Job-Schock vertreibt AnlegerWall Street sieht rot
Nach der Hoffnung kommt der Fall: Der US-Arbeitsmarkt entwickelt sich im Juni deutlich schwächer als zuletzt angenommen und zieht damit die Kurse an den US-Börsen in den Keller.
Eine herbe Enttäuschung über die lahme Entwicklung am
US-Arbeitsmarkt hat zu Verlusten an der Wall Street geführt. Ein äußerst
geringer Stellenaufbau versetzte der Hoffnung einen Stich, dass die
amerikanische Wirtschaft zuletzt wieder an Schwung gewonnen haben könnte. Der
Schrecken der Anleger war umso größer, weil erst am Donnerstag eine Umfrage
zahlreiche neue Jobs signalisiert hatte.
Außerhalb der Landwirtschaft wurden im Juni in den USA unter
dem Strich insgesamt nur 18.000 Stellen geschaffen. Analysten hatten für Juni
ein Plus von 90.000 erwartet. "Die Zahlen unterstreichen, dass sich die
US-Wirtschaft derzeit in einer Wachstumsdelle befindet. Von einer spürbaren
Belebung am Arbeitsmarkt kann keine Rede sein", schrieb Helaba-Analystin
Viola Stork in einem Kommentar.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,5 Prozent
schwächer bei 12.657 Punkten aus dem Handel, nachdem er im Handelsverlauf
zwischen 12.567 und 12.717 Zählern geschwankt hatte. Der breiter gefasste
S&P-500 verlor 0,7 Prozent auf 1343 Zähler. Der Index der Technologiebörse
Nasdaq büßte 0,5 Prozent auf 2859 Stellen ein. Im Wochenvergleich legte der
Dow-Jones-Index 0,6 Prozent zu, der S&P-Index 0,3 Prozent und die Nasdaq 1,6
Prozent. In Frankfurt beendete der Dax den Handel mit einem Minus von 0,9
Prozent auf 7402 Punkten.
Neben den Arbeitsmarktdaten schauten Marktteilnehmer
gespannt auf die Entwicklung des Schuldenstreits in den USA. Präsident Barack
Obama hatte in einem Spitzengespräch mit den Parteispitzen betont, er werde
keiner kurzfristigen Ausweitung der Schuldengrenze zustimmen. Die
Verhandlungspartner wollen auch am Wochenende versuchen, eine Lösung zu finden.
Unternehmensnachrichten waren am Freitag rar gesät.
Lediglich Google stand nach einer Herabstufung durch Morgan Stanley im Fokus.
Die Aktie gab rund drei Prozent nach. Nach Einschätzung von Morgan Stanley
werden die ehrgeizigen Expansionspläne des Konzerns einen beträchtlichen Teil
der bislang sprudelnden Gewinne aufzehren. Zudem meldete Morgan Stanley Zweifel
an, ob Googles neuere Geschäftszweige wie DoubleClick, Android Market und
YouTube wirklich einen nennenswerten Beitrag zum Umsatz des Konzerns liefern
können. Eine Kooperation mit Google machten dagegen die Titel von Local.com zu
einem der wenigen Gewinner des Tages: Die Titel der auf lokale Ergebnisse
spezialisierten Suchmaschine schossen um mehr als zwölf Prozent in die Höhe.
Von den schwachen Arbeitsmarktdaten waren direkt die Titel
der Online-Arbeitsagentur Monster Worldwide betroffen, die rund drei Prozent
ihres Wertes einbüßten. Auch viele Banktitel gehörten zu den Verlierern - so
rutschten die Aktien der Bank of America um mehr als zwei Prozent ab. Die
Papiere von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp fielen um fast vier
Prozent. Das Unternehmen kämpft mit einem Abhörskandal in England und möglichen
Schwierigkeiten bei der Übernahme des britischen Satellitensenders BSkyB.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,77
Milliarden Aktien den Besitzer. 880 Werte legten zu, 2075 gaben nach und 118
blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,61 Milliarden
Aktien 843 im Plus, 1722 im Minus und 102 unverändert.