Heimlich, still und leiseBahn erhöht die Preise
Die Fahrpreise werden - wie versprochen - nicht erhöht, dafür steigen aber die Servicegebühren: Lässt sich ein Kunde sein Bahnticket zuschicken, zahlt er dafür neuerdings 3,50 Euro. Bislang war der Versand bei im Internet bestellten Fahrscheinen kostenlos. Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht von einer versteckten Preiserhöhung. Darüber informiert hat die Bahn vorab nicht.
Bahnreisen sind zum Monatsbeginn für Tausende Fahrgäste teurer geworden. Die Gebühren für den Versand von Fahrkarten seien zum 1. April gestiegen, bestätigte ein Bahnsprecher. Lasse sich ein Kunde sein Bahnticket zuschicken, zahle er dafür nun 3,50 Euro. Bislang war der Versand bei im Internet bestellten Fahrscheinen kostenlos, für telefonisch bestellte Tickets fiel eine Gebühr von 2,50 Euro an.
Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach von einer versteckten Preiserhöhung, die überhaupt nicht kommuniziert worden sei. Der Kunde habe aber verschiedene Wege die Gebühren zu umgehen. Etwa in dem er sich das Ticket selbst ausdrucke, einen Automaten oder ein Reisebüro der Bahn aufsuche.
Die Bahn habe sich für die neue Gebühr entschieden, um die Ungleichbehandlung von Internet- und Telefonkunden aufzuheben, argumentierte der Sprecher. Beim Versand der Tickets entstünden in beiden Fällen Kosten und diese müssten gedeckt werden. Es handele sich um eine "marktübliche Servicegebühr".
Im Internet buchen nach Bahnangaben täglich 30.000 Kunden Fahrkarten, rund ein Zehntel davon lasse sich die Tickets zuschicken. Der Anteil der Ticketeinnahmen über den Internetverkauf liegt bei 15 Prozent, über Call Center bei etwa einem Prozent. Die wichtigsten Verkaufskanäle sind Reisezentren (30 Prozent), Automaten (24 Prozent) und Reisebüros (17 Prozent).
Für die Bahn ergäben sich durch die neue Gebühr theoretisch Mehreinnahmen von knapp vier Mio. Euro im Jahr. Die Bahn gehe aber davon aus, dass sich nach der Preisänderung mehr Kunden die Tickets selbst ausdrucken, sagte der Bahnsprecher. Daher würden die Mehreinnahmen wohl deutlich geringer ausfallen. Für die Ticketpreise selbst hat Bahnchef Hartmut Mehdorn auch nach den höheren Tarifabschlüssen für dieses Jahr Anhebungen ausgeschlossen.