Ralf Goerkes Aktienklima 08/09Märkte im Aufwind
Die Langfristindikatoren zeigen, dass sich die Börsen rund um den Globus wieder im Aufwind befinden. Die Börsenampeln stehen auf grün.
Wer in der Lage ist, das Aktienklima eindeutig zu bestimmen, kann sich entsprechend an den Börsen positionieren: In der Hausse wird das Depot zu 100% mit guten, trendstarken Aktien bestückt, in der Baisse ist man nicht mehr investiert oder setzt gar auf fallende Kurse.
„Trendwende“ lautete die Überschrift dieser Kolumne zum allgemeinen Aktienklima vor zwei Wochen am 31. Juli (s. Archiv). Darin wurde auf die deutlich verbesserte technische Verfassung der 30 weltweit wichtigsten Aktienindizes hingewiesen. Zwei Drittel der beobachteten Indizes lagen mit ihren Kursen über ihrer steigenden 200-Tage-Linie, welche die langfristige Trendrichtung vorgibt.
Seither haben die Kurse in diesen Indizes erneut um durchschnittlich 2,7% zugelegt. Dadurch stieg auch die Zahl der Indizes an, deren Kurs über ihrem langfristigen gleitenden Durchschnitt notiert. Diese liegt inzwischen bei 96,67%. Das bedeutet, dass aktuell 29 von 30 Indizes dieses positive Merkmal aufweisen (Abbildung 1).
Die Abbildung zeigt Ihnen den DAX in den letzten zehn Jahren. Mit eingezeichnet ist seine 200-Tage-Linie (rot). Die Grafik zeigt eindrucksvoll die Bedeutung von Wendepunkten in diesem gleitenden Durchschnitt. Im unteren Chartfenster sehen Sie die prozentuale Veränderung dieses Indikators in den wichtigsten Indizes. Ein Stand von +100 bedeutet, dass alle beobachteten Indizes über ihrer steigenden 200-Tage-Linie notieren (positiv). Liegt der Indikator bei -100 heißt das, alle 30 Indizes liegen unterhalb ihrer fallenden 200-Tage-Linie (negativ).
Dass die derzeitige Situation von der Entwicklung des Aktienklimas her durchaus mit der des Jahres 2003 vergleichbar ist, sehen Sie anhand der farbigen Rechtecke. Genau wie im Jahr 2003 ist der Indikator innerhalb von vier Monaten aus der unteren Extremzone in die obere Extremzone gestiegen. Derart hoch stand er zuletzt vor zwei Jahren – Ende Juli 2007!
Der einzige Index, der noch etwas nachhängt, ist der russische RTX. Aber auch seine 200-Tage-Linie fällt nur noch marginal in der zweiten Nachkommastelle.
In meiner Analyse „Schlechtes Omen“ vom 20. Februar (s. Archiv) dieses Jahres stellte ich erstmals den von mir entwickelten Multi-MACD-Indikator vor.
Er wird auf Monatsbasis berechnet und basiert auf dem in der technischen Analyse bekannten MACD-Indikator. Er zählt einfach die Indizes ab, die auf seiner Berechnungsbasis ein Kaufsignal zeigen. Auch dieses Ergebnis wird dann wieder prozentual dargestellt. Das Ergebnis sehen Sie in Abbildung 2. Neben dem 200-Tage-Linien – Indikator steht auch dieser Indikator das erste Mal seit dem 28.12.2007 wieder auf „Kauf“ (s. Pfeil).
Wie stellt sich die Situation nun für die 30 DAX-Werte dar?
Die Abbildung 3 zeigt Ihnen die DAX-Werte sortiert nach ihrer Relativen Stärke (gelbe Spalte). Werte über 1,0 zeigen eine grundsätzlich positive Tendenz der Aktie und Werte kleiner 1,0 eine entsprechend negative. Die Mehrheit aller DAX-Aktien (26 Stck. = 87%) befindet sich demnach aktuell in einem Aufwärtstrend.
Neu ist die Bewertung mit farbigen Pfeilen. Sie geben eine Aussage darüber, ob sich die betreffende Aktie besser oder schlechter entwickelt als der Index (DAX), in den sie eingebettet ist. Diese Bewertung beruht auf dem Trendrichtungs-Indikator (TRI), einer Neuentwicklung des Autors. Der TRI bietet dem Anleger eine optisch visuelle Hilfe, wie sich sein Aktienengagement im Kontext verhält. Dies ist eine zusätzliche Information über das Trendverhalten einer Aktie in Abhängigkeit zum Index. Dabei sollte er nach Möglichkeit nur Aktien kaufen und halten, die eine Outperformance (grüne Pfeile) zum Index zeigen. Je nachdem wie stark die Über- bzw. Unterperformance zum DAX ist, erhält die Aktie einen oder zwei Pfeile. Änderungen im Trendverhalten einer Aktie können auf diese Weise schnell erkannt werden.
Fazit:
Das Jahr 2009 entpuppt sich in seiner Börsenentwicklung bisher als eher atypisches Börsenjahr. In den ersten drei Monaten, die noch zum statistisch günstigen Halbjahr für Aktien gehören (November bis April) fielen die Kurse. Jetzt in den normalerweise flauen Sommermonaten erleben wir eine Kursrallye.
Den Börsen sagt man nach, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft vorwegnehmen. Gestern war zu vernehmen, dass die deutsche Wirtschaft nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im zweiten Quartal 2009 um 0,3% im Vergleich zum Vorquartal gewachsen ist und ein Ende der Rezession wahrscheinlich ist. Der DAX steigt aber schon wieder seit Anfang März! Wie ist dann erst die weltweite Verbesserung im Trend der wichtigsten Börsenindizes zu interpretieren?
Die Langfristindikatoren zeigen, dass sich die Börsen rund um den Globus wieder im Aufwind befinden. Wohlgemerkt: Technische Indikatoren sind nicht perfekte Signalgeber, aber sie können uns zumindest Indikationen liefern und dadurch helfen, das Chance/Risiko-Verhältnis bei Investitionen in den Aktienmärkten zu verbessern. Das ist immer noch besser als seine Börsengeschäfte „blind“ zu tätigen. Wie auch immer, die Börsenampeln stehen auf jeden Fall wieder auf grün.
Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke finden Sie unter: Momentuminvestor.de