Per Saldo - die WirtschaftskolumneBoni für Banker
Wir sind wütend. Wir blicken uns um und atmen schwer. Was sehen wir? Überall ist Krise.
Die Suche nach dem Schuldigen gestaltet sich mühsam, denn die Probleme sind ja ziemlich komplex, die Zusammenhänge viel zu verworren.
Daher entscheiden wir uns gerne für eine einfache Lösung und prügeln beispielsweise auf Banken und Banker ein. Sind ja alles Versager. Ausnahmslos. Und wie unverschämt gut die bezahlt werden. Also hinfort mit den Bonuszahlungen! Millionengehälter für Vorstände? Skandalös.
Moment. Bei aller berechtigter Kritik dürfen wir nicht vergessen, dass es ein bisschen zu einfach ist, eine ganze Branche zu verdammen und über die Gehälter zu schimpfen. Es gibt Häuser, Abteilungen und einzelne Banker, die sich in der Krise ordentlich geschlagen haben. So verständlich permanente Attacken gegen die Banken auch sind, der undifferenzierte Dauerbeschuss ist nicht ungefährlich. Schließlich sind wir auf genau diese Banken angewiesen, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Wie ungeheuer wichtig die Banken für unser System sind, führt uns die gegenwärtige Krise eindrucksvoll vor Augen. Wir sollten die Branche deshalb nicht noch weiter schwächen, sondern stärken.
Symbolpolitik und Populismus
Mit Symbolpolitik und Populismus erreichen wir das nicht. So müssen der Bund als Großaktionär der Commerzbank und die Bundesländer als Miteigentümer der Landesbanken eigentlich ein Interesse daran haben, dass sich diese Banken gut entwickeln - also ordentlich Geld verdienen. Das ist - nebenbei gesagt - derzeit vor allem im viel geschmähten Investmentbanking möglich.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der Wettbewerb zwischen den Banken trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise weiterhin stattfindet. Häuser, die sich bisher vergleichsweise gesund präsentieren, werben strauchelnden Konkurrenten gute Leute ab. Wie ihnen das gelingt? Sie bezahlen besser.
Gerade Banken, die in fürchterlichen Schwierigkeiten stecken, sind aber auf gute Leute angewiesen. Es ist allerdings nicht ganz einfach, diese zum Bleiben zu bewegen oder gar von der Konkurrenz abzuwerben, wenn sie dann deutlich schlechter bezahlt werden als bei den Wettbewerbern. Sie bleiben oder kommen nicht aus Mitleid, sondern des Geldes wegen.
Boni sind in Ordnung
Gute Arbeit darf gut bezahlt werden. Dass in der Vergangenheit auch miese Arbeit häufig außerordentlich gut bezahlt wurde, ändert an diesem Prinzip nichts. Hohes Gehalt und Bonuszahlungen sind völlig in Ordnung, wenn die Leistung stimmt. Wer leistungsbezogene Bonuszahlungen einschränkt oder gar verbietet, der sorgt auch dafür, dass das leistungsunabhängige Grundgehalt erhöht wird.
Es ist doch unbestritten: Angesichts der Exzesse in der Vergangenheit sind Änderungen im Vergütungssystem von Banken nicht nur angebracht, sondern bitter nötig. So ist es sicher sinnvoll, dass Aktienoptionen erst nach Jahren eingelöst werden dürfen. Das würde bei den Empfängern den Blick für den langfristigen Unternehmenserfolg deutlich schärfen. Die Banken und deren Eigentümer werden hier schon aus Eigeninteresse handeln, geben wir ihnen doch ein bisschen Zeit.
Kurzfristiges Denken ist einer der Gründe für die gegenwärtige Krise. Langfristige Folgen wurden ausgeblendet. Das sollte nicht nur den Banken eine Lehre sein, sondern uns allen.