Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

"Brutaler Ausverkauf": Wall Street setzt nach Hochs zurück

Die US-Börsen beenden den letzten Tag mit Verlusten. Nach freundlichem Start mit neuen Rekordständen einzelner Indizes dreht der Wind. Händler setzen konzentrieren sich auf den Werterhalt - zulasten von Wachstumschancen.

An der Wall Street haben die Anleger zum Wochenschluss kalte Füße bekommen. Nachdem die US-Börsen im frühen Geschäft abermals auf Rekordstände geklettert waren, setzten später auf breiter Front Verkäufe ein. Der seit Tagen zu beobachtende Ausverkauf von Aktien aus dem  Technologie- und Biotechnologie-Segment hat sich am Freitag an den US- Börsen beschleunigt.

Vor allem die Technologiebörse Nasdaq rutschte deutlich ab. Investoren trennten sich von Aktien, die zuletzt besonders stark abgeschnitten hatten. Die Stimmung am Markt sei keinesfalls gekippt, sagte Händler Michael Matousek von U.S. Global Investors. "Aber diese größeren Überflieger versetzen ihm einen herben Schlag." Dies deute darauf hin, dass einige Börsianer ihre Strategie geändert hätten. "Die Bewegung raus aus Wachstum und rein in Werthaltigkeit, die wir seit einiger Zeit sehen, hat auf den breiten Markt übergegriffen", sagte  Handelsexperte Ian Winer von Wedbush Securities.

Bericht hat für alle etwas

Zunächst hatte ein solider Arbeitsmarktbericht noch für Auftrieb gesorgt. Die Wirtschaft erholt sich mittlerweile vom strengen Winter. Sie schuf im März zwar etwas weniger neue Stellen als erwartet. Marktexperten zufolge hat die Erholung aber das richtige Tempo.

Der Bericht sei nicht stark genug ausgefallen, um die Fed zu einer beschleunigten Normalisierung ihrer Geldpolitik zu bewegen, sagte  Richard Franulovich, Währungsexperte bei Westpac Banking. Im März waren mit 192.000 neu geschaffenen Stellen die Prognosen zwar knapp verfehlt worden, dafür wurden aber die Daten der beiden Vormonate nach oben korrigiert.

Der Arbeitsmarktbericht sei gut, aber nicht großartig ausgefallen,  befand Investmentstratege Anthony Valeri von LPL Financial und Volkswirt Ian Shepherdson von Pantheon Macroeconomics konstatierte: "Die Erholung nach der Winterdelle, auf die wir gehofft hatten, hat es nicht gegeben. Dafür war der Rückschlag im Winter schwächer als zunächst angenommen".

Verkäufe querbeet

Video

Der Dow-Jones-Index schloss bei 16.412 Punkten fast ein Prozent im Minus. Im Verlauf pendelte er zwischen 16.392 und 16.631 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 1865 Zählern 1,25 Prozent tiefer aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 2,6 Prozent und schloss bei 4127 Punkten. Auf Wochensicht stiegen der Dow um 0,6 Prozent und der S&P 0,4 Prozent. Der Nasdaq fiel um 0,7 Prozent.

"Das ist nicht einfach nur ein Käuferstreik", meinte J.T. Cacciabaudo, Chef des Aktienhandels bei Sterne, Agee & Leach. "Das sind echte Verkäufe querbeet, angeführt von Technologie und Biotechnologie, begleitet von guten Volumen auf dem Weg nach unten." Im Handel war von einem "brutalen Ausverkauf" zu hören. Vieles davon sei auf kurzfristige Positionierungen von Hedgefonds zurückzuführen, die zu Anfang des Jahres auf eben diese Aktien noch gesetzt hätten.

Zu den Verlierern zählten vor allem Gewinner der jüngsten Kursrally, insbesondere Internet- und Biotechnologietitel. Der Kurs der Online-Videothek Netflix stürzte um 4,9 Prozent ab, der von Facebook um 4,6 Prozent. Die Aktien des Biotech-Konzerns Biogen rauschten 4,5 Prozent nach unten. Aktien wie Microsoft, Twitter, Amazon, Yahoo und Google verloren zwischen 2,5 und knapp 5 Prozent.

Micron Technology, die zunächst nach gut ausgefallenen Geschäftszahlen noch zugelegt hatten, konnten sich dem Sog nicht entziehen und gingen fast sechs Prozent schwächer aus dem Tag. Auch Tesla kamen unter die Räder und verloren 5,8 Prozent. Tesla wie auch Facebook haben damit von ihren jüngsten Hochs mehr als 20 Prozent verloren, womit sie aus technischer Sicht in einen Abwärtstrend eingeschwenkt sind.

Grubhub mit starkem Debut

Dagegen trieben Fusionsspekulationen den Kurs des Generikaherstellers Mylan um 1,5 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen ist an einem Kauf des schwedischen Rivalen Meda interessiert. Doch das Meda-Management erteilte Mylan eine Abfuhr.

Auch Boeing treiben Zukaufspläne um. Insiderinformationen zufolge erwägt der Flugzeughersteller eine Übernahme des Luftfahrtzulieferers Mercury Systems. Dessen Kurs schoss 4,3 Prozent nach oben.

Der Energiekonzern Anadarko Petroleum gewann zwei Prozent an Börsenwert. Er ist bereit, mehr als fünf Milliarden Dollar zur Beseitigung von Umweltverschmutzungen bezahlen, um einen jahrelangen Rechtsstreit beizulegen.

Neu auf dem Parkett sind Grubhub. Der Essen-Lieferdienst platzierte 7,5 Millionen Aktien und nahm damit gut 200 Millionen Dollar ein. Am Ende stand ein Plus von 31 Prozent auf 34,00 Euro.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen