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Kritik an Olympia-SponsoringAdidas verteidigt sich

08.05.2008, 15:43 Uhr

Adidas hat sein umfassendes Engagement als Sponsor und Ausrüster der Olympischen Spiele in Peking verteidigt. Das Unternehmen lasse sich nicht in moralische Haftung für die Zustände in China nehmen, sagte Konzernchef Hainer: "Eine Moral der Rhetorik, die immer nur auf das Handeln der anderen zielt, führt nicht weiter."

Vier Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking haben Menschenrechtsorganisationen auf der Adidas-Hauptversammlung das Olympia-Sponsoring des Sportartikelherstellers kritisiert. Sie forderten Europas größten Sportausrüster auf, sich für die Einhaltung der Menschenrechte in China und Tibet stark zu machen. Aktionärsschützer zeigten sich besorgt über Adidas' Image. Konzern-Chef Herbert Hainer verteidigte das Engagement seines Unternehmens. "Wir lassen uns nicht in moralische Haftung für einen Zustand nehmen, den wir weder herbeigeführt noch zu verantworten haben", betonte er.

Die Geschäftsführerin von "Reporter ohne Grenzen", Elke Schäfter, forderte das Unternehmen auf, sich für eine freie Berichterstattung und die Freilassung von Regimekritikern aus dem Gefängnis einzusetzen. "Adidas hat hier eine moralische Verantwortung", sagte sie. Der Geschäftsführer der International Campaign for Tibet in Deutschland, Kai Müller, verlangte von dem Konzern, auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage in Tibet hinzuwirken. Vor Beginn der Hauptversammlung hatten sich bereits einzelne Demonstranten vor der Fürther Stadthalle versammelt, um für eine Stärkung der Menschenrechte in China und Tibet einzutreten.

"Moral der Rhetorik"

Die "engagierten und nachdenklichen Debatten" um die Olympischen Spiele nehme er sehr ernst, sagte Adidas-Chef Hainer. Der Sportartikelhersteller habe viele Zuschriften von Menschen erhalten, die mit dem Unternehmen hart ins Gericht gingen. "Diese Menschen sind offenbar der Meinung, dass wir als Sponsor in der Lage sind, Einfluss auf die Situation in Tibet zu nehmen", sagte er. "Aber eine Moral der Rhetorik, die immer nur auf das Handeln der anderen zielt, führt definitiv nicht weiter."

Adidas setze auf die Kraft des Sports, der den Dialog und die Völkerverständigung fördere. "Wir unterstützen die Olympischen Spiele ja nicht, weil sie in China sind, sondern wir haben sie auch vor vier Jahren in Athen unterstützt und werden sie in vier Jahren in London unterstützen", sagte Hainer. Adidas ist neben Volkswagen nicht nur Hauptsponsor der Olympischen Spiele, sondern rüstet auch 16 Mannschaften aus, darunter auch das chinesische Team.

Rückendeckung für seine Sponsoring-Aktivitäten bekam Adidas von Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er könne die jetzige Kritik nicht nachvollziehen, sagte er. Schließlich sei schon vor der Vergabe der Spiele an China die dortige Menschenrechtssituation bekannt gewesen. "Was da in China passiert, finde ich nicht gut. Aber Adidas hat damit nichts zu tun", betonte er.

Benedikt Huesmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) äußerte Bedenken über einen möglichen Imageschaden für das Unternehmen.

Reebok-Integration

Daneben bereitet den Aktionären zudem die noch immer schleppend verlaufende Integration der US-Tochter Reebok Sorgen. "Reebok ist offensichtlich ein Brocken, der nur schwer zu verdauen ist", sagte Huesmann. Hainer räumte ein, dass die Entwicklung bei Reebok langsamer als erhofft voranschreite. Wegen der Kaufzurückhaltung der Verbraucher in den USA werde diese Aufgabe im Moment nicht leichter. "Deshalb liegt die eigentliche Bewährungsprobe noch vor uns", sagte er. Für 2008 bekräftigte der Konzernchef, bei Umsatz und Gewinn "neue Höchstmarken" erreichen zu wollen. Die Aktionäre erhalten für 2007 eine von 42 auf 50 Cent je Aktie erhöhte Dividende.