Alexander SeiboldTrendwende bei Zinsen
Es verdichten sich die Anzeichen für eine Zinswende. Mehrere vom wieder erstarkten Rohstoff-Sektor dominierten Staaten haben bereits ihre Zinsen erhöht. Für die Aktienmärkte heißt die begonnene Zinswende, dass der Stressfaktor hoch bleibt, so Alexander Seibold.
Dass die Kapitalmärkte 2010 in anderen Bahnen verlaufen werden als im vergangenen Jahr, ist bereits nach wenigen Wochen deutlich geworden. Zwei gewichtige Parameter der internationalen Finanzmärkte haben sich gravierend verschoben. Zum einen gewinnt der US-Dollar wieder schnell an Gewicht und beendet seine jahrelange Talfahrt. Zweitens stehen die Zeichen deutlich auf steigende Zinsen. Die Notenbanken suchen händeringend nach Möglichkeiten, die überschüssige Liquidität wieder einzusammeln. Die ersten Versuchsballone sind bereits aufgestiegen, bald werden die offiziellen Leitzinsen folgen, darüber besteht kaum ein Zweifel. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Steigende Dollar-Notierungen und anziehende Zinsen lassen sich auch positiv für das Depot nutzen.
Schwacher Euro treibt Dollarkurs
Bereits vor einigen Wochen hatte ich auf die Möglichkeit eines stärkeren Dollars hingewiesen. Dieser Trend hat nun gehörig Fahrt aufgenommen. Notierte der Euro Anfang Februar noch bei mehr als 1,40 US-Dollar, ist er Ende des Monats nur noch weniger als 1,35 US-Dollar wert. Immer deutlicher wird, dass es sich mehr um eine Euro-Schwäche als um eine Dollar-Stärke handelt. Das bedeutet, dass sich der Trend aller Wahrscheinlichkeit nach fortsetzen wird. Schließlich ist nicht absehbar, wie Griechenland seine Verschuldung in den Griff bekommen will. Die immensen Probleme Spaniens sind in den Märkten noch gar nicht richtig angekommen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass der Euro einen Geburtsfehler in sich trägt. Im Maastricht-Vertrag wurde verzichtet, eine Exit-Klausel zu formulieren, um einen geordneten Ausstieg aus dem Euro zuzulassen.
Anzeichen für Zinswende mehren sich
Zeitgleich verdichten sich die Anzeichen für eine Zinswende. Mehrere vom wieder erstarkten Rohstoff-Sektor dominierten Staaten haben bereits ihre Zinsen erhöht: Australien, China, Norwegen. Außerdem fahren die Notenbanken einen etwas restriktiveren Kurs, zum Beispiel hat die US-Notenbank Fed im Februar den Zinssatz für Diskontkredite erhöht. Bisher wurden jedes Mal mit einiger Verzögerung auch die Leitzinsen erhöht. Um von beiden Effekten zu profitieren, bieten sich US-Dollar-Geldmarktfonds an, wie sie beispielsweise von der Commerzbank als börsennotierter Indexfonds (ETF) angeboten werden. Allerdings muss betont werden, dass bei einem wieder schwächeren Dollar auch Kursverluste auftreten können.
Stressfaktor für Aktienmärkte bleibt hoch
Für die Aktienmärkte heißt die begonnene Zinswende, dass der Stressfaktor hoch bleibt. Analysten werden mit Argusaugen darauf schauen, ob die Notenbanken das zarte Pflänzchen Konjunkturerholung wieder ausreißen. Dazu kommt, dass zahlreiche staatliche Konjunkturprogramme wie zum Beispiel die Abwrackprämie ausgelaufen sind, was sich in den kommenden Quartalen negativ auf die Unternehmensgewinne auswirkt. Besonders unter Beobachtung steht der Bankensektor. Seriöse Schätzungen besagen, dass erst die Hälfte der faulen Kredite in den Büchern der Banken bislang abgeschrieben wurde. Das würde bedeuten, dass noch Kapitalerhöhungen in Milliarden-Höhe notwendig sind.
Auch in diesem Fall lässt sich der Trend in einem Anlageprodukt umsetzen. Ein ETF der Deutschen Bank gibt in umgekehrter Richtung die Wertentwicklung der größten europäischen Bankaktien wider. Allerdings ist eine sehr volatile Entwicklung zu erwarten, so dass eine solches Engagement sehr genau zu beobachten ist.
Die Chancen zu nutzen, ohne zu große Risiken einzugehen, wird die große Herausforderung dieses Jahres bleiben. Dabei sind enge Grenzen der eingegangenen Investitionen von großer Wichtigkeit.
Der Autor Alexander Seibold ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei Dr. Seibold Capital und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.