Montag, 09. Oktober 2006
Gallois übernimmt: Airbus-Chef Streiff steigt aus
Airbus-Chef Christian Streiff hat nur drei Monate nach seinem Amtsantritt seinen Hut genommen. Das bestätigte nun der Airbus-Mutterkonzern EADS. Bereits seit Tagen war über einen Rücktritt von Streiff spekuliert worden. Auch sein Nachfolger ist keine Überraschung, EADS-Co-Chef Louis Gallois wird künftig auch Airbus führen.
Der 52-jährige Streiff hatte freie Hand bei der Umsetzung seines milliardenschweren Sparkonzepts für den Flugzeugbauer verlangt, das wegen der Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380 nötig ist. Als er dies nicht bekam, sandte er vergangene Woche Rücktrittsgesuche an die EADS-Führung. Die Entscheidung über mögliche Einschnitte in den Airbus-Werken wurde verschoben.
Der 62 Jahre alte Gallois war erst Anfang Juli an die EADS-Spitze gewechselt. Zuvor war er zehn Jahre lang Chef der französischen Staatsbahn SNCF. In der Luftfahrt hatte er davor schon Spitzenposten inne. So übernahm er 1989 den Chefposten beim Flugzeugmotorenbauer Snecma; 1992 wurde er Chef des Arospatiale-Konzerns, der inzwischen Teil von EADS ist.
Die Nicht-Airbus-Divisionen sollen künftig vom deutschen EADS-Co-Chef Thomas Enders geführt werden. Dabei geht es um die Rüstung, die Raumfahrt und den Hubschrauberhersteller Eurocopter. Bisher war Enders für Airbus zuständig. Die EADS-Führung will das vor sechs Tagen beschlossene Sanierungsprogramm "Power8" und die Maßnahmen zu Gunsten des Super-Airbus A380 weiter umsetzen.
Streiff rechnet mit EADS ab
Der zurückgetretene Airbus-Chef Christian Streiff hat den Mutterkonzern EADS heftig attackiert. Die Führungsstruktur von EADS habe seine Sanierungspläne zum Scheitern verurteilt, begründete der Franzose in der Pariser Tageszeitung "Le Figaro" (Dienstagausgabe) seinen Rückzug nach nur 100 Tagen auf dem Chefsessel von Airbus. "Airbus sollte sich selbst steuern und nicht von EADS geführt werden", sagte er. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter seien der Hauptgrund für die Probleme bei dem Flugzeugbauer. Es sei wichtiger, Airbus zu einem integrierten europäischen Unternehmen zu machen als es mit EADS zusammenzuführen. Künftig soll EADS-Co-Chef Louis Gallois neben dem Amt bei der Mutter auch den Chefposten bei Airbus besetzen.
Offenbar war das Hamburger Airbus-Werk der Auslöser für das Zerwürfnis zwischen Streiff und EADS. "Das Werk Hamburg ist das schwächste Glied in der A380-Produktion", sagte Streiff der Zeitung. EADS-Co-Chef Tom Enders war in der vergangenen Woche Befürchtungen entgegen getreten, in Hamburg könnte es im Zuge der Airbus-Umstrukturierung zu einem größeren Stellenabbau kommen. Enders sagte, der Konzern werde an dem Standort festhalten.
Bundesregierung will helfen
Um den ins Trudeln geratenen Flugzeughersteller Airbus zu helfen ist mittlerweile auch die Bundesregierung bereit, sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, kurzzeitig an dem Mutterkonzern EADS zu beteiligen.
Sowohl das Wirtschafts- als auch das Finanzministerium räumten ein, über einen EADS-Einstieg nachzudenken. Allerdings gebe es "keine konkreten Pläne", fügte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums hinzu. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte: "Das ist eine theoretische Möglichkeit, die aber derzeit nicht aktuell verfolgt wird."
Zuvor hatte sich Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für einen Einstieg Deutschlands beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ausgesprochen. Hintergrund ist ein Sparprogramm und ein geplanter Arbeitsplatzabbau für seine Flugzeugtochter Airbus. Hier werden weit reichende Auswirkungen auf Airbus-Betriebsteile in Deutschland befürchtet. Eine deutsche Beteiligung an EADS könnte der Bundesregierung mehr Mitspracherecht bei der Umsetzung des angekündigten Sparprogramms bei Airbus sichern.


