Staatsanleihen begehrtRückenwind für den Euro
Ein guter Tag für die Gemeinschaftswährung: Die Auktionen spanischer und irischer Bonds verlaufen problemlos. Wenn nur nicht noch die Konjunktursorgen wären.
Mit Erleichterung haben die Renten- und Devisenmärkte
auf das rege Interesse an neuen irischen und spanischen Staatsanleihen reagiert.
Die überraschend zurückhaltende Einschätzung der Konjunkturaussichten durch die
Börsenprofis bremste allerdings die Erholung des Euro. Die Gemeinschaftswährung
konnte die psychologisch wichtige Marke von 1,29 US-Dollar nur kurzzeitig überwinden
und kostete am Nachmittag 1,2883 Dollar.
Der schwache ZEW-Index spiegle die höheren Kursschwankungen
an den Finanzmärkten wider, sagte Devisenstratege Ian Stannard von der BNP Paribas.
"Dies macht es dem Euro schwer, seine Kursgewinne zu halten." Seine Kollegin
Lauren Rosborough von der Westpac Bank betonte allerdings, dass das Stimmungsbarometer
des Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung auch positive Aspekte enthalte.
Außerdem könne die positiv verlaufenden Auktionen irischer und spanischer Anleihen
die Stimmung nicht komplett eintrüben. Ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kurse
blieben die US-Konjunkturdaten.
Der ZEW-Index, der die Konjunktur-Erwartungen der Finanzmarktprofis
für die kommenden Monate misst, sank im August überraschend stark auf 14,0 Punkte.
Analysten hatten mit einem Stand von 21,0 Zählern gerechnet. Allerdings lag der
Index der Einschätzung der aktuellen Lage mit 44,3 Stellen fast doppelt so hoch
wie erwartet.
Emissionen kommen gut an
Irland erhielt für seine beiden angebotenen Anleihen
im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro Gebote, die jeweils mehr als drei Mal so
hoch waren. Die spanischen Emissionen im Gesamtvolumen von 5,5 Milliarden Euro waren
ebenfalls mehrfach überzeichnet. Außerdem gingen hier die Renditen zurück. Als Reaktion
sanken die Renditeaufschläge für die zehnjährigen irischen Bonds im Vergleich zur
entsprechenden Bundesanleihe auf 301 Basispunkte von 310 Basispunkten am Vortag
zurück. Die spanischen Spreads verringerten sich ebenfalls.
"Da sollte man aber nicht allzu viel hineinlesen",
warnte ING-Rentenstratege Padhraic Garvey. Mittelfristig müsse mit einer Fortsetzung
der Rekordjagd bei den als sicher geltenden Bundesanleihen und damit auch wieder
steigenden Spreads gerechnet werden. Grund seien die trüben Konjunkturaussichten
und die anhaltende Verunsicherung um die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise.
Der Bund-Future notierte 30 Ticks tiefer bei 131,76 Punkten, nachdem er am Vortag
auf ein Rekordhoch von 132,30 Stellen gestiegen war.