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Dax-VorschauDie Berichtssaison beginnt

09.01.2010, 12:00 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt schlägt in der neuen Woche die Stunde der Wahrheit: Die aus dem Weihnachtsurlaub heimkehrenden Anleger werden mit einem deutlich höheren Dax konfrontiert und können nun entweder auf den Zug aufspringen - oder ihn aufhalten und zur Umkehr zwingen.

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Die Kalenderwoche 1 war erst der Anfang: Nach Alcoa wird man sehen, welche Strategie die Weihnachtsurlauber einschlagen. (Foto: REUTERS)

In der Woche vom 11. bis 15. Januar rückt die Ertragslage der Unternehmen wieder ins Rampenlicht. In den USA wird der Aluminiumkonzern Alcoa die Berichtssaison zum vierten Quartal 2009 einläuten. Der Dax, der am Freitagabend bei 6037 Punkten aus dem Handel ging, hat allein in der ersten Handelswoche des Jahres annähernd 1,4 Prozent zugelegt. Am Freitag vor Weihnachten hatte sich der Leitindex noch mit 5831 Punkten in die Winterpause verabschiedet. Danach schrumpften die Umsätze zeitweise dramatisch. Das Plus von seither 3,6 Prozent steht somit nach Einschätzung vieler Börsianer auf tönernen Füßen. "Richtig zur Sache geht es erst, wenn alle wieder da sind", schallte es in der abgelaufenen Woche wie ein Echo aus den Handelsabteilungen der Banken.

"Nach dem guten Start ins neue Jahr werden einige den Druck verspüren, aktiv zu sein", erwartet Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. "Sie könnten Angst haben, dass ihnen der Markt davonläuft." Klude sieht den Dax in Richtung 6150 oder 6200 Punkte laufen. Sein Kollege Michael Köhler von der LBBW hält den Bereich um 6000 Punkte für ein "Gravitationszentrum". Wie sich der Leitindex entwickle, hänge vom Start der Bilanzsaison in den USA ab.

Unangemeldete Berichte möglich

Nach Alcoa wird am Donnerstag der weltgrößte Chiphersteller Intel seine Bilanz vorlegen, am Freitag soll mit JP Morgan Chase die erste der großen US-Banken folgen. Klude sieht nach den gesunkenen Erwartungen der vergangenen Wochen für die US-Konzerne insgesamt positives Überraschungspotenzial. Laut Köhler werden sich die Anleger auf den Ausblick der Unternehmen kaprizieren. Doch dürften die Konzernlenker diesmal besonders darauf achten, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Schließlich wolle der ein oder andere sich ja auch noch eine positive Überraschung für das nächste Quartal aufheben, mutmaßte Köhler.

In Deutschland wird Nivea-Hersteller Beiersdorf am Dienstag mit seinen vorläufigen Zahlen für 2009 den Auftakt für die Berichtssaison machen. Metro und Lufthansa warten ebenfalls am Dienstag mit ihren Umsatz- beziehungsweise Verkehrszahlen auf. Spekulationen, Metro habe im Vorfeld der Zahlen die Erwartungen dämpfen wollen, haben der Aktie des Handelskonzerns in der abgelaufenen Woche zugesetzt.

Für Mittwoch hat Douglas zu einer Bilanz-Pressekonferenz geladen. Zudem könnten auch Unternehmen ohne Ankündigung mit Zahlen aus der Bilanz aufwarten. In der letzten Berichtssaison im Herbst hatten einige die Veröffentlichung der Eckdaten vorgezogen - meist dann, wenn sie positiv überraschen wollten.

Für die Marktentwicklung im Gesamtjahr 2010 sind viele Analysten skeptisch, nachdem der Dax 2009 um knapp 24 Prozent gestiegen war. "Den Aktienmärkten droht 2010 Gegenwind", erklärt Andreas Hürkamp, Stratege bei der Commerzbank. "Die Konjunkturerholung wird an Schwung verlieren, und die Notenbank könnten beginnen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen." Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte das allerdings noch dauern: Erst ab dem dritten Quartal rechnen Analysten mit einer Erhöhung des Leitzinses, die seit Frühjahr 2009 bei 1,0 Prozent steht.

Daneben bleibt die Konjunkturentwicklung in den USA - der weltgrößten Volkswirtschaft - im Fokus. Mit besonderer Spannung werden die Anleger am Freitag auf die Statistik zur Industrieproduktion und den Index zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und Reuters für Januar schauen.

Technische Analysten sehen den Dax aufgrund der Kursdynamik noch bis rund 6.300 Punkte steigen. Erst dort lägen zahlreiche Widerstände, die eine Konsolidierung erahnen ließen. Unter den Konjunkturdaten der kommenden Woche finden sich nur wenige, die sich an Bedeutung mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht messen können. Als wichtig erachtet werden das "Beige Book" der US-Notenbank am Mittwoch und die Auktion zehnjähriger US-Anleihen. Letztere wird als wichtiger Indikator für die Finanzierungsfähigkeit der US-Niedrigzinspolitik gesehen.

Höhepunkt ist dann die Auktion der langlaufenden 30-jährigen Anleihen am Donnerstag. Zudem wird dann der US-Einzelhandelsumsatz für den Dezember und damit das wichtige Weihnachtsgeschäft veröffentlicht. Einige US-Einzelhändler hatten hier bereits im Wochenverlauf mit sehr guten Daten überrascht. Am Freitag stehen auch die Inflationsraten im Dezember sowohl aus den USA als auch für den Euro-Raum an.

Quelle: Andrea Lentz, rts / Michael Otto Denzin, dj