Bahn-VorstandskegelnAuch Bensel soll gehen
Bei der Deutschen Bahn zeichnet sich nach dem Datenskandal ein weiterer Wechsel im Vorstand ab. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise soll mit Logistikvorstand Bensel der nächste Top-Manager gehen. Es wäre der vierte Vorstand binnen weniger Monate. Konzernchef Grube
Bei der Deutschen Bahn zeichnet sich nach dem Datenskandal ein weiterer Wechsel im Vorstand ab. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise soll mit Logistikvorstand Norbert Bensel der nächste Top-Manager gehen.
Es wäre der vierte Vorstand binnen weniger Monate; der halbe Vorstand wäre dann ausgetauscht worden. Erst musste Vorstandschef Hartmut Mehdorn gehen. Als nächster ist der ehemalige Transnet-Chef Norbert Hansen dran, dessen Vertrag als Personalchef der Aufsichtsrat beenden will, womöglich schon am Mittwoch. Margret Suckale, bislang ebenfalls für das Personal zuständig, kommt einer möglichen Abberufung zuvor und wechselt zu BASF. Nun ist Bensels Ablösung im Gespräch. Die Bahn wollte das noch nicht bestätigen. Ein Konzernsprecher verwies auf eine Pressekonferenz von Grube am Mittwoch.
Ein Aufsichtsrat sagte der Zeitung, die Bundesregierung habe Grube "freie Hand" gegeben, die Konzernspitze nach seinen Vorstellungen zu verändern. Der neue Bahn-Chef habe zahlreiche Einzelgespräche mit Vorstandskollegen sowie mit Managern aus der zweiten und dritten Reihe geführt und "personelle Veränderungen" angekündigt. Es werde insgesamt einen ziemlich großen Wechsel geben. Grube wolle nach dem Ende der zuletzt glücklosen und skandalträchtigen Ära Mehdorn einen "umfassenden Neuanfang". Das sei zwischen Grube und dem Chef des Aufsichtsrats, dem früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, so abgesprochen.
Termin des Abgangs noch unklar
Der 61-jährige Bensel war von 2002 bis 2005 Personalvorstand der Bahn, bevor er die Sparte Logistik und Transport übernahm. In seine Zeit als Personalchef fallen mehrere Spähaktionen in der Belegschaft, die erst in diesem Jahr bekannt wurden und großen Unmut unter den Beschäftigten und in der Öffentlichkeit auslösten. Die Daten für diese Spähaktionen, mit denen die Bahn nach kriminellen Geschäften forschte, stammten aus der Personalverwaltung. Als "unverhältnismäßig und rechtswidrig" rügte der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix diese Spähaktionen. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen war noch offen, wann Bensel gehen solle, ob sofort oder erst im Verlauf der kommenden Monate. Unklar blieb auch, wie der Vertrag aufgelöst werden solle.
Grube berichtet am Mittwoch sowohl dem Aufsichtsrat wie auch dem Bundestag über seine Pläne. Außerdem legen die vom Aufsichtsrat zur Aufklärung des Datenskandals eingesetzten Sonderermittler ihren Bericht vor. Nach "SZ"-Informationen wird sich wohl die bisherige Linie der Bahn unter dem alten Konzernchef Mehdorn, die Spähaktionen seien ohne Wissen und Billigung von Vorstandsmitgliedern vonstatten gegangen, mit dem Schlussbericht kaum noch halten lassen. Dem Vernehmen nach gibt es Hinweise darauf, dass auch einzelne Vorstände eingebunden gewesen seien.