Manager geben Posten aufAnklage in HP-Affäre
In dem Spionageskandal beim US-Computerkonzern wird die Staatsanwaltschaft in Kalifornien wohl Anklage erheben. "Wir haben ausreichend Beweise, um gegen Mitarbeiter von HP sowie gegen Vertragspartner außerhalb der Firma Anklage zu erheben", sagte der Generalstaatsanwalt im Interview.
In dem Spionageskandal beim US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) wird die Staatsanwaltschaft in Kalifornien wohl Anklage erheben.
"Wir haben derzeit ausreichend Beweise, um gegen Mitarbeiter innerhalb von HP sowie gegen Vertragspartner außerhalb der Firma Anklage zu erheben", sagte Generalstaatsanwalt Bill Lockyer in einem Rundfunkinterview am Dienstag. In der Affäre seien verschiedene Verbrechen begangen worden. So hätten sich unter anderem Leute unrechtmäßig Zugang zu Computerdaten mit persönlichen Informationen verschafft. Außerdem hätten sich Menschen mit falschen Identitäten getarnt. Beides sei strafbar, erklärte Lockyer.
In der Affäre um die unerlaubte Weitergabe von Firmeninterna und um Datenspionage waren zuvor bereits zwei Schlüsselfiguren von ihren Posten zurückgetreten: Die unter Beschuss geratene Direktoriumsvorsitzende Patricia Dunn und der als Informant der Medien enttarnte Direktor George Keyworth warfen das Handtuch. In dem Fall geht es einerseits um die unautorisierte Weitergabe von Einzelheiten über die Beratungen im HP-Direktorium zum Rücktritt von Firmenchefin Carly Fiorina. Andererseits geht es um die umstrittenen Ermittlungen, die HP bei Detektiven in Auftrag gegeben hat, um dieses "Leck" im Direktorium aufzuspüren.
Die 53-jährige Dunn hat ihre Entscheidung, nach der Herkunft der durchgesickerten Informationen suchen zu lassen verteidigt. Sie entschuldigte sich aber für die Methoden, die die engagierten Privatdetektive angewendet hatten. Die Verfahren seien unangemessen gewesen, sagte Dunn. "Sie gingen über das hinaus, was wir erwartet hatten."
Bei ihren Ermittlungen hatten die Privatdetektive laut HP unter Vortäuschung einer falschen Identität Telefondaten und E-Mails ausspioniert und gespeichert. Unter anderem sollen auch die Daten von Journalisten ausgespäht worden sein.
HP teilte mit, Dunn werde am 18. Januar 2007 als Vorsitzende des Direktoriums zurücktreten, bleibe jedoch Mitglied des Gremiums. Ihr Nachfolger werde HP-Chef Mark Hurd, der ihren Posten zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben übernehme. Hurd versicherte, es werde keine unangemessenen Ermittlungsmethoden mehr geben. "Sie haben keinen Platz bei HP", sagte Hurd.
Mit sofortiger Wirkung dagegen tritt Keyworth von seinem Posten im Direktorium zurück. Keyworth hatte eingestanden, Informationen an die Presse weitergeleitet zu haben. Er sei der Informant gewesen für einen Artikel in der Fachzeitschrift "Cnet". Keyworth war bereits durch die umstrittenen Ermittlungen als Informant enttarnt worden. Im Mai wurde er von HP aufgefordert, das Direktorium zu verlassen - was er damals aber ablehnte. Nur wenige Tage später verließ der in den USA bekannte Investor Thomas Perkins das HP-Direktorium im Streit mit Dunn. Er gab an, mit der Art unzufrieden zu sein, wie sie mit dem Fall umging. Am Samstag forderte er Dunn zum Rücktritt auf.
Noch in der vergangenen Woche hatte Dunn gesagt, sie wolle ihren Posten nicht räumen - es sei denn, das Direktorium fordere sie dazu auf. Das Gremium hatte am Sonntag in einer Telefonkonferenz über den Fall debattiert und war am Montagabend zu weiteren Beratungen zusammengekommen.
Ein HP-Sprecher sagte, Dunn sei freiwillig zurückgetreten, um den Schaden für die Firma zu minimieren. Analysten sagten, ihr Rücktritt werde dazu beitragen, dass sich die Aufregung um die Affäre etwas lege. "Irgendwie wurde während der Ermittlungen nicht genug Kontrolle ausgeübt", sagte Louis Miscioscia von Cowen & Co. Jemand müsse dafür verantwortlich gemacht werden. HP-Aktien legten 1,84 Prozent auf 37,09 Dollar zu