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Freitag, 10. August 2007

Geldspritze von Fed und EZB: Angst vor Kreditkrise

Rund um den Globus haben die Notenbanken kurz vor dem Wochenende Milliardensummen in das Bankensystem gepumpt, um die tief verunsicherten Anleger Anleger zu beruhigen. Die weltweite Angst vor einer Verschärfung der Kreditkrise veranlasste die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed sowie die Währungshüter in Tokio und Sydney zu zusätzlichen Liquiditätsspritzen.

Sie wollen damit einem starken Anstieg der Zinssätze am Geldmarkt entgegentreten, der eine Versorgung der Finanzinstitute mit frischem Geld erheblich verteuern würde. Die Anleger an den Aktienmärkten konnten die Zentralbanken indes kaum besänftigen: Die Kurse sackten in Europa und Asien deutlich ab. Auch die Wall Street verzeichnete zu Handelsbeginn den zweiten Tag in Folge Verluste.

Rund 24 Stunden nachdem die EZB dem Finanzsystem bereits eine Rekordsumme von knapp 95 Mrd. Euro für einen Tag zum Zinssatz von vier Prozent bereitgestellt hatte, legte sie am Freitag nach. Sie stellte dem Euro-Geldmarkt mittels eines Schnelltender genannten Zuteilungsverfahrens über das Wochenende weitere 61,05 Mrd. Euro zur Verfügung. Da die Summe des Vortags indes am Freitag zurückgezahlt werden musste, ergibt sich unter dem Strich ein Liquiditätsentzug von knapp 34 Mrd. Euro, was auf eine allmähliche Stabilisierung der Lage am Geldmarkt hindeutet. Es ist dennoch das erste Mal seit der Krise nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dass sich die Hüter des Euro zu solch drastischen Schritten entschlossen.

Auch die Fed griff den zweiten Tag in Folge ein und pumpte zunächst 19 Mrd. Dollar und wenige Stunden später weitere 16 Mrd. Dollar ins Bankensystem. Das ist deutlich mehr als üblich in einem solchen Drei-Tages-Kreditgeschäft vor einem Wochenende. Insgesamt versorgte die Zentralbank die Institute in dieser Woche mit rund 85 Mrd. Dollar, was fast 40 Prozent über der Summe der Vorwoche lag. Die Fed werde ausreichend Liquidität bereitstellen, damit die Märkte normal funktionierten, erklärten die Währungshüter. Zumindest an den Geldmärkten sorgten die Finanzspritzen weltweit für Beruhigung: Die Zinssätze für Tagesgeldgeschäfte der Banken pendelten sich wieder auf normales Niveau ein.

Schlechte Nachrichten aus Frankreich

Der Auslöser für die jüngste Nervosität an den Märkten kam aus Frankreich: Am Donnerstag hatte die Großbank BNP Paribas in Folge der US-Hypothekenkrise drei Fonds über 1,6 Mrd. Euro nach massiven Wertverlusten eingefroren. Damit sind vorerst keine Ein- und Auszahlungen mehr möglich. Auch die deutsche Privatbank Sal. Oppenheim sah sich gezwungen, einen Fonds mit einem Volumen von 750 Mio. Euro zu schließen. Anleger fürchten, dass sich die am US-Markt für schlechter besicherte Hypothekenkredite begonnene Liquiditätskrise auf andere Bereiche ausdehnen und die Banken in Finanzierungsnöte bringen könnte.

Vertreter der US-Notenbank versuchten, derartigen Befürchtungen entgegenzutreten. Die Probleme beschränkten sich ausschließlich auf den Markt für zweitklassige Hypothekenkredite, sagte der Präsident der Fed von Minneapolis, Gary Stern. "Das Ausmaß ist also nicht sehr groß", betonte er. Doch nicht nur die Fed, auch die kanadische Notenbank führte den Märkten mehr Geld zu als üblich. Die Kanadier betonten zudem, sie seien in Gesprächen mit anderen Notenbanken über die Liquiditätssituation der Märkte. Die Fed und die EZB wollten sich dazu aber nicht äußern.

Kein Ende der Krise in Sicht

"Was die Zentralbanken hier tun, ist ein konzertierter Versuch, ausreichend Liquidität zuzuführen", sagte Jimmy Koh, Währungsstratege bei der United Overseas Bank. "Das Besorgniserregende daran ist, dass sie dies tun, wenn die Märkte nicht so funktionieren, wie sie sollten." Auch die Zentralbanken von Japan und Australien pumpten am Freitag mit 8,45 Mrd. Dollar beziehungsweise 4,2 Milliarden Dollar mehr Geld in den Markt als an anderen Tagen. Einige Analysten sagten, die Hypothekenkrise werde sich in den kommenden Wochen wohl noch verschärfen, was besonders Investoren an den Aktienmärkten stark verunsichere.

In einigen asiatischen Ländern sahen sich die Notenbanken wegen der Krise zudem gezwungen, am Devisenmarkt zu intervenieren, um die eigenen Währungen zu stützen. So verkauften die Zentralbanken auf den Philippinen, in Malaysia und Indonesien massiv Dollar-Reserven. Zuvor hatten sich Investoren aus riskanten Anlagen zurückgezogen und damit die Landeswährungen unter Druck gebracht. Nach den Interventionen stabilisierten sich die Kurse wieder. Die Bank of Korea kündigte dagegen an, nicht am Devisenmarkt eingreifen zu wollen, was die Talfahrt der Landeswährung Won beschleunigte. Die Zentralbank kündigte aber an, die Märkte jederzeit mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen, falls sich die Krise verschlimmere. Ähnlich äußerten sich die Währungshüter in Singapur.

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