"International unerwünscht"Arcelor-Absage empört Moskau
Die russische Regierung hat mit Verärgerung auf die Absage an den Stahlkocher SeverStal in der Übernahmeschlacht um Arcelor reagiert. Russland lasse ausländische Konzerne auf seine Märkte. Dieses Privileg gelte nicht für russische Konzerne im Ausland.
Die russische Regierung hat mit Verärgerung auf die Absage an den Stahlkocher SeverStal in der Übernahmeschlacht um den luxemburgischen Konzern Arcelor reagiert. "Ich bin sehr unzufrieden mit dieser Entscheidung und sehe darin kein gutes Zeichen", sagte Energieminister Viktor Christenko am Montag nach Angaben der Agentur Interfax.
Russland lasse ausländische Konzerne auf seine Märkte und müsse zugleich erkennen, dass dieses Privileg für russische Konzerne im Ausland nicht gelte. Negativbeispiel sei neben Arcelor auch der Widerstand gegen eine Beteiligung des vom Kreml kontrollierten Gasförderers Gasprom am britischen Energieversorger Centrica.
"Propaganda gegen ServerStal"
Russland sei international unerwünscht, folgerte der Parlamentsvorsitzende Boris Gryslow aus der Entscheidung der Arcelor-Führung. "Die einzigartige Propaganda-Kampagne, die gegen eine Fusion von Arcelor und SeverStal entfacht wurde, beweist, dass man uns einfach nicht auf die weltweiten Märkte lassen will", sagte Gryslow in Moskau.
Er vermisse in den Fusionsgesprächen mit russischer Beteiligung einen "fairen Wettbewerb". Die intensiven Bemühungen, Russland von den ausländischen Märkten fern zu halten, beweisen nach den Worten Gryslows einmal mehr, wie konkurrenzfähig russische Unternehmen seien.
Aus und vorbei für SeverStal?
Der russische Stahlkonzern SeverStal hat unterdessen eine erneute Nachbesserung seiner Offerte für Arcelor nicht ausgeschlossen. Die Konzernführung werde am Dienstag über die geplante Fusion von Arcelor und Mittal Steel beraten, sagte eine Konzernsprecherin am Montag in Moskau. Dabei halte sich SeverStal alle Optionen offen.
Nach einem Bericht der russischen Tageszeitung "Wedomosti" könnte der Milliardär Roman Abramowitsch SeverStal dabei zur Seite springen. Der Eigentümer des Fußballclubs Chelsea London sei bereit, eine höhere Offerte des SeverStal-Eigentümers Alexej Mordaschow zu tragen. SeverStal habe keine Kenntnis von solchen Plänen, sagte die Sprecherin.
In Moskauer Expertenkreisen wurde der Zeitungsbericht mit Skepsis aufgenommen. "Wir glauben, dass die ganze Geschichte für SeverStal schon jetzt zu Ende ist", meinte der Analyst Wladimir Katunin von der Investmentbank Aton.
Arcelor denkt um
Die Arcelor-Führung hatte am Sonntag einem Übernahmeangebot zugestimmt und damit eine frühere Zusage an SeverStal zurückgenommen. Mordaschow hatte zuletzt seine Offerte ausgeweitet und sich zugleich zu einem Anteil von 25 statt zunächst 32 Prozent an Arcelor bereit erklärt. Zuvor hatte sich das Luxemburger Unternehmen mit SeverStal verbündet, um ein feindliches Angebot von Mittal abzuwehren.
Abramowitsch hatte Mitte Juni angekündigt, bei dem nach Produktionszahlen größten russischen Stahlkonzern Evraz einzusteigen. Nach Medienberichten plant der reichste russische Unternehmer die Bildung eines internationalen Stahl-Imperiums. Den Informationen nach wolle der Investor dem Einstieg bei Evraz eine Fusion mit der britisch-niederländischen Corus Group folgen lassen.