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Nächste Hürde fälltDax taucht unter 5900 Punkte

25.08.2010, 17:50 Uhr

Sorgen um die US-Wirtschaft ziehen den Konjunkturoptimisten am deutschen Aktienmarkt den Boden unter den Füßen weg. Obwohl sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft überraschend verbessert, kennt der Aktienmarkt scheinbar nur eine Richtung: abwärts.

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(Foto: REUTERS)

Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch erneut auf breiter Front nachgegeben. Trotz eines letzten Aufbäumens im späten Handel schloss der Dax denkbar knapp unter der Marke von 5900 Punkten. Mit einem Tagesminus von 0,6 Prozent ging der Leitindex bei 5899,5 Punkten aus dem Handel. Der MDax rettete sich hingegen mit einem Minus von 1,2 Prozent über die zwischenzeitlich unterschrittene Marke von 8000 Punkten und ging bei 8006,42 Zählern aus dem Handel. Der TecDax verlor ein Prozent auf 718,04 Punkte.

Nur kurz drehte der Markt im frühen Handel in die Gewinnzone, als der Ifo-Geschäftsklimaindex mit einem Anstieg zum Vormonat überraschte. Börsianer hatten eigentlich mit einem Rückgang des wichtigen Konjunktur-Frühindikators gerechnet. Der Index kletterte jedoch von 105,7 auf 106,7 Punkte. Das war die zweite große positive Überraschung nach den BIP-Daten Mitte August. Nach Einschätzung von Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger wird es nach dem ungewöhnlich hohen Wachstum im zweiten Quartal auch in den nächsten Monaten keine Konjunkturabkühlung geben, er erwartet eine "Normalisierung".

Am Markt überzeugte das jedoch nicht nachhaltig. Selbst mancher Börsianer schüttelte über die Logik am Markt teilweise den Kopf. "Deutschland wird zum Vorzeigekandidat in Sachen Wirtschaftswachstum, und es bringt dem Dax fast gar nichts", konstatierte ein Händler. Der Fokus der Anleger liege weiter auf der US-Konjunktur. Dort wiederum warteten am Nachmittag neue Hiobsbotschaften auf die Anleger. Die US-Auftragseingänge fielen deutlich schwächer aus als prognostiziert. Erwartet wurde ein Anstieg zum Vormonat von 2,8 Prozent, tatsächlich lag das Plus jedoch nur bei 0,3 Prozent. "Der Markt lauert gerade auf alles, was nach Double Dip aussieht - und das hier tut es", sagte ein Händler. Auch der US-Immobilienmarkt zeichnete kein freundlicheres Bild. Die US-Eigenheimverkäufe brachen zum Vormonat um 12,4 Prozent ein, erwartet wurde hingegen ein Anstieg um 0,9 Prozent.

Equinet-Analyst Thomas Nagel stellte die derzeitige Logik an den Märkten in Frage: "Was, wenn es keinen Einbruch der globalen Wirtschaft gibt und sich das Problem auf Amerika konzentriert? Genau dann werden sich die anderen Märkte endlich von den US-Märkten lösen." Schon öfter wurden solche Theorien aufgestellt, bislang hat es nie funktioniert.

Vorschusslorbeeren für Bayer

Größter Tagesgewinner war Bayer mit einem Plus von 1,6 Prozent. Die Papiere profitierten von Aussicht auf gute Ergebnisse bei einer wichtigen Schlaganfall-Studie. Nach Konzernangaben wurde eine Präsentation des Konzerns zu seinem neuen Thrombose-Mittel Xarelto auf dem einflussreichen Medizin-Kongress der American Heart Association zugelassen. "Die Zulassung der Präsentation bestätigt nicht direkt positive Studienergebnisse, aber es bestätigt, dass Bayer sich sicher ist, die Daten bald und in hinreichender Qualität herausgeben zu können", kommentierten die Analysten von Kepler Capital Markets. "Am Markt wird jetzt darauf spekuliert, dass Xarelto für die US-Zulassung empfohlen wird", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Papiere der Deutschen Post legten 0,6 Prozent zu. Medienberichten zufolge plant der Bonner Konzern die vollständige Auslagerung der Paketzustellung. Dadurch will die Post 140 Mio. Euro einsparen. "Vor Steuern und Aufwendungen für Personalabbau oder Personalumsetzungen sind das etwa 10 Cent je Aktie, bereinigt noch etwas weniger", gibt ein Marktteilnehmer zu bedenken. Allerdings sahen Händler die Chance auf eine Erholung nach den jüngsten Kursverlusten.

Papiere von Volkswagen gerieten mit einem Minus von 1,9 Prozent stärker unter Druck. Der Konkurrent Opel will noch 2010 mit dem Vertrieb in China beginnen. Bisher wurden aus dem GM-Konzern dort nur Modelle der Marke Buick angeboten. Damit steigt für VW die Konkurrenz am wichtigen chinesischen Markt.

Größter Tagesverlierer war die Commerzbank mit einem Abschlag von 2,3 Prozent. Die Papiere müssen angesichts der anstehenden Bankenabgabe mit einer deutlichen Gewinnbelastung rechnen. Ausgehend von Zahlen für 2009 kalkuliert Merck Finck & Co eine Belastung von 220 Mio. Euro für die Commerzbank. Die Deutsche Bank wäre demnach mit 450 Mio. Euro betroffen, der Kurs gab um 1,3 Prozent ab.

Eine negative Analysteneinschätzung drückte Papiere von HeidelCement weiter abwärts. Analysten der Bank of America-Merrill Lynch stuften die Aktie von "Buy" auf "Neutral" herab. Die Papiere gaben daraufhin 1,9 Prozent ab. Bereits am Vortag hatten die Aktien des Baustofflieferanten überdurchschnittliche Kursverluste verbucht, als ein irischer Baukonzern mit einer Gewinnwarnung den gesamten europäischen Bausektor belastete.

Tognum holt auf

Nach einer Kaufempfehlung durch die Analysten der Berenberg Bank setzten sich Tognum mit einem Plus von 2,3 Prozent weit oben auf die Liste der MDax-Gewinner. Der Motorenbauer sei gerade nach den jüngsten Kursverlusten wieder für Anleger attraktiv, schrieben die Analysten in einem Kommentar. Seit Monatsbeginn waren die Papiere um rund acht Prozent gefallen. Die Analysten sehen Tognum auf einem guten Weg. Das Unternehmen investiere stark in seine Produktpalette, um den europäischen und amerikanischen Umweltstandards gerecht zu werden. Sie stuften Tognum auf "buy" von "hold", das Kursziel beließen sie bei 18 Euro.

Den hohen Quartalsverlust von Air Berlin quittierten Anleger nach einem schwankungsreichen Tag mit Kursgewinnen. Für die Papiere ging es im SDax um 0,6 Prozent nach oben. Operativ scheint Air Berlin wieder auf gutem Weg zu sein, urteilen die Analysten der LBBW in einem Marktkommentar. Der Fokus der Investoren richte sich nun auf das laufende Geschäft des dritten Quartals und den Ausblick des Konzerns für das Gesamtjahr, schreiben die Analysten der DZ Bank.

Quelle: nne/rts/DJ