Wirtschaft

Eigenheim und Renditeobjekt: Taugt die Immobilie als Inflationsschutz?

Friedrich Huber

Für Eigennutzer sieht es nicht schlecht aus, meint Friedrich Huber. Renditejäger sollten aber aufpassen. Und: Die Angst vor der Inflation sollte nicht das einzige Argument für den Erwerb einer Immobilie sein.

"Wer einem möglichen Kaufkraftverlust des Geldes entgegenwirken möchte, sollte in Immobilien investieren."  Diese Sichtweise ist insbesondere im konservativen Deutschland weit verbreitet.  Nach einer Umfrage der R+V Versicherung hatten zuletzt mehr deutsche Bürger Angst vor künftigen Preissteigerungen als vor einer schweren Krankheit.

Die Befürworter dieser Sichtweise verweisen darauf, dass es sich um einen realen Wert handele, der nachhaltig Erträge erwirtschaftet (Mieten) und geringere Renditeschwankungen habe, als viele andere Anlagen. Schließlich haben manche Gebäude schon Kriege und Währungsreformen überstanden. Rückläufige Baugenehmigungen und Bauanträge und somit ein sukzessives Auseinanderlaufen zwischen dem Angebot und dem Bedarf nach Wohnraum stützten zudem das Argument der steigenden Mieten.

Friedrich Huber ist geschäftsführender Gesellschafter der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.
Friedrich Huber ist geschäftsführender Gesellschafter der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

Inflation verteuert Hypothekendarlehen

Andererseits haben jüngst erschienene Studien wie die des Analysehauses BulwienGesa ermittelt, dass die Miet- und Wertsteigerungen deutscher Wohn- und Gewerbeobjekte weit hinter den Inflationsraten zurückbleiben. Demnach sind seit 1975 die Verbraucherpreise für den normalen Lebensunterhalt um 130 Prozent gestiegen, während die Preise für Gebäude und Mieten in einem selbst ermittelten Index aus 125 Städten nur um etwa 100 Prozent zunahmen. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) liefert die Erklärung, warum Immobilien keinen Schutz vor Inflation bieten: "Bei steigender Inflation ziehen die Notenbanken die Zinszügel straffer, dadurch verteuern sich Hypothekendarlehen, die Nachfrage nach Immobilen fällt und damit auch die Preise."

Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass der Staat in hyperinflationären Phasen eingreift und die Immobilienbesitzer zur Kasse bittet.  So wurde bei Ausbruch des 1. Weltkrieges ein Mietpreis-Stopp verhängt, während gleichzeitig die Ausgaben für die Instandhaltung inflationsbedingt dramatisch anstiegen. Auch im Rahmen der Währungsreform von 1948 beschloss die Politik eilig Sondersteuern für Immobilieneigentümer.

Vermutlich liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte. In einem vernünftig strukturierten Vermögensportfolio hat die Immobilie durchaus ihre Berechtigung. Für den Privatanleger sollte das selbstgenutzte Eigenheim Priorität haben, da es nicht nur Lebensqualität, sondern auch einen Beitrag zur Altersversorgung bringt.

Kosten sind unbedingt einzukalkulieren

Die Rechnung sieht jedoch gravierend anders aus, wenn man die Immobilie als Renditeobjekt betrachtet. Dann sollte man in seiner Kalkulation unbedingt die Erwerbsnebenkosten bedenken. Fällt eine Maklercourtage an, betragen diese 8,5 Prozent und mehr. Die sukzessive steigenden und nicht auf den Mieter umlagefähigen Nebenkosten schmälern die Rendite weiter. Mieterwechsel und damit häufig einhergehende Renovierungen sowie Leerstand (Mietausfallwagnis) können die Rendite ebenso extrem negativ beeinflussen wie Sonderumlagen bei Instandsetzungen im Gemeinschaftseigentum. Neue Bauverordnungen (Energieeffizienz, Brandschutz etc.) verpflichten Immobilienbesitzer mitunter zu aufwendigen Investitionsmaßnahmen.

Selbstverständlich ist die Lage einer Immobilie der bedeutendste Faktor für eine stabile Wertentwicklung. Grundsätzlich verheißen nur Top-Standorte Wertsteigerungen, die mit der Geldentwertung mithalten können. Der Trend zum Leben in den Ballungsräumen wird die Immobilienpreise innerhalb Deutschlands weiter auseinander laufen lassen und die Bedeutung des Standorts somit weiter verstärken. Fazit: Die Angst vor der Inflation sollte nicht das einzige Argument für den Erwerb einer Immobilie sein.

Quelle: n-tv.de