Zukunft der Bundesdruckerei offenAuktion abgeblasen
Die Auktion der Bundesdruckerei ist offenbar gestoppt worden. Die Offerten der beiden in Frage kommenden Kaufinteressenten seien dem Bund zu niedrig, heißt es in einem Magazinbericht.
Die Auktion der Bundesdruckerei ist offenbar abgeblasen worden. "Der Bieterwettbewerb ist beendet", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine mit dem Vorgang vertraute Person. Das Magazin "Capital" berichtet, die Offerten der beiden in Frage kommenden Kaufinteressenten, des Münchener Gelddruckers Giesecke & Devrient (G&D) und des Tüv Nord, seien dem Bund zu niedrig. Den ebenfalls interessierten französischen Konzern Sagem lehne die Regierung wegen nationaler Sicherheitsinteressen ab.
Der Bund werde seine gestundeten Forderungen von rund 300 Mio. Euro nun in eine 25,1-Prozent-Beteiligung an dem Hersteller von Pässen, Ausweisen und Banknoten umwandeln, hieß es in der Bundesregierung. "Capital" zufolge sollte nach Vorstellungen der Regierung die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die restlichen 74,9 Prozent übernehmen. Sie ist seit dem ersten, gescheiterten Privatisierungsversuch der zweite Hauptgläubiger der Bundesdruckerei. Allerdings zitierte das Magazin einen Sprecher der Bank mit den Worten: "Wir haben nicht die Absicht, auf die Eigentümerseite zu wechseln." Für sein Haus sei die Bundesdruckerei keine strategische Beteiligung. Unter Berufung auf Helaba-Kreise schrieb das Magazin, wenn das Bieterverfahren zu keinem Ergebnis führe, werde die Helaba ihre Forderungen gegen die Bundesdruckerei am Kreditmarkt verkaufen.
Das Bundesfinanzministerium wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern. Auch G&D wollte keine Stellung nehmen. Die Bundesdruckerei gilt als Beispiel für eine misslungene Privatisierung. 2000 hatte der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel das Unternehmen mit Sitz in Berlin-Kreuzberg für gut eine Mrd. Euro an den Finanzinvestor Apax verkauft. Dieser bürdete dem Unternehmen wie in der Branche üblich hohe Schulden auf, führte es damit aber an den Rand der Pleite. 2002 stieg Apax wieder aus, seither gehört der frühere Staatsbetrieb dem Treuhänder Heinz-Günter Gondert von der Anwaltskanzlei Clifford Chance.
Eine erneute Beteiligung des Bundes an der Bundesdruckerei mit einer Sperrminorität wird vor allem vom Innenministerium gewünscht. Triebfeder dabei sind vor allem Sicherheitsinteressen. Der Verkauf der Mehrheit an G&D wurde vor allem von CSU-Vertretern gefordert. Das Münchner Unternehmen ist neben der Bundesdruckerei der einzige deutsche Hersteller von Geldscheinen, hat sein Geschäft zuletzt aber vor allem mit Chipkarten ausgeweitet.