Angst vor den Job-DatenNew York schließt im Minus

Die US-Börsen gehen am Donnerstag mit Verlusten aus dem Handel. Nach einer kurzen Phase der Erholung beginnen sich die Anleger wieder verstärkt um die US-Konjunktur zu sorgen. Der Rückenwind eines überraschend freundlichen ISM-Index ist schnell verflogen. Viele Marktteilnehmer wollen offenbar den anstehenden Arbeitsmarktbericht abwarten, bevor sie sich für neue Zukäufe entscheiden.
Zurückhaltung vor dem wichtigen Arbeitsmarktbericht am Freitag hat die US-Aktienindizes am Donnerstag in die Verlustzone gedrückt. Überwiegend positiv aufgenommene Konjunkturdaten konnten den Ängsten vor einer erneut schwachen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im August nur zu Handelsbeginn entgegenwirken. Im Tagesverlauf hatten mehrere Volkswirte ihre Prognose für die Zahl neu geschaffener Stellen gesenkt. Dazu kam der deutlich gesenkte auf das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr.
Der Dow-Jones-Index verlor 1,03 Prozent auf 11.493,57 Punkte. Damit liegt der Index in der Betrachtung seit Jahresanfang (ytd) wieder im Minus. Ende Juli hatte der Index noch bei gut 12.750 Zählern im Plus notiert. Für den breiter gefassten S&P-500 ging es am Donnerstag um 1,19 Prozent auf 1204,42 Punkte nach unten. An der Technologiebörse Nasdaq verlor der Auswahlindex Nasdaq-100 0,98 Prozent auf 2219,05 Punkte. Der Composite-Index fiel um 1,30 Prozent auf 2546,04 Punkte.
Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten am Donnerstag fielen zwar leicht besser aus als erwartet, signalisierten aber nach Ansicht der Investoren keine Wende. Zudem hat Goldman Sachs ihre Prognose für den Bericht am Freitag auf plus 25.000 von plus 50.000 Stellen gesenkt, obwohl das Haus bereits zuvor unter dem Konsens von plus 80.000 gelegen hatte. Ein Plus von 25.000 wäre der schwächste Wert seit September 2010, als ein Minus von 29.000 verbucht worden war. Andere Analysten zogen nach.
Der mit Spannung erwartete ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe hatte zunächst für Erleichterung am Aktienmarkt gesorgt. Unmittelbar im Anschluss an die Daten liefen die Indizes deutlich ins Plus. Im weiteren Verlauf fielen sie aber wieder zurück. Der Index hielt sich nicht nur oberhalb der Markterwartung, sondern blieb auch oberhalb der Marke von 50, ab der er Wachstum signalisiert. Die Bauausgaben fielen schwächer aus als erwartet, wobei allerdings die Vormonatszahlen nach oben revidiert wurden.
Aus dem Hause der Helaba hieß es in einer Einschätzung, dass die Sorgen vor einem neuerlichen Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession zwar nicht geschürt, aber ebensowenig verdrängt würden. Unter Händlern war zu hören, dass der Aktienmarkt auf dem gegenwärtigen Niveau zwar attraktiv bewertet sei, das Vertrauen der Anleger in eine Fortsetzung der jüngsten Markterholung allerdings beschränkt sei. Dafür seien die Unsicherheiten und Schuldenprobleme in der Eurozone und den USA einfach zu groß.
Cisco Systems waren mit einem Aufschlag von 1,02 Prozent auf 15,84 US-Dollar der einzige Gewinner im Dow Jones. Am Ende des Index fanden sich die Banken JP Morgan mit minus 3,35 Prozent und Bank of America mit minus 3,18 Prozent ein. Probleme von Goldman Sachs mit den US-Bankenaufsehern habe die Stimmung in der Branche belastet, sagten Händler. Die Notenbank Fed hatte die Wall-Street-Größe wegen unsauberer Praktiken ihrer ehemaligen Tochterfirma Litton Loan Servicing an den Pranger gestellt. "Eine Geldstrafe wäre angemessen", teilte die Fed mit. Darüber soll später entschieden werden.
Alcoa verloren 2,50 Prozent auf 12,49 Dollar. Börsianer begründeten dies mit Sorgen, Chinas Pläne zur Eindämmung der Inflation könnten die Nachfrage dämpfen. Darunter litten die Rohstoffwerte.
Apple verloren 0,96 Prozent auf 381,15 Dollar. Ein Mitarbeiter verlor laut einem unbestätigten Medienbericht erneut den eines neuen iPhone-Modells in einer Bar. Nach dem Verlust Ende Juli habe der Apple-Sicherheitsdienst noch fieberhaft versucht, das geheime Gerät wiederzubeschaffen, berichtete der Online-Dienst "CNET" unter Berufung auf eine mit den Ermittlungen vertraute Person. Es sei nicht wiedergefunden und mittlerweile möglicherweise bereits im Internet weiterverkauft worden.
Die Aktien von AT&T gaben 0,74 Prozent nach auf 28,27 Dollar, nachdem am Vortag die US-Regierung Einspruch gegen die Milliarden-Übernahme von T-Mobile USA erhoben hatte.
Ciena sprangen hingegen um 20,18 Prozent auf 14,71 Dollar nach oben. Der Netzwerkausrüster hatte im dritten Quartal überraschend einen Gewinn von acht Cent je Aktie erzielt. Experten hatten hingegen ein Minus von acht Cent erwartet.
Der Kurs des Euro sank blieb unter 1,43 Dollar und und notierte zuletzt bei 1,4272 Dollar. Richtungweisende zehnjährige Anleihen stiegen um 26/32 Punkte auf 99 28/32 Punkte und rentierten mit 2,134 Prozent. Aus den jüngsten Wirtschaftsdaten schlossen Beobachter, dass die Konjunkturerholung nach der Rezession nicht vorankommt.