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Mit ihren drei Nullen dahinter löst die 13 an der Wall Street Begeisterung aus.
Mit ihren drei Nullen dahinter löst die 13 an der Wall Street Begeisterung aus.(Foto: REUTERS)

Dow lugt kurz über die 13.000: New York schließt beeindruckt

Nach einem zögerlichen Start entdecken die Anleger an der Wall Street ihre Zuversicht: Überraschend gute Quartalszahlen heben den Dow Jones zum ersten Mal seit 2008 wieder über die Marke von 13.000 Punkten. Lange hält der Höhenflug nicht. Doch immerhin: Die symbolisch aufgeladene Kursschwelle ist wohl bald fällig.

"Auf dem Papier sieht alles schön und gut aus": Die Entwicklungen in Europa sind aus der Entfernung nicht leichter zu überblicken.
"Auf dem Papier sieht alles schön und gut aus": Die Entwicklungen in Europa sind aus der Entfernung nicht leichter zu überblicken.(Foto: AP)

Nach einem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende hat der New Yorker Aktienmarkt ohne klare Richtung geschlossen. Zeitweise jedoch brach an der Wall Street vorsichtiger Jubel aus: Die Erleichterung über die neuen Hilfen für Griechenland und gute Geschäfte von US-Einzelhandelskonzernen verhalfen dem weltweit beachteten Leitindex Dow Jones kurzzeitig über die symbolträchtige Marke von 13.000 Punkten.

Lange hielt die neugewonnene Zuversicht allerdings nicht an: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte konnte sich nicht über dieser Marke halten und notierte Handelsschluss mit einem dünnen Plus von 0,1 Prozent bei 12.965 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1362 Zählern, ein Plus von 0,1 Prozent. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,1 Prozent und ging mit 2948 Stellen aus dem Handel. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gewann dagegen 0,23 Prozent auf 2590 Punkte.

Überraschend gute Quartalszahlen von Home Depot bis Macy's sorgten laut Händlern zeitweise für gute Stimmung. Nach der milliardenschweren Geldspritze der Euro-Staaten für Athen gebe es aber nun wieder die Sorge, ob dies ausreiche, um das Schuldenproblem der Griechen zu lösen. Das Hilfspaket werde die griechische Krise nicht beseitigen, die bestehenden Hürden seien nach wie vor existent, sagte ein Börsianer. Anleger stießen zudem Aktien ab, nachdem der anziehende Benzin ist so teuer wie nie Sorgen vor höheren Produktionskosten für Unternehmen schürte.

Das zweite Hellas-Programm sei zwar eine willkommene Nachricht, sagte Peter Kenny von Knight Capital. Doch die Anleger hegten noch erhebliche Zweifel, ob eine Lösung für Griechenland auch eine Trendwende für die gesamte Eurozone bedeute. Die Euro-Länder hatten sich nach einer monatelangen Hängepartie auf Hilfen für Griechenland im Volumen von 130 Mrd. Euro verständigt.     

Bei den Einzelwerten waren die Blicke der Anleger vor allem auf Konzerne aus der Konsumbranche gerichtet, die ihre Bilanzen vorstellten. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart machte im Weihnachtsquartal weniger Umsatz als von Experten erwartet. Die Aktie gab 3,9 Prozent ab.

Dagegen kamen von Home Depot und Kraft Foods ermutigende Signale zur Entwicklung der US-Wirtschaft, die zu zwei Dritteln von den Verbrauchern abhängig ist. Der Baumarktkette Home Depot kam das milde Winterwetter zugute, da viele Kunden im vierten Quartal Frühlingseinkäufe vorzogen. Der Branchenprimus legte bei Umsatz und Gewinn kräftig zu. Die Anleger honorierten dies mit Kursaufschlägen von 0,4 Prozent.

Macy's gewannen gut ein Prozent. Die zweitgrößte US-Kaufhauskette hatte im vierten Quartal mehr verdient, als von Analysten vorhergesagt worden war. Der Umsatz war hingegen wie vom Markt erwartet ausgefallen.

Einen Gewinnsprung machte auch der Lebensmittelkonzern Kraft. Dank eines harten Sparprogramms verdoppelte der Hersteller von Milka-Schokolade, Miracoli-Nudelgerichten und Jacobs-Kaffee seinen Gewinn im Quartal. Die Kraft-Aktie kletterte 1,5 Prozent.

Auch für Apple ging es nach oben, nachdem eine Kommission in den USA eine Patenklage des taiwanischen Rivalen HTC gegen den iPhone-Hersteller abgewiesen hat. Das Apple-Papier legte 2,5 Prozent zu.

Kurzes Gedenken an Lehman Brothers

Der kurze Sprung über die markante Kursmarke bei 13.000 Punkten sorgte dennoch für Aufsehen. Zuletzt hatte der US-Leitindex im Mai 2008 so hoch gestanden. Das war vor der Eskalation der Finanzkrise. Im September 2008 kollabierte die Investmentbank Lehman Brothers. Kukrz darauf kam es zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Der Dow Jones büßte bis zum März 2009 fast die Hälfte seines Wertes ein, bevor der Sinkflug gestoppt werden konnte und die Kurse sukzessive wieder stiegen. Auch der deutsche Leitindex Dax hat sich seitdem deutlich erholt, wenngleich er noch nicht ganz an seine Höchststände anknüpfen konnte.

Die Schuldenkrise hatte den Aufschwung an der Wall Street zuletzt gebremst. Die Anleger fassen Banken derzeit nur mit spitzen Fingern an, weil sie versteckte Verluste aus Europa fürchten. Dagegen läuft es in weiten Teilen der Industrie und in der Technologiebranche blendend. Auch die US-Einzelhändler vermelden gute Geschäfte, nachdem die Arbeitslosigkeit in den Staaten zurückgeht und die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche haben.

Zum Auftakt war von Euphorie nach der Griechenland-Rettung zunächst wenig zu erkennen. Die US-Börsen pendelten zunächst um ihren Stand vom Ende der vergangenen Woche, nachdem sie am Vortag wegen des Feiertags "President's Day" geschlossen geblieben waren. Erst im Handelsverlauf machte sich mit den Zwischenberichten konsumnaher Schwergewichte eine zunehmend freundliche Stimmung breit.

"Wir haben in letzter Zeit einen starken Markt gesehen, der schon von der Erwartung einer Einigung zu Griechenland angeschoben worden war", sagte Andre Bakhos von Lek Securities in New York am Morgen. Nun machten sich die Börsianer auf die Suche nach anderen guten Nachrichten, die den Kursen kurzfristig Auftrieb geben könnten.

Kompliziertes Europa

Am Tag nach dem Durchbruch in den monatelangen Verhandlungen um einen Schuldenschnitt für Griechenland stellt sich die Lage folgendermaßen dar: Das Euro-Land erhält wie geplant neue Finanzhilfen über 130 Mrd. Euro. Private Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent oder 107 Mrd. Euro ihrer Forderungen. Das Programm läuft bis 2014.

Im Vordergrund steht nun zunächst die Ratifizierung in allen nationalen Parlamenten. Griechenland muss zudem versuchen, 90 Prozent seiner privaten Gläubiger zu einer Teilnahme an einem Staatsanleiheumtausch zu bewegen.

"Auf dem Papier sieht alles schön und gut aus. Aber die Hängepartie wird weitergehen", prognostizierte der Händler eines US-Brokers. So müsse sich in den kommenden Wochen erst noch zeigen, ob die privaten Gläubiger Griechenlands den für sie schmerzhaften Schuldenschnitt akzeptieren. Zudem sei die Haltung der griechischen Öffentlichkeit alles andere als klar.

Als einziges Konjunkturdatum wurde am Dienstag der Chicago Fed National Activity Index veröffentlicht. Dieser zeigte zwar, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in den USA im Januar abgeschwächt hat, fällt aber an den Märkten nicht ins Gewicht.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 800 Mio. Aktien den Besitzer. 1493 Werte legten zu, 1495 gaben nach und 104 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,81 Mrd. Dollar 944 Aktien im Plus, 1606 im Minus und 96 unverändert.

Der Euro notierte zum Handelsschluss in New York bei 1,3239 Dollar. Richtungweisende zehnjährige Anleihen verloren 17/32 Punkte auf 99 14/32 Punkte. Ihre Rendite lag bei 2,060 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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