Freitag, 17. Januar 2003
US-Zahlen verdarben Laune: Dax unter 3.000
Die deutschen Standardwerte gerieten zum Wochenausklang deutlich unter Druck. Damit reagierten die Investoren auf schwache Marktdaten von der Wall Street und schlechte Quartalszahlen der Technologiewerte AMD und IBM. Die deutlich besser als erwarteten Daten zur Industrieproduktion in Europa wurden vom Markt ignoriert, ein deutlich ausgeweitetes US-Handelsdefizit ließ den Dax hingegen weiter fallen.
An der Spitze der Verliererliste standen vor allem High Techs. Der Dax schloss mit einem Minus von 4,4 Prozent bei 2.919 Punkten.
Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes ist im Januar überraschend weiter gesunken. Der Index der Universität Michigan sank auf 83,7 von 86,7 Zählern im Dezember, wie aus Finanzkreisen verlautete. Die USA haben im November vergangenen Jahres auf Rekordniveau Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland bezogen. Das Handelsdefizit weitete sich auf 40,1 Milliarden Dollar von zuvor 35,2 Milliarden im Oktober aus. Unter befragten Volkswirten wurde durchschnittlich nur ein Anstieg auf rund 36,8 Milliarden Dollar erwartet.
Die Industrieproduktion in der Euro-Zone kletterte im November im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Prozent, befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg um 0,1 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich stieg die Produktion um 3,0 Prozent, hier wurden 1,2 Prozent erwartet.
High Tech-Werte geben unter anderem nach Aussagen des US-Software-Giganten Microsoft nach. Der Konzern sieht derzeit keinen deutlichen Aufschwung bei den weltweiten Ausgaben für Informationstechnologie. Für schlechte Stimmung sorgen auch schwache Zahlen des weltgrößten Computerkonzerns IBM und des Chipproduzenten Advanced Micro Devices (AMD).
Die Papiere des Softwareherstellers SAP verbuchten ein Minus von 5,3 Prozent auf 84,93 Euro, der Halbleiterhersteller Infineon verlor 3,2 Prozent auf 7,86 Euro. Noch ärger erwischte es die Infineon-Mutter Siemens mit einem Minus von 6,4 Prozent auf 39,11 Euro. Epcos gaben im MDax 6,3 Prozent auf 10,29 Euro ab.
Der Energiekonzern E.on verkauft seine knapp 16-prozentige Beteiligung an der französischen Bouygues Telecom für knapp 1,1 Milliarden Euro. Die Transaktion werde in zwei Schritten erfolgen, Käuferin sei der Baukonzern Bouygues, der bereits die Mehrheit an der Telefongesellschaft hält, teilte E.on am Freitag mit. Der Kurs gab mit 2,5 Prozent auf 41,36 Euro weniger stark nach als der Gesamtmarkt.
Der Aufwärtstrend bei den Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen hat sich im Dezember 2002 verstärkt. Trotz Risiken rechnet Fraport-Chef Wilhelm Bender mit einem erfolgreichen Jahr 2003. Das Fluggast-Aufkommen habe im Jahresvergleich im acht Prozent auf rund 3,4 Millionen zugelegt, teilte das Unternehmen mit. In den letzten beiden Wochen des Jahres hätten sogar 11,1 Prozent mehr Passagiere als ein Jahr zuvor den größten deutschen Flughafen genutzt. Die im MDax notierte Aktie gab um 4,4 Prozent auf 17,80 Euro nach.
Der Baukonzern Bilfinger Berger stellt sich nach Worten von Finanzvorstand Jürgen Schneider auf einen Preispoker um seinen 30-prozentigen Anteil am Heizungsspezialisten Buderus ein. Die Stuttgarter Bosch-Gruppe müsse halt sagen, sie wolle Buderus unbedingt. Bisher habe Bosch aber noch keine konkrete Offerte vorgelegt. Es habe lediglich "lose Kontakte" gegeben. Bei einem Gebot von 35 Euro pro Aktie könne Bilfinger Berger sicherlich "nicht nein" sagen, so Schneider in einem Gespräch mit der Agentur Reuters. Bosch hält bisher 13 Prozent an Buderus, bezeichnet dieses Engagement aber lediglich als Finanzanlage. Die Anleger konnten sich an der neuerlichen Spekulation auf alle Fälle schon mal erwärmen: Bilfinger Berger legten um 3,6 Prozent auf 18,70 Euro zu, für Buderus ging es 1,4 Prozent auf 25,00 Euro ins Plus.
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