machen", erklärte Andrew Chain vor einigen Tagen verblüfften heimischen Journalisten.

Der Südafrikaner ist Sprecher der African Earplug Company, einer Firma, die sich bereits auf die Massenproduktion farbenfroher WM-Ohrstöpsel in Vuvuzela-Form vorbereitet. "Ein qualitativ hochwertiger Prototyp-Stöpsel in Vuvuzela-Form steht kurz vor der Fertigstellung", berichtete Chain. Er wollte die Initiative seiner Firma als patriotische Heldentat verstanden wissen.

Quelle: Ralf E. Krüger, dpa