Zackiger Westerwelle als VorbildBallack, Pechstein und der Schneid
Das klingt jetzt ein wenig martialisch, aber wo, wenn nicht im Sport, geht es darum, dem Gegner den Schneid abzukaufen? Michael Ballack weiß das. Und Claudia Pechstein auch. Was sie vielleicht nicht wissen: Von Guido Westerwelle lernen heißt siegen lernen.
Guten Tag, Motto heute: "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab." Das stammt von einem Politiker, passt aber gut. Darum geht es doch im Sport. Sich den Mut nicht nehmen zu lassen, die Initiative nicht zu verlieren, sich vom Gegner nicht ausstechen zu lassen.
Das Wort Schneid ist ein alter Ausdruck für Mut, für Tatkraft. Soldaten im 19. Jahrhundert haben so gesprochen. Schneid und das Adjektiv schneidig sind verwandt mit der Schneide eines Messers: Wer scharf wie eine Schneide auftritt, ist kräftig, forsch und zackig. Das passt doch gut zu Guido Westerwelle. Abtreten.
Ballack kann sich eine Scheibe abschneiden
Obwohl: Michael Ballack könnte sich da eine Scheibe von abschneiden. Nicht, dass der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft feige wäre, aber ein wenig geknickt wirkte er schon, nachdem er mit seinem FC Chelsea gegen Inter Mailand aus der Champions League ausgeschieden war. Wieder kein internationaler Titel für Deutschlands besten Fußballer. Ballack hat den Blues, doch die nächste Gelegenheit für einen schneidigen Auftritt kommt schon bald, ab Juni geht es in Südafrika darum, wer Weltmeister wird.
Und da brauchen sie ihn, kräftig und forsch. So wie bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal, als Ballack vor dem Gruppenspiel gegen die Niederlande auf die Frage eines holländischen Reporters, was denn "Schneid abkaufen" bedeute, sagte: "Das werden Sie am Dienstag sehen." Die Partie endete 1:1, Deutschland schied in der Vorrunde aus.
Pechsteins zweischneidige Blutkörperchen
Eine eher zweischneidige Angelegenheit ist diese Dopingsache der ehemaligen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Bleibt die Frage: Hat sie oder hat sie nicht? Antwort: Die einen sagen so, die anderen so. Viele Experten und ein blutiges Rätsel. Vielleicht sollte der Außenminister da fix ein klärendes Wort sprechen. Bei Frau Pechstein scheint es jedenfalls eher der Mut der Verzweiflung zu sein, der sie antreibt.
Ist ja auch verflixt kompliziert. Und wir wissen immer noch nicht, wie es sich anfühlt, wenn die roten Blutkörperchen eher rund als flach sind und derart deformiert ihre Bahnen durch den Körper ziehen. Ist aber vielleicht auch nicht so wichtig. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass nur derjenige sich den Schneid abkaufen lassen kann, der auch welchen hat. Womit wir wieder, völlig unsportlich, bei Guido Westerwelle sind. Aber der gibt einfach die besten Vorlagen.