Hubert ThalerFällt die Inflation doch aus?
Die Inflation ist schon lange angekündigt. Viele Anleger haben bereits darauf reagiert und sind nun erstaunt, dass die Preise nicht wie erwartet steigen. Vermögensverwalter Hubert Thaler geht der Inflation auf die Spur.
Es erscheint überraschend – da sind in der weltweit wichtigsten Volkswirtschaft, USA, die Preise für Immobilien in den vergangenen Jahren um gut 20 Prozent gefallen, aber die Diskussion über Inflationsgefahren und Preissteigerungen will nicht verstummen. Dabei sorgt der Verfall der Hauspreise doch für geringere Investitionen, in der Folge höhere Arbeitslosigkeit und ausfallende Kredite. So sind zumindest die Erfahrungen aus der Japan- oder Asienkrise.
Wie es scheint, sorgen sich die Experten und Kommentatoren gar nicht um Preissteigerungen, sondern um die andere Seite der Gleichung, nämlich Geldentwertung. Die Notenbanken, allen voran die US-Zentralbank Fed, werfen doch mit Geld nur so um sich. Diese Einschätzung scheint korrekt angesichts einer Ausweitung der Zentralbankbilanz von über 100 Prozent im Herbst und Winter 2008.
Nur, das Geld kommt gar nicht im Wirtschaftskreislauf an. Denn zwischen Zentralbank und Wirtschaft stehen die Banken. Mehr schlecht als recht versuchen diese, derzeit ihre Bilanzen wieder in Ordnung zu bringen, sich frisches Eigenkapital zu verschaffen und lassen ihr Geld lieber bei der Zentralbank, anstatt aggressiv neue Kredite zu vergeben. Einiges spricht dafür, dass durch international abgestimmte höhere Eigenkapitalquoten, strengere Aufsicht und die Eindämmung des Schattenbanksystems die Banken – vielleicht sogar unfreiwillig – in Zukunft als Bremsklötze für politisch motivierte Bestrebungen zur Geldentwertung fungieren.
Was bedeutet das für die Anlagemärkte? Allein die Rohstoffe entziehen sich mit steigenden Notierungen einem Deflationsszenario. Mit gutem Grund: Denn der wirtschaftliche Aufstieg von Indern und Chinesen – zusammen knapp 40 Prozent der Weltbevölkerung – ist real und nicht nur die Automobilbranche sieht darin den Rettungsanker, eine Große Depression nach dem Vorbild der 30er Jahre zu verhindern.
Der Rohstoff Gold dagegen wird im Produktionsprozess kaum benötigt, sondern signalisiert nach Meinung vieler Menschen die steigende Angst vor dem Komplettausfall wichtiger Zahlungssysteme. Anleger, die die Währung aller Währungen aktuell ins Auge fassen, sollten bedenken, dass der Preis des Goldes auch gegenüber kerngesunden Währungen gering verschuldeter Staaten, wie dem australischen Dollar, stark gestiegen ist.
Letztlich spricht einiges dafür, dass in westlichen Ländern das Phänomen der Vermögenspreisinflation an Bedeutung gewinnt. Die bessere Wahl sollten deshalb aktuell vernünftig bepreiste Substanzwerte im Produktivsektor sein: Aktienunternehmen, die in Schwellenländern neue Märkte erschließen, dürften dabei in Zukunft besondere Wertschätzung erfahren.
Der Autor Hubert Thaler ist Vorstand der Top Vermögen in Starnberg und München und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.