Inside Wall StreetGrüne Pfeile, große Sorgen
Übers Wochenende haben sich die amerikanischen Börsen offensichtlich recht gut erholt. Klingt gut, könnte aber auch ein letztes Aufbäumen sein.
Übers Wochenende haben sich die amerikanischen Börsen offensichtlich recht gut erholt; nach den jüngsten Kursverlusten hat man jedenfalls wieder einen Kurs bergauf eingeschlagen. So viel Optimismus ausgerechnet in der ersten Woche der Ertragssaison… das klingt gut, könnte aber auch ein letztes Aufbäumen sein, bevor Corporate America die Träumer auf den Boden der Tatsachen holt.
Denn wenn gleich zahlreiche Unternehmen aus allen wichtigen Branchen positive Zahlen erwarten, deutet das nicht auf die allgemeine wirtschaftliche Erholung hin, die viele Anleger erhoffen. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen, die in den letzten Tagen ihre Zahlen veröffentlicht haben, sind nicht über eine höhere Nachfrage in die Gewinnzone gekommen, sondern dank drastischer Sparmaßnahmen. Entlassungen und Produktionskürzungen stehen hinter den grünen Pfeilen – das ist kein langfristiger Wachstums- und Erfolgskurs.
Bestes Beispiel: der Sportartikler Nike, der im dritten Quartal seinen ersten Gewinn seit einem Jahr eingefahren hat – trotz eines Umsatzrückganges. Die Zahlen der Restaurantkette Darden zeigten denselben Trend, und der Konkurrent Yum, zu dem die Ketten Pizza Hut, Taco Bell und Kentucky Fried Chicken gehören, dürfte am morgigen Dienstag ähnliches zu Protokoll geben.
Der Dow-Konzern Alcoa, der traditionell den Reigen der wichtigen Quartalszahlen eröffnet, wird am Mittwoch melden. Experten erwarten, dass der Aluminium-Riese einen Umsatzeinbruch von 38 Prozent eingestehen wird. Ähnliche Prognosen – gute Gewinne, flache oder negative Umsatzentwicklung – gibt es für die anstehenden Konferenzen von PepsiCo und Marriott, dem Landwirtschaftsriesen Monsanto und dem Einzelhändler Costco.
Wirklich überraschend ist das nicht. Volkswirte bemühen sich zwar seit Wochen, die Rezession für beendet zu erklären, doch beim Verbraucher kommt die Botschaft nicht an. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, das Verbrauchervertrauen niedrig. Wenige Wochen vor dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts halten die Amerikaner den Geldbeutel mit beiden Händen fest. Anleger wissen das. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch sie sich konsequenterweise zurückziehen. Ironischerweise könnte das mit einer Quartalssaison einhergehen, die auf den ersten Blick gute Bilanzen zeigt.