Freitag, 13. Juni 2003
Verbraucher zaudern: US-Börsen tauchen ab
Die vorläufigen Daten zum Verbrauchervertrauen, die auf einer Erhebung der Universität Michigan basieren, schickten die US-Börsen zum Wochenausklang auf Talfahrt. Der Dow Jones büßte 0,9 Prozent ein auf 9.117 Punkte, für die Nasdaq ging es 1,6 Prozent ins Minus auf 1.626 Zähler.
Der Index für das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan ist im Juni nach vorläufigen Daten von 92,1 auf 87,2 Punkte gesunken. Erwartet worden war dagegen ein Anstieg auf 93,1. Marktbeobachter zeigten sich angesichts dieser schlechten Konjunkturmeldungen aber noch zufrieden mit dieser "einigermaßen moderaten" Kursreaktion. Konjunkturdaten spielten derzeit wohl nur eine untergeordnete Rolle. Viel stärker werde der Markt dagegen von Spekulationen um eine weitere Leitzinssenkung beherrscht.
Zuvor hatte es aus den USA bereits Daten zur Handelsbilanz und zu den Erzeugerpreisen gegeben. Da diese jedoch im wesentlichen im Rahmen der Erwartungen ausgefallen waren, hatten sie nur geringen Einfluss auf das Handelsgeschehen. Allerdings warnten Volkswirte in ersten Reaktionen vor einer weiteren Verstärkung der deflationären Tendenzen in der Wirtschaft. Die niedrigen Erzeugerpreise seien sicher für die Konsumenten erfreulich, aber die Firmen hätten immer weniger Spielraum, die Preise zu erhöhen und damit mehr Gewinne zu erwirtschaften.
Der weltweit zweitgrößte Softwarehersteller Oracle hatte am Donnerstagabend mit überraschend guten Quartalszahlen aufgewartet. Der SAP-Konkurrent hat seinen Gewinn um 30 Prozent auf 858 Mio. Dollar gesteigert und damit die Erwartungen übertroffen. Angesichts des zweiten Quartals in Folge, in dem der Umsatz gesteigert wurde, konnte sich Oracle-Chef Larry Ellison einen Seitenhieb auf den kleineren Konkurrenten PeopleSoft nicht verkneifen. Der habe nämlich einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Pikant: PeopleSoft hatte ein feindliches Übernahmeangebot von Oracle zurückgewiesen. Oracle legten um 1,1 Prozent zu auf 13,48 Dollar, für PeopleSoft ging es dagegen um 2,6 Prozent ins Minus auf 16,92 Dollar.
Der Spezialist für Grafiksoftware Adobe Systems hat im abgelaufenen Quartal seinen Gewinn gesteigert. Gleichzeitig kündigte Adobe-Chef Bruce Chizen jedoch an, er werde mit einer preisaggressiven Politik auf mögliche Absatzschwächen, insbesondere an Schulen, reagieren. Der Markt glaubte in diesen Äußerungen Probleme zu erkennen und schickte die Aktie auf Talfahrt: minus 12,3 Prozent auf 31,55 Dollar.
Gut laufen die Geschäfte offenbar beim Online Broker Ameritrade. Im laufenden Quartal werden Umsatz und Gewinn am oberen Ende der Erwartungen liegen, teilte das Unternehmen aus Omaha, Nebraska, mit. Als Grund nannte Ameritrade die jüngste Erholung an den Börsen, die wieder deutlich mehr Anleger an die Märkte zurück gebracht habe. So sei allein von April auf Mai die Anzahl der Transaktionen um 27 Prozent gestiegen. Die Aktie legte um 1,2 Prozent auf 8,23 Dollar zu. Durchwachsen dagegen die Reaktion bei der Konkurrenz: Während E-Trade um 0,6 Prozent auf 9,12 Dollar stieg, büßte Marktführer Charles Schwab 1,0 Prozent auf 11,18 Dollar ein.
Der weltweit größte Automobilzulieferer Delphi hat seine Gewinnprognose für das zweite Quartal um die Hälfte gesenkt und auch die Erwartungen für das Gesamtjahr deutlich zurückgeschraubt. Grund seien das schwache Neuwagengeschäft sowie die Kosten eines laufenden Gerichtsverfahrens. Die Aktie brach 10,5 Prozent auf 8,58 Dollar ein. Zu den Kunden von Delphi zählen alle großen Autobauer der Welt.
VF Corporation, der größte Jeanshersteller der Welt, ist wohl nur wenigen bekannt, seine Marken Lee und Wrangler dafür um so mehr. Doch offenbar lässt sich mit derber Baumwollkleidung derzeit nur schlecht verdienen. VF warnte, dass der Quartalsgewinn weit stärker einbrechen wird als bisher angenommen. Viele Einzelhändler hätten angesichts der schwachen Konjunktur ihre Order reduziert, hieß es zur Begründung. Für das zweite Halbjahr hält der Konzern aus Greensboro, North Carolina, allerdings an seinen Prognosen fest. Die Aktie war mit einem Minus von 9,0 Prozent auf 35,23 Dollar einer der größten Verlierer an der New York Stock Exchange.
In schlechten Zeiten boomt offenbar das Glücksspiel. Der Casinobetreiber Mandalay Resort hat dabei so gut verdient, dass er seinen Aktionären jetzt eine Dividende zahlen will. Damit ist er der erste der großen Glücksspielkonzerne in den USA, der diesen Schritt angesichts geänderter steuerlicher Rahmenbedingungen geht. 23 Cent beträgt die Ausschüttung in diesem Quartal, damit ergibt sich aufs Jahr hochgerechnet eine Dividendenrendite von rund 3 Prozent. Gleich mehrere Investmentbanken haben daraufhin ihre Einstufung für die Aktie hochgesetzt. Die Botschaft kam an bei den Aktionären. Sie sorgten für ein Kursplus von 10,5 Prozent auf 34,01 Dollar.
Der angeschlagene Krankenhausbetreiber Tenet HealthCare will seinen Verwaltungsapparat deutlich straffen und so Kosten von 75 Millionen Dollar jährlich einsparen. Etwa jede zehnte der 3.200 Stellen in diesem Bereich soll in den nächsten Jahren wegfallen. Der Branchenzweite war in den vergangenen Monaten unter Beschuss gekommen, als falsche Abrechnungen mit dem staatlichen Gesundheitsprogramm Medicare auftauchten und außerdem die Einstellungspraxis für medizinisches Personal in die Kritik geriet. Seitdem ermitteln die Behörden. Die Aktie verlor 3,3 Prozent auf 15,36 Dollar. Für den Marktführer HCA ging es 0,3 Prozent ins Plus auf 32,00 Dollar.
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