Archiv

Rally geht weiterÖlpreis unentspannt

20.06.2008, 15:55 Uhr

Mehrere positive Nachrichten für die Ölmärkte haben die jüngste Ölpreisrally nicht nachhaltig stoppen können. Nach einer kurzen Entspannung zieht der Ölpreis zum Ende der Handelswoche wieder deutlich an.

Mehrere positive Nachrichten für die Ölmärkte haben die jüngste Ölpreisrally nicht nachhaltig stoppen können. Nach einem deutlichen Rückgang des US-Ölpreises um mehrere Dollar am Donnerstag, wurde Öl am Ende der Handelswoche wieder teurer. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Auslieferung im Juli stieg auf 133,77 Dollar. Das sind 1,84 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Rekordpreis liegt bei knapp 140 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August stieg um 2,15 Dollar auf 134,16 Dollar.

Der WTI-Preis war am Vortag um rund sechs Dollar gesunken. Als Grund verwiesen Experten auf die deutlich erhöhten Preise in China für Kraftstoffe. An den Tankstellen kostete Benzin am Freitag 16 Prozent und Diesel 18 Prozent mehr. Wegen der seit Monaten drastisch steigenden Ölpreise an den Weltmärkten gab es in China eine wachsende Kluft zwischen den künstlich niedrig gehaltenen Treibstoffpreisen und dem Rohölpreis. Benzin und Diesel kostet jetzt in China je nach Qualität zwischen 6,20 und 7,17 Yuan oder umgerechnet 58 bis 67 Euro- Cent.

Zuvor hatte bereits der weltweit größte Öl-Förderer Saudi-Arabien eine Produktionssteigerung angekündigt, um den Höhenflug des Ölpreises auf dem Weltmarkt zu bremsen. So sollte in zwei Schritten im Mai und im Juli die Fördermenge um insgesamt rund 500 000 Barrel zu erhöhen. Für diesen Sonntag hat Saudi Arabien zudem alle zum Krisengipfel nach Dschidda eingeladen, die im internationalen Ölgeschäft die Strippen ziehen: Staatschefs, Minister, Konzernvorstände und Investmentbanker.

Sprit wird billiger

In Deutschland rechnete der Auto Club Europa ACE für die nächsten Wochen dagegen wieder mit leicht sinkenden Spritpreisen. "Wenn die Nachfrage bei einem der größten Energieverbraucher sinkt und das Angebot des größten Produzenten steigt, hat das normalerweise eine dämpfende Wirkung auf die Preise", sagte ein ACE-Sprecher. Zuletzt lagen die Spritpreise in Deutschland knapp unter dem Rekordniveau.

Die hohen Kraftstoffpreise an den Tankstellen hielten sich jedoch auch am Freitag über dem hohen Niveau von 1,50 Euro. Die Ankündigung einer höheren Förderung durch das OPEC-Mitglied Saudi- Arabien habe die Märkte nicht nachhaltig berührt, hieß es aus der Mineralölwirtschaft. Die Höchstwerte liegen bei 1,56 je Liter Benzin und 1,53 Euro je Liter Diesel. Dem unter den hohen Spritpreisen leidenden Transportgewerbe machte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) keine Hoffnung auf Steuerentlastungen. Dafür gebe es keinen Spielraum, sagte er auf einer Logistiktagung in Rostock.

In Wien ermittelte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) unterdessen einen gestiegenen Ölpreis. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) 129,44 Dollar. Das waren 99 Cent mehr als am Mittwoch. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.