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Dicke schwarze ZahlenDie Deutschen und ihre Bank

04.02.2010, 13:13 Uhr
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Auch wenn die Deutsche Bank noch in eine leichte Schieflage geraten sollte - Bankchef Ackermann hat momentan gut lachen. (Foto: dpa)

Es ist kaum zu fassen: Alle Welt redet von Krise und Kurzarbeit. Die Deutschen Bank verdient jedoch wieder Milliarden. Bankchef Ackermann scheint etwas von seinem Job zu verstehen - ob es gefällt oder nicht.

Ein Kommentar von Samira Lazarovic

Es sind Zahlen wie aus einer anderen Welt: 2009, immerhin ein Krisenjahr, hat die Deutsche Bank einen Gewinn von fünf Milliarden Euro verbucht. Und wie hat sie das geschafft? Mit Hilfe der Investmentbanker. Das war, pauschal gesprochen, der Berufszweig, der mit seinen Spekulationen die Finanzkrise ins Rollen gebracht hat. Sicher gingen viele Banken mit der Krise unter. Die Institute aber, die sich, wie die Deutsche Bank, rechtzeitig von den giftigen Papieren getrennt hatten, konnten sich über einen deutlich größeren Teil vom Kuchen freuen. Sie sind damit durchaus Krisengewinnler.

Die jüngsten Gewinne der Investmentsparte der Deutschen Bank wurden zwar im betont "ruhigen" Anleihegeschäft gemacht. Übersetzt bedeutet das jedoch, dass ausgerechnet die klammen Staaten, die die Anleihen zur Finanzierung der milliardenschweren Bankenrettungsprogramme benötigten, die Investmentbanker gefüttert haben – so schließt sich der Kreis.

Fakt bleibt aber, dass Josef Ackermann sein Institut bisher gut durch diese schwierigen Zeiten gelenkt hat. Und auch der Vorwurf, dies auf Kosten der Steuerzahler zu tun, greift in diesem Fall nicht, hatte der Schweizer Manager Staatshilfen doch vehement abgelehnt. Allenfalls könnte man argumentieren, dass auch die Deutsche Bank ohne die staatliche Stabilisierung der Finanzmärkte ins Taumeln geraten wäre. Und rechnet man die Verluste aus dem Jahr 2008 gegen die jüngsten Gewinne, bleibt es fraglich, ob die Deutsche Bank wirklich so ein gutes Geschäft mit der Krise gemacht hat – zumal diese noch nicht vorbei ist.

Boni und Mali – wem nützt es?

Was die Gehälter der wenig beliebten Investmentbanker angeht: Ja, sie streichen immer noch die Boni ein – auch, wenn diese angepasst wurden, und Herrn Ackermann das Wort "Mali" schon über die Lippen gekommen ist. Im Schnitt verdiente jeder der 77.053 Beschäftigten der Deutschen Bank im vergangenen Jahr knapp 147.000 Euro – die Verteilung vom Kundenberater bis zum Investmentbanker kann man sich dabei in etwa vorstellen. Auch wenn solche Gehälter mehr als vermessen scheinen – im Branchenvergleich nehmen sie sich vergleichsweise bescheiden aus. So lag bei der US-Investmentbank Goldman Sachs das Durchschnittsgehalt 2009 bei rund 500.000 Dollar, nach Kürzung der Boni. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch in Deutschland die Kluft zwischen Bankern und dem Rest immer größer wird.

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Unterschiedliche Gehälter für unterschiedliche Etagen (Foto: picture-alliance/ dpa)

Ob es jemanden nützt, wenn Banker weniger verdienen, lässt sich nicht so einfach sagen. Neid und das Thema soziale Gerechtigkeit beiseite gestellt, bleibt die Frage, was passiert, wenn die Investmentbanker ihre Boni nicht mehr bekommen. Sie würden vermutlich die Deutsche Bank für spekulationsfreudigere Häuser verlassen, diese damit schwächen und damit jede Menge Arbeitsplätze gefährden. Und der Finanzplatz Deutschland könnte sein bestes Pferd verlieren.

Stolperfallen kommen

Und als letztes Mittel gegen das gelbe Monster Neid: Möglicherweise sind dies die letzten Milliardengewinne, die es auf absehbare Zeit bei der Deutschen Bank geben wird. Experten sind sich einig, dass schärfere Eigenkapitalvorschriften, neue Steuern auf Boni sowie drohende Einschnitte im Eigenhandel dem Investmentbanking in den nächsten Jahren schwer zu schaffen machen werden.

Da sich die Deutsche Bank aber wahrscheinlich auch künftig nicht an die Kandare nehmen lassen will, bleibt nur zu hoffen, dass sie sich selbst reguliert und mäßig. Zumindest scheint Josef Ackermann bereits eingesehen zu haben, dass die Kluft wieder dringend schmaler werden muss. "Wir wissen, Banken können in einer Parallelwelt nicht gedeihen", erklärte der Schweizer auf der Bilanzpressekonferenz. "Sie brauchen die Zustimmung der Menschen und das heißt: Sie müssen in ihrem Tun nicht nur der sogenannten realen Wirtschaft dienen, sondern sie müssen dem Menschen dienen." Wenn das nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, wäre damit wirklich allen gedient.