Wirtschaft

Inside Wall Street: Profis stoßen Aktien ab

Lars Halter, New York

Die Wall Street schlägt sich derzeit mit dem fehlenden Vertrauen der Anleger herum. Dutzende Milliarden Dollar hat der Aktienmarkt in diesem Jahr bislang verloren. Auch Insider verkaufen in großem Stil.

Beim Aktienverkauf in vorderster Front: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein.
Beim Aktienverkauf in vorderster Front: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein.(Foto: REUTERS)

Die Wall Street hat den schwächsten August seit neun Jahren hinter sich gebracht, und auch die Jahresbilanz fällt bitter aus: Anleger haben seit Januar 30 Mrd. Dollar aus dem Aktienmarkt gezogen. Doch unter den Verkäufern sind nicht nur die kleinen Investoren, die das Vertrauen verloren haben - auch Insider verkaufen in großem Stil.

Vor allem unter den Großbanken fehlt es dem Top-Management zurzeit an Vertrauen - nicht nur in den Markt, sondern offensichtlich in das eigene Unternehmen. Nie zuvor, sagen Experten, hätten die Banker in so großem Stil verkauft wie zurzeit. Das Kaufvolumen bei eigenen Aktien hingegen ist minimal.

Beispiel Goldman Sachs: Der traditionsreiche Wall-Street-Riese ist besser durch die Krise gekommen als die meisten Konkurrenten und dürfte dank erfolgreicher Lobby-Arbeit in Washington auch weiterhin fest im Sattel sitzen. Doch drei Bosse - darunter CEO Lloyd Blankfein - haben seit Jahresbeginn zusammen 64 Mio. Dollar an eigenen Papieren abgestoßen. Blankfein allein hat mit 14 Mio. Dollar Kasse gemacht, Aufsichtsratschef Gary Cohn für 11 Mio. Dollar und Finanzchef David Viniar für 10 Mio. Dollar.

"Rückkehr zur Normalität"

Insider bei JP Morgan haben in den letzten acht Monaten Papiere im Wert von 16 Mio. Dollar abgestoßen, bei Citigroup sind 5 Mio. Dollar an Insider-Anteilen verhökert worden und bei Wells Fargo hat alleine CEO John Stumpf 6 Millionen Dollar abgesetzt.

Ben Silverman, Chef-Analyst bei InsiderScore, glaubt nach einem Bericht von CNBC, dass die Banken-Bosse mit ihren Verkäufen eine "Rückkehr zur Normalität" zelebrieren. Die Finanzhäuser hätten sich "zu einem gewissen Grad stabilisiert", meint Silverman, "jetzt nehmen die Insider attraktive Aktienkurse mit."

Das heißt natürlich, dass man auch in den Chefetagen nicht unbedingt glaubt, dass die Krise vorbei ist. Schließlich könnte man sonst von weiter steigenden Kursen ausgehen. Die Aktien der Großbanken notieren auch nach ihrer jüngsten Erholung weit unter historischen Höchstständen.

Kleinanleger ziehen nach

Doch außer Misstrauen dürfte ein Faktor bei den steigenden Verkäufen eine Rolle gespielt haben. Im vergangenen Jahr haben die Banken ihre Managergehälter zu einem größeren Teil als je zuvor in Aktien ausgezahlt und dafür den Cash-Anteil zurückgefahren. Zudem war es den Chefs der Banken, die von Washington Rettungsgelder aus dem TARP-Fond erhalten hatten - und das sind alle großen Finanzhäuser - aufgrund gesetzlicher Vorschriften einige Monate lang nicht erlaubt, Aktien abzustoßen. So stauten sich die Verkaufsaufträge entsprechend an.

Dennoch spricht der Massenausstieg Bände. Mehr als 100 Mio. Dollar an Aktien haben die Bosse der größten Finanzriesen in den letzten Monaten verkauft. Dass Kleinanleger entsprechend nachziehen und ebenfalls aus dem Aktienmarkt aussteigen, kann man ihnen vor diesem Hintergrund nicht übel nehmen.

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Quelle: n-tv.de