Per Saldo - die WirtschaftskolumneDie Krise ist vorbei
Für alle, die es noch nicht gemerkt haben: Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist beendet. Hat ja auch lange genug gedauert, mag man meinen.
Erfreulicherweise haben sich nicht nur die USA bereits vollständig erholt, auch die deutsche Konjunktur brummt und brummt. Woran das auszumachen ist? An vielen Dingen. Vergessen wir doch einfach Daten vom Arbeitsmarkt oder Zahlen zum Wirtschaftswachstum, entscheidend ist die Wahrnehmung.
So verzeichnen Banken endlich wieder satte Gewinne. JP Morgan verdiente im dritten Quartal wegen des starken Investmentbankings satte 3,2 Mrd. Dollar, auch Goldman Sachs präsentierte tiefschwarze Zahlen - blühenden Geschäften mit Währungen, Rohstoffen und Anleihen sei Dank. Bei der Citigroup sieht das zwar ganz anders aus, aber Schwamm drüber. Ist ja nur eine Frage der Zeit, bis auch hier wieder Milliardengewinne sprudeln. Wie gesund die Branche derzeit nicht nur finanziell, sondern auch moralisch ist, zeigt ein Blick auf Kenneth Lewis. Der scheidende Chef der Bank of America verzichtet für das laufende Jahr auf Bezahlung. Dafür bekommt er ein Vergütungspaket aus Rentenansprüchen und Aktienoptionen im Volumen zwischen lediglich 69 und 120 Mio. Dollar. Das Institut erhielt während der Finanzkrise 45 Mrd. Dollar Regierungshilfe.
Angemessene Boni
Auch hierzulande sind viele Banker ganz die Alten. So muss die Commerzbank einem ehemaligen Investmentbanker eine Abfindung von 1,5 Mio. und einen Bonus von 3,5 Mio. Euro zahlen. Der Manager war bei der Dresdner Bank - die mittlerweile zur Commerzbank gehört - zuständig für Wertpapiergeschäfte. Die Sparte, die von ihm geleitet wurde, fuhr mit ihren Geschäften vergangenes Jahr 5,7 Mrd. Euro Verlust ein. Die Commerzbank fand, das sei Grund genug, ihm das Geld nicht zu zahlen. Doch weit gefehlt, vor Gericht setzte der Mann seine Sicht der Dinge durch. Recht so.
Dass die Finanzkrise offenbar beendet ist, zeigt sich auch in den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP. Da werden Steuersenkungen in Milliardenhöhe versprochen, einem gigantischen Defizit zum Trotz. Es ist jetzt wohl genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um zu beweisen, dass sinkende Steuern für ausreichend Geld im Staatshaushalt sorgen.
Doch nicht nur Koalitionäre, auch Wirtschaftsexperten haben die Krise indirekt für beendet erklärt. Sie werden nicht müde, die Europäische Zentralbank zu ermahnen, endlich über Ausstiegsstrategien aus den konjunkturfördernden Maßnahmen zu entscheiden. Einige fordern schon, die Leitzinsen wieder zu erhöhen. Krise? Welche Krise?
Auch der Verbraucher strotzt wieder vor Optimismus. Das zeigte sich schon zu Zeiten der Abwrackprämie, als zahlreiche Deutsche ihre Ersparnisse in einen Neuwagen steckten. Einer Umfrage zufolge will jeder Dritte in den kommenden sechs Monaten weniger Geld für später zurücklegen. Anbieter von Zertifikaten freuen sich unterdessen über wachsende Nachfrage nach riskanten Produkten. Die guten alten Zeiten sind wieder da. Endlich.