Wirtschaft
Mittwoch, 10. August 2011

Achterbahnfahrt in Frankfurt: Dax bricht ein

Es reicht ein bloßes Gerücht, um die weltweiten Aktienmärkte erneut schlingern zu lassen. Spekulationen, ob Frankreich der nächste Kandidat für eine Abwertung sein könnte, lassen den Dax wieder auf Talfahrt gehen. "Das habe ich noch nicht erlebt", sagt ein Händler.

(Foto: dapd)

Marktgerüchte über Frankreichs Kreditwürdigkeit haben die Aktienmärkte in heftige Turbulenzen gestürzt. Der kurze Höhenflug, ausgelöst von guten Vorgaben aus New York, endete am Nachmittag jäh: Der Dax pendelte im Tagesverlauf um mehr als 500 Punkte und verlor zum Handelsschluss 5,1 Prozent auf 5613 Punkte. Der MDax fiel 2,8 Prozent auf 8532 Punkte zurück, der TecDax büßte 1,5 Prozent auf 690 Zähler ein. Die extreme Verunsicherung der Anleger sorge dafür, dass sogar "verrückte Gerüchte" einen Crash verursachen könnten, warnten Börsianer.

Chart

Am Morgen standen die Zeichen am deutschen Aktienmarkt auf Erholung: Der Dax war zwischenzeitlich deutlich im Plus und übersprang sogar die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten. Die guten Vorgaben aus New York und Tokio trieben auch das deutsche Börsenbarometer an. Für gute Stimmung hatte die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve gesorgt, im Kampf gegen die flaue US-Konjunktur zu einzigartigen Mitteln zu greifen: Die Notenbank kündigte an, zwei weitere Jahre an ihrer extremen Niedrigzins-Strategie festzuhalten.

Doch die Spekulationen, Ratingagenturen könnten der europäischen Wirtschaftsmacht Frankreich die Top-Bonität entziehen, ließen alle Hoffnungen wieder platzen - zeitweise war der deutsche Leitindex mehr als 6 Prozent unter dem Vortagsniveau.

Die Anleger sind nach Händler-Angaben momentan vollkommen verunsichert, jedes Gerücht führe zu enormen Kursschwankungen. "Die Märkte sind derzeit extrem nervös. Gerade machen Gerüchte die Runde über eine mögliche Rating-Abstufung von französischen Staatsanleihen, sagte  Andreas Lipkow, Händler bei MWB Fairtrade. "Dies allein hat dazu geführt, dass der Dax-Index etwa 100 Punkte innerhalb weniger Minuten verloren hat. Richtige Zuversicht und echtes Vertrauen ist trotz der Fed-Aussagen gestern noch nicht an die Märkte zurückgekehrt."

Einzelnachrichten und Quartalsbilanzen rückten erneut in den Hintergrund. Die Vorzugsaktien des Kosumgüterherstellers Henkel, die nach Zahlenvorlage zeitweise noch um mehr als sieben Prozent zugelegt hatten, retteten schließlich noch ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Eon-Aktien dagegen brachen nach Zahlen um 10,9 Prozent ein. Der Versorger hatte nach einem kräftigen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs seine Jahresprognose und die Dividende gekürzt. Zudem prüft der Düsseldorfer Konzern den Abbau von 11.000 Stellen.

Die Aktien der Commerzbank büßten 7,7 Prozent ein, dicht gefolgt von denen der Deutschen Bank, die um 7,4 Prozent nachgaben. Die Commerzbank hatte am Morgen einen kräftigen Gewinneinbruch im zweiten Quartal gemeldet und zeigte sich wegen der Marktturbulenzen skeptisch über ihre Jahresziele.

Im MDax brachen die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co nach schwachen Zahlen um 25,9 Prozent ein. Q-Cells gingen im TecDax nach Zahlen mit minus 17,7 Prozent auf Talfahrt. Auch das angeschlagene Solarunternehmen hatte nach einem schwachen Geschäftsverlauf einen Personalabbau beschlossen.

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Quelle: n-tv.de

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