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Konjunkturnachrichten halfenWall Street schwächer

16.01.2003, 23:00 Uhr

Die US-Börsen entschieden sich nach einem uneinheitlichen Start für die Minuszone. Gute Konjunkturdaten hatten zunächst noch für Aufwind gesorgt, neue Negativschlagzeilen aus dem Irak bewirkten dann jedoch die Trendwende.

Die US-Börsen entschieden sich nach einem uneinheitlichen Start für die Minuszone. Gute Konjunkturdaten hatten zunächst noch für Aufwind gesorgt, neue Negativschlagzeilen aus dem Irak bewirkten dann jedoch die Trendwende. Der Dow Jones verlor 0,3 Prozent auf 8.699 Punkte, die Nasdaq gab 1,0 Prozent auf 1.424 Zähler ab.

Nach Ansicht von Volkswirten ist die Inflationsgefahr angesichts der jüngsten Daten zu den Verbraucherpreisen und den Realeinkommen vorerst eingedämmt. Die Preise stiegen im Dezember um 0,1 Prozent und damit ebenso stark, wie im Vormonat. Volkswirte hatten mit einem höheren Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet. In der Kernrate - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - betrug die Steigerung ebenfalls 0,1 Prozent. Die Realeinkommen präsentierten sich im Dezember gegenüber dem Vormonat auf einem unveränderten Stand, nachdem sie im November noch um 0,1 Prozent gestiegen waren.

Der weltgrößte Automobilhersteller General Motors hat im vierten Quartal seinen Gewinn mehr als verdreifacht. Damit wurden die Analystenprognosen deutlich geschlagen. Geholfen haben vor allem starke Verkäufe im LKW-Bereich. Der Absatz von PKWs wurde dagegen durch kräftige Kaufanreize angekurbelt, die nach Berechnungen der Marktforscher von Autodata im Schnitt 3.300 Dollar je Fahrzeug kosteten. Für 2003 erwarten die Detroiter allerdings wieder einen niedrigeren Gewinn. Die Aktie gab 1,2 Prozent auf 39,73 Dollar ab.

Auch der Industriekonzern United Technologies hat kräftig zugelegt. Der Nettogewinn wurde im abgelaufenen Quartal um gut 50 Prozent gesteigert. Hauptgrund für den Ergebnissprung ist nach eigenen Angaben das gute Asiengeschäft der Aufzugtochter Otis. Zudem hatten im vergleichbaren Vorjahresquartal hohe Restrukturierungskosten die Bilanz belastet. Der Dow-Jones-Wert verteuerte sich um 2,8 Prozent auf 66,21 Dollar.

Der größte US-Warenhauskonzern Sears Roebuck hat im vierten Quartal 2,11 Dollar je Aktie verdient und damit deutlich mehr als erwartet. Vor allem das Endkundengeschäft habe überzeugen können, so das Unternehmen, bei den Verbraucherkrediten gebe es dagegen weiterhin Probleme. Ein drastischer Anstieg bei den persönlichen Insolvenzen habe zu einem hohen Abschreibebedarf bei nicht mehr eintreibbaren Krediten geführt. Die Aktie schnellte um 7,0 Prozent auf 28,58 Dollar nach oben.

Schlecht laufen dagegen die Geschäfte bei Federated Department Stores, zu denen unter anderem die Kaufhausketten Bloomingdale's und Macy's gehören. Für 2003 warnte der Konzern deshalb, dass der Gewinn hinter den Erwartungen der Wall Street zurückbleiben wird. Belastend dürften dabei die Kosten für Filialschließungen wirken. Die Aktie brach um 5,2 Prozent auf 28,35 Dollar ein.

Nach Continental konnte auch die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta Airlines ihren Verlust im vierten Quartal stärker verringern als von Analysten erwartet. 393 Millionen Dollar betrug das Minus, ein Jahr zuvor war es noch rund doppelt so viel. Bis zum 1. Mai sollen weitere 8.000 Stellen abgebaut werden - noch mal so viele wie seit den Anschlägen des 11. September bereits weggefallen waren. Die Aktie schloss unverändert bei 12,75 Dollar.

Das Reisereservierungssystem Sabre, zu dem auch die Internetseite Travelocity.com gehört, hat ihren Gewinn im vierten Quartal auf 15 Cent je Aktie verfünffacht und damit die Analystenschätzungen um 2 Cent geschlagen. Allerdings hatte das Unternehmen erst vor einem Monat seine Erwartungen gesenkt. Am Donnerstag machte sich folglich Erleichterung breit, die Aktie schoss um 11,1 Prozent auf 20,28 Dollar nach oben.

Der Internetdienst Yahoo hatte bereits am Vorabend nachbörslich Quartalszahlen vorgelegt. Pro Aktie hat das Unternehmen 8 Cent verdient - 2 mehr als erwartet. Vor allem ein starker Zuwachs bei den kostenpflichtigen Premiumdiensten hatte dem Unternehmen dabei geholfen. Für das laufende Jahr sagte Yahoo Zahlen im Rahmen der Analystenerwartungen voraus. Die Aktie war im Vorfeld bereits stark gestiegen. Nachdem die insgeheim erhoffte Überraschung ausgeblieben war, schickten Gewinnmitnahmen die Aktie mit 4,2 Prozent auf 18,75 Dollar ins Minus.

Der Computerbauer Apple lag im vierten Quartal mit einem operativen Gewinn von 3 Cent je Aktie genau im Rahmen der Erwartungen. Ein schwaches Weihnachtsgeschäft und Aufwendungen für eine umfangreiche Restrukturierung sorgten netto aber für den zweiten Quartalsverlust in Folge. Im laufenden Quartal will Apple wieder in die Gewinnzone zurückkehren, eine Prognose für das Gesamtjahr lehnten die Kalifornier angesichts der Kriegsgefahr im Irak aber ab. Die Aktie legte um 1,3 Prozent auf 14,62 Dollar zu.

Noch keine endgültigen Quartalszahlen, aber ein erster optimistischer Abriss über das abgelaufene Quartal, sorgten für ein kräftiges Kursplus bei dem weltweit zweitgrößten Biotechnologiekonzern Genentech. Der Gewinn dürfte nach Unternehmensangaben um mindestens 20 Prozent zugelegt haben, Analysten hatten lediglich 16 Prozent erwartet. Der Kurs verbesserte sich um 11,4 Prozent auf 39,21 Dollar.

Nachbörslich wartete eine Reihe weiterer Technologiefirmen mit Quartalszahlen auf. Der weltgrößte Computerhersteller IBM hat vor Sonderposten 1,34 Dollar je Aktie verdient und damit die Erwartungen leicht übererfüllt. Allerdings ist der Gewinn zum sechstem Mal in Folge zurückgegangen. Für einen positiven Unterton sorgte die Meldung, dass die Umsätze mit Computern und IT-Dienstleistungen wieder zugelegt haben. Das Management sprach sogar von einem leicht stabilisierten Umfeld für Technologieausgaben. Die Aktie gab während des regulären Handels 1,8 Prozent auf 86,05 Dollar ab, legte nachbörslich aber wieder leicht zu.

Sun Microsystems hat den höchsten Quartalsverlust seiner Konzerngeschichte gemeldet. Dieser wurde durch Firmenwertabschreibungen von mehr als 2 Milliarden Dollar verursacht. Operativ war das Ergebnis dagegen ausgeglichen. Analysten hatten hier einen Verlust von 2 Cent je Aktie erwartet. Die Aktie verlor 4,4 Prozent auf 3,70 Dollar, nachbörslich tat sich nicht mehr viel.

Der Online-Händler eBay hat mit einem Quartalsgewinn von 28 Cent je Aktie die Schätzungen deutlich geschlagen. Gegenüber dem Vorjahr wurde der Überschuss damit mehr als verdreifacht. Im gleichen Zeitraum hat sich der Umsatz dabei fast verdoppelt. Und eBay bleibt optimistisch: Der Konzern hat seine Prognosen für 2003 angehoben. Die Aktie verlor zunächst 3,1 Prozent auf 71,25 Dollar, machte nachbörslich aber einen Teil ihrer Verluste wieder wett.

Mit Spannung wurden sie erwartet, die Quartalszahlen von Microsoft. Die große Überraschung blieb aber aus. Der Gewinn lag mit 47 Cent je Aktie einen Tick über den Erwartungen, der Umsatz war dagegen leicht niedriger als prognostiziert. Im laufenden Quartal dürften die Zahlen laut Microsoft in etwa auf dem aktuellen Niveau verharren - auch das wurde von den Finanzauguren an der Wall Street bereits erwartet. Und selbst die Ankündigung, künftig den Aktionären eine Jahresdividende zahlen zu wollen, war nicht wirklich neu. Für Aufhorchen sorgte einzig die Nachricht, dass Microsoft seine Aktien im Verhältnis 2 für 1 splitten will. Zu wenig, um dem Kurs nachbörslich Flügel zu verleihen. Bereits im regulären Handel ging es 1,6 Prozent auf 55,35 Dollar ins Minus, nachbörslich sackte der Kurs weiter ab.