Donnerstag, 22. Dezember 2011
Forint unter Druck: Euro stabilisiert sich
Nach dem Kursrutsch vom Vortag erholt sich der Euro. Die Aufmerksamkeit des Devisenmarkts zieht aber vor allem der ungarische Forint auf sich.Der Euro legt deutlich zu. Am Morgen steigt die Gemeinschaftwährung über 1,31 Dollar, fällt am Vormittag aber wieder zurück und tendiert im späten europäischen Geschäft schließlich 1,3051 Dollar. Händler sprechen von einer Gegenbewegung nach den Kursverlusten am Vortag. Außerdem habe die Zustimmung des italienischen Parlaments zum drastischen Sparkurs von RegierungschefsMario Monti die Gemeinschaftswährung gestützt.
Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3047 Dollar fest. Ein Dollar kostete damit 0,7665 Euro. Vor dem Jahresende nehmen die Schwankungen aufgrund des dünnen Handels zu. Insgesamt sprechen Händler von einem ruhigen Geschäft am Devisenmarkt. "Es geht nun Richtung Weihnachten", sagt einer von ihnen.
"Der Handel wird sich nun bald den Schlüssel-Ereignissen im kommenden Jahr zuwenden", meinen die Devisen-Analysten der Credit Agricole. Dabei geht es unter anderem um den Refinanzierungsbedarfs Spaniens und Italiens, der im Januar und Februar allein bei etwa 200 Mrd. Euro liegen soll.
"Die Auktionen können die Euro-Krise schnell wieder in den Vordergrund rücken", so ein Händler. Zunächst sei aber mit einem dünnen Handel vor dem Jahresende zu rechnen. "Viele Marktteilnehmer haben ihre Bücher geschlossen", ergänzt der Händler. Gerade das dünne Geschäft könne aber stärkere Kursausschläge hervorrufen.
Aus technischer Sicht sei der Euro einerseits bei 1,30 Dollar unterstützt, betont ein anderer Devisenhändler. Andererseits treffe er bei 1,32 Dollar auf Widerstand. Hier setzte am Mittwoch eine Verkaufswelle ein, nachdem die Europäische Zentralbank den Banken 489 Mrd. Euro zugeteilt hatte.
Die Herunterstufung der Bonität Ungarns durch die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) machte dem Forint zu schaffen. Zum Euro verbilligte sie sich auf bis zu 308,56 Forint. Vor der Bekanntgabe von S&P, die Kreditwürdigkeit des osteuropäischen Landes nur noch mit der "Ramsch"-Note "BB+" zu bewerten, hatte der Euro bei 304 Forint tendiert. "Der Entscheidung von S&P könnte ein ähnlicher Schritt von Fitch folgen, und die Herunterstufungen erhöhen den Druck auf die Regierung, den Konditionen von EU und IWF zum Erhalt von Hilfen zuzustimmen", hieß es in einem Kommentar der Citibank. Vorigen Monat hatte sich die Ratingagentur Moody's bereits kritisch zu den Aussichten Ungarns geäußert und die Bonität auf Ramsch-Niveau heruntergestuft.
jga/dpa/rts/DJ
