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Inside Wall StreetBanken vor Billionen-Verlust?

08.08.2008, 20:15 Uhr

Die amerikanischen Finanzwerte kommen aus ihrem Abwärtsstrudel nicht heraus. Nach den Panikverkäufen der letzten Monate mögen sich einige erholt haben, doch haben jüngste Nachrichten die Anleger wieder vertrieben.

Die amerikanischen Finanzwerte kommen aus ihrem Abwärtsstrudel nicht heraus. Nach den Panikverkäufen der letzten Monate mögen sich einige erholt haben: Bank of America und J.P. Morgan etwa haben einen Teil ihrer Verluste ausgeglichen. Doch haben jüngste Nachrichten die Anleger wieder vertrieben – und die sorgen sich jetzt um den Trend.

Denn die Quartalsergebnisse der letzten paar Tage haben vor allem eines gezeigt: Für die Finanz- und Kreditinstitute ist die Krise keineswegs ausgestanden. Freddie Mac hat im vergangenen Quartal 800 Mio. Dollar verloren, der Schwesterkonzern Fannie Mae satte 2,4 Mrd. Dollar. Der Versicherungsriese AIG hat sich verspekuliert und blickt auf ein Minus von acht Mrd. Dollar.

Die Citigroup bereitet sich unterdessen auf Milliardenverluste vor, da sie von rund 40.000 Kunden schlechte Papiere zurückkaufen muss, die man wider besseres Wissen verhökert hatte und die jetzt fast wertlos sind. Und die Rating-Experten von Moodys drohen American Express mit einer Abwertung der Kredite.

Die Vorhersagen für das laufende und das nächste Quartal sind nicht gut. Sowohl die Banken als auch die Analysten rechnen damit, dass sich auf dem Immobilienmarkt vor 2009 keine Erholung zeigt. Und sie wissen, was bisher noch kaum eine langfristige Prognose für die Wall Street enthält: Nach der Hypothekenkrise droht irgendwann auch die Kreditkartenblase zu platzen. Die Amerikaner sind bis über beide Ohren verschuldet, insgesamt mit einem Volumen, dass die ausstehenden Immobiliendarlehen übersteigt.

„Die Banken schreiben ab wie verrückt“, meint Liz Ann Sonders, die Investment-Strategin von Charles Schwab. Selbst die mittlerweile vom IWF geschätzten Kreditkartenverluste von 945 Mrd. Dollar hält sie für „möglicherweise sehr konservativ“. Realistischer seien die Horrorprognosen, die einige unabhängige Studien ergeben hätten:

So kommt der anerkannte Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini von der New York University auf einen möglichen Gesamtschaden von zwei Mrd. Dollar. Und auch die Hedgefund-Verwalter von Bridgewater Associates gehen von „mindestens 1,6 Bio. Dollar“ aus. Damit hätte die Branche noch nicht einmal die Hälfte hinter sich.

Doch die letztendliche Schadenssumme ist nur ein Problem es Marktes. Das andere: Anleger haben nach den Milliarden-Abschreibungen der letzten Quartale immer wieder geglaubt, man hätte jetzt alles hinter sich. Wenn das nun nicht der Fall ist, droht ein enormer Vertrauensverlust. Die Papiere der Banken, Broker und Versicherungen könnten selbst nach herben Gewinneinbrüchen mit Misstrauen gesehen werden.

Zumal ein historischer Vergleich Sorgen macht. In diesem Jahr sind erst acht Banken Konkurs gegangen. Im Jahr 1989, auf dem Höhepunkt der damaligen Kreditkrise, waren es mehr als 500 Finanzinstitute. Um so etwas nicht wieder zuzulassen, wird sich vor allem die Fed bemühen die Zinsen niedrig und den Markt damit liquide zu halten. Zumindest das sind gute Nachrichten für den Markt, der aber noch viele Probleme zu bewältigen hat.