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Per SaldoTod dem Testosteronmobil!

26.02.2010, 16:53 Uhr
imageMarkus Mechnich
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So breit wie unnötig: Der Verkauf von Hummer steht auf der Kippe. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Niemand will Hummer. Nicht mal mehr die Chinesen, obwohl der Deal schon als sicher galt. Werden die Auto-Dinos sterben? Hoffentlich ja, schließlich hat die Evolution auch ihre Fehler beseitigt.

In Hollywood ist eben alles ein bisschen Show. Man erinnere sich: Vor einigen Jahren war es in Los Angeles in, mit einem Hummer über den Sunset Boulevard zu cruisen. Arnold Schwarzenegger setzte den Trend und die Promis folgten. Was ein echter Kerl war, der fuhr ein solches Dickschiff. Hummer - der Inbegriff amerikanischer Männlichkeit.

Und jetzt? Prius, wie sich das schon anhört! Könnte auch eine Krankheit sein. Irgendwas mit Magen-Darm vielleicht. Hybrid, auch nicht viel besser. Aber der Trend hat sich eben umgekehrt. Hummer ist gar nicht mehr cool. Eher ein Umweltschwein für Proleten. Der Hollywood-Adel fährt heute Hybrid-Fahrzeuge. Angesichts der jüngsten Patriotismuswelle sollte am besten ein amerikanisches Grün-Auto her, denn die gibt es mittlerweile auch. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Gesellschaft, die den Hummer groß gemacht hat, auch diejenige ist, die ihn jetzt am meisten verteufeln?

General Motors hat mit den Spritschleudern seit längerem ein echtes Problem. Schon 2008 wollte der Konzern die Marke am liebsten los werden. Als man sich in Detroit noch vorgaukelte, alles sei in bester Ordnung, stand Hummer bereits zum Verkauf. Blöd nur, das schon damals niemand die Marke haben wollte. Saab beispielsweise wollte GM damals noch behalten, auch wenn sie ihnen über die Jahre nicht viel Grund zur Freude bereiteten.

Lukrative Dickschiffe

Das kann man von Hummer nicht sagen. GM hat einige Jahre gutes Geld mit den monströsen Geländewagen mit Militärwurzeln verdient. Nachdem die Fahrzeuge als HMMWV, den Ahnen der Hummer, im zweiten Golfkrieg Berühmtheit erlangten, brach in den USA ein regelrechter Hummer-Boom aus. 1992 kam die erste zivile Version der Militärvehikel auf den US-Markt. Und schon bevor sich Arnie als Fan des automobilen Wahnsinns zeigte – der heutige Gouverneur von Kalifornien fuhr als erster Zivilist einen Hummer - verkauften sich die Dinos wie geschnitten Brot.

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Wer muss hier was beweisen? Hummer sind keine Autos für Tiefstapler. (Foto: Wieck)

So gut, dass sich GM 1999 die Marke einverleibte. Der H1, der noch direkt vom HMMWV, gesprochen Hummvee, abgeleitet war, wog sagenhafte 3,6 Tonnen, war fast 2,20 Meter breit und mehr als zwei Meter hoch. Daher bekam der H1 auch keine Zulassung für Europa, weil die Straßen in "Old Europe" großteils einfach zu schmal gebaut sind. Deshalb wurde die dritte Generation des Hummer, der H3, etwas eingedampft und ab 2004 in die ganze Welt exportiert. Das Konzept dahinter war im Grunde einfach: Man nehme simple Technik, stecke sie in ein monströses Blechkleid mit dicken Reifen und packe eine Big-Block-V8-Motor dazu. Fertig ist der Auto-Saurier. Geringe Kosten bei maximalen Erlösen versüßten die Bilanzen von GM.

GM verhandelt mit harten Bandagen

Und jetzt sind sie out. Der Hummer befindet sich seit zwei Jahren im Topf und ist schon lange gar. Nur mag ihn niemand haben. Am Ende nicht mal mehr die Chinesen von Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery, die eigentlich gerne zugeschlagen hätten. Doch der chinesische Staat hat den Deal verhindert. Selbst in China setzt sich die Erkenntnis durch, dass Autos mit einem Konsum von mindestens 20 Liter Sprit auf 100 Kilometer vielleicht nicht mehr ganz so zeitgemäß sind. Vielleicht ist ihnen beim Studium der Unterlagen aber auch aufgefallen, dass in der Marke gar kein nennenswertes Know how steckt.

Am Ende könnte die Taktik vielleicht doch aufgehen, denn GM zeigt Härte in den Verkaufsverhandlungen und signalisiert klar die Bereitschaft, die Marke sterben zu lassen. Das stärkt die eigene Position und setzt Interessenten unter Druck. Doch anders als bei Saab wird wohl niemand auf die Straße gehen, um Hummer zu retten. Kommt nicht so gut.

So bleibt die Hoffnung, dass die Autos von der Straße verschwinden. Die Evolution hat auch so ihre Fehler gemacht. Und ist in der Lage sie zu korrigieren. Daher könnte man davon ausgehen, dass auch die Autobranche dazu fähig ist, die Abkehr vom Wahnsinn zu schaffen. Kein Mensch braucht ein solches Auto. Und Leute mit übersteigertem Selbstbewusstsein oder Minderwertigkeitskomplexen können ihre Bedürfnisse auch durch andere Autos befriedigen. Es könnte uns aber auch ein Weiterleben der Marke drohen. GM setzt weiter auf China und verhandelt mit weiteren Interessenten.