Neue PreisrundeBahnfahren wird teurer
Bahnfahrer müssen sich offenbar auf höhere Preise einstellen. Um knapp drei Prozent sollen die Tickets sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr teurer werden, heißt es. Grund sind offenbar nicht nur die jüngsten Tarifabschlüsse. Die Bahn leidet auch unter den gestiegenen Preisen für Stahl und Energie – und will dieses Plus zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben. Der Konzern wollte den Bericht nicht bestätigen.
Bahnfahren wird teurer. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, will die Bahn die Ticketpreise im Fern- und Nahverkehr erhöhen. Geplant sei eine Anhebung von 2,9 Prozent zum Jahresende, hieß es unter Berufung auf Unternehmenskreise. Als Gründe werden gestiegene Stahl- und Energiepreise angegeben. Die Bahn wollte den Bericht nicht kommentieren.
Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte bereits Mitte August angedeutet, Mehrkosten für Energie und Einkommensanhebungen für die Beschäftigten nach dem Tarifabschluss mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA seien schwer aufzufangen. Er hatte hinzugefügt, für Preiserhöhungen gebe es aber "derzeit keine konkreten Pläne".
Zuletzt waren Fahrkarten des bundeseigenen Konzerns am 1. Januar 2007 teurer geworden. Für Fernzüge stiegen die Preise im Schnitt um 5,6 Prozent, darin war die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent enthalten. Im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden kosten Tickets seitdem durchschnittlich 3,9 Prozent.
Die Deutsche Bahn ist Großabnehmer für Strom und Dieselkraftstoff. Die Preise für beide Energieträger sind in der letzten Zeit drastisch gestiegen. Wegen der großen Nachfrage aus Asien steigen auch die Preise für Waggonbauteile wie Räder.
Pläne für die Teil-Privatisierung
Unterdessen übermittelte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee die Grundlagen für die Teilprivatisierung des Staatsunternehmens dem Bundestags-Verkehrsausschuss und seinen Länderkollegen. Damit soll den Fachpolitikern früh die Möglichkeit zu Anregungen und eigenen Vorschlägen gegeben werden, wie das Ministerium mitteilte.
Bei den Grundlagen handelt es sich um den Netzzustandsbericht, der Auskunft über den Investitions- und Instandhaltungsbedarf des deutschen Schienennetzes geben soll, und den Entwurf der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV). Mit ihr soll die Verwendung der jährlich rund 2,5 Mrd. Euro gesichert werden, die der Bund an die Bahn für Erhaltung und Ausbau des Schienennetzes zahlt.
Länder bei skeptisch
Am Dienstag kommt in der Hauptstadt eine Sonderkonferenz der Länderminister mit Tiefensee zusammen, um über die Einwände der Länder zu dem vorliegenden Gesetzentwurf zur Teilprivatisierung der Bahn zu beraten. Die Länder haben erhebliche Bedenken geltend gemacht. Sie fürchten, dass eine privatisierte Bahn AG unter anderem mit Erhöhungen der Trassenentgelte die Bestellungen der Länder so teuer macht, dass der Regionalverkehr nicht mehr wie jetzt aufrechterhalten werden kann.
Der Bund überweist den Ländern zurzeit jährlich rund 6,7 Mrd. Euro Regionalisierungsmittel, aus denen sie die Bestellungen für den Schienenverkehr bestreiten. Der Bund ist auf den Bundesrat angewiesen, um die Teilprivatisierung der Bahn durchsetzen zu können.