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Urgestein meldet Insolvenz anAgfa-Photo pleite

27.05.2005, 08:18 Uhr

Agfa-Photo hat Insolvenz angemeldet. 1800 Mitarbeiter in Deutschland sind von der Zahlungsunfähigkeit betroffen, davon 870 am Leverkusener Firmensitz. Von der Insolvenz ist der Betriebsrat völlig überrascht worden.

Mit dem Fotopionier AgfaPhoto droht einem weiteren deutschen Traditionshersteller mit Weltruf nach mehr als 100 Jahren Erfolgsgeschichte das Aus. Das Kölner Amtsgericht eröffnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die AgfaPhoto GmbH, die erst vor sieben Monaten in Leverkusen als ein eigenständiges Unternehmen an den Start gegangen war. Angesichts der Pleite bangen jetzt bundesweit mehr als 1800 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz.

Die Produktion von AgfaPhoto lief nach Unternehmensangaben zunächst weiter. Das ist nach Auffassung des Betriebsrates eine Voraussetzung für den Erhalt der Arbeitsplätze. "Wir sind von dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens überrascht worden", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von AgfaPhoto, Bernhard Dykstra.

Agfa brachte 1936 den ersten modernen Farbfilm auf den Markt. Das seit 1897 eingetragene Warenzeichen ist eine Kurzbezeichnung aus den Wörtern "Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikationen". Im Jahr 1964 schloss sich dann die deutsche Agfa mit der belgischen Gevaert Photo-Producten zur Agfa-Gevaert-Gruppe zusammen. Im November 2004 verkaufte der Konzern die Foto-Stammsparte mit Fotopapier, Foto-Chemikalien sowie Laborgeräten an Finanzinvestoren und Managern. Neben dem Markenfilm Agfa stellt das Unternehmen viele No-Name-Filme her. Bei digitalen Großlabormaschinen ist AgfaPhoto Weltmarktführer.

Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sei wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt worden, hieß es in einer Mitteilung. In Deutschland sind gut 800 Mitarbeiter am Firmensitz in Leverkusen beschäftigt, wo Fotopapier hergestellt wird. Produziert wird zudem in Vaihingen an der Enz bei Stuttgart (80 Mitarbeiter), im rheinland- pfälzischen Windhagen (260), in München (300) und in Peiting (200).

Weltweit hat AgfaPhoto mehr als 2400 Mitarbeiter. Die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2004 wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Im ersten Halbjahr 2004, als die Foto-Stammsparte noch zum belgischen Afga-Gaevert-Konzern gehörte, wurden tiefrote Zahlen geschrieben. Der Umsatz war angesichts des Digitalbooms und wegen Preisverfalls um fast ein Fünftel auf 363 Millionen Euro gefallen. Insolvent ist die AgfaPhoto GmbH. Dies gelte nicht für die Muttergesellschaft AgfaPhoto Holding GmbH. Sie gehört zu 55 Prozent der Nanno Beteiligungsholding um den Geschäftsmann Hartmut Emans, zu 25 Prozent AgfaPhoto-Managern und zu jeweils zehn Prozent zwei amerikanischen Investoren.