Nach Mercks AngriffBayer kauft Schering-Titel
Die Übernahmeschlacht um Schering ist neu entfacht: Nachdem bekannt wurde, dass Merck trotz der Übereinkunft zwischen Bayer und Schering jetzt Schering-Aktien gekauft hat, sammelt nun auch Bayer weitere Titel des Berliner Pharmakonzerns auf dem Parkett ein.
Die Übernahmeschlacht um Schering ist neu entfacht: Nachdem bekannt wurde, dass Merck trotz der Übereinkunft zwischen Bayer und Schering jetzt Schering-Aktien gekauft hat, sammelt nun auch Bayer weitere Titel des Berliner Pharmakonzerns auf dem Parkett ein. Das Tauziehen um Schering sorgt im Handel für Stirnrunzeln – die Umsätze seien riesig, erklärte ein Händler.
Bayer bezeichnete die Vorgehensweise seines Konkurrenten Merck bei der Schering am Freitag als "nicht nachvollziehbar". In einer Mitteilung heißt es, der Konzern sei über die Vorgehensweise von Merck überrascht. Sie sei für das Unternehmen aus drei Gründen nicht nachvollziehbar. So zahle Merck jetzt einen Preis für die Schering-Aktien, der noch vor einigen Wochen für eine Übernahme des Unternehmens von Merck als nicht zu rechtfertigen bezeichnet worden war. Damit sei damals der eigene Ausstieg aus dem Vorhaben begründet worden.
Das Verhalten von Merck wirke demnach wie der Versuch einer Blockade-Politik, um die Übernahme der Aktien durch Bayer zu erschweren, hieß es. Eine solche Vorgehensweise sei von strategischen Investoren bislang nicht bekannt. Der Merck-Konzern habe seine weiteren Absichten dem Markt in seinen bisherigen Meldungen nicht mitgeteilt und damit die Investoren und auch die Beteiligten über seine Strategie im Unklaren gelassen. Bayer sei dagegen weiter fest zu einer Übernahme entschlossen.
Am Markt wurde der neu aufgeflammte Übernahmekampf mit Unbehagen aufgenommen. Die Umsätze seien riesig, bislang rund 25 Mio. Schering-Aktien, sagt ein Makler: "Eben hatten wir 800.000 Stück auf der Briefseite, die wurden auf einen Schlag weggenommen". Bayer verlieren 2,8 Prozent 32,83 Euro, Schering liegen bei 86 Euro und damit genau auf Höhe des Bayer-Angebots. Merck gewinnen 1,9 Prozent auf 73,87 Euro.
Torpedos von Merck
Am Morgen war bekannt geworden, dass der Darmstädter Pharmakonzern Merck weiter Schering-Aktien kauft und damit die Übernahme des Berliner Pharmahersteller durch Bayer torpedieren könnte. Der Darmstädter Traditionskonzern war mit einem Gebot von 77 Euro Bayer unterlegen. Die Leverkusener hatten sich mit dem Schering-Vorstand auf die größte Übernahme ihrer Firmengeschichte geeinigt.
Laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC aus der Nacht zum Freitag hält die Merck KGaA inzwischen 10,1 Prozent der Schering-Aktien. Allein am Donnerstag hat Merck den Angaben zufolge 4,5 Mio. Schering-Papiere zum Durchschnittspreis von 85,77 Euro gekauft, am Mittwoch waren es drei Millionen Papiere gewesen. In einer ersten Reaktion rieten Analysten Schering-Aktionären, zunächst abzuwarten und ihre Aktien Bayer nicht anzudienen.
Ein Stück vom Schering-Kuchen gefällig?
Börsianer sehen die Merck-Beteiligung als Stolperstein für Bayer. "Durch die Aufstockung gerät die Übernahme von Schering durch Bayer etwas ins Wanken", sagte ein Händler. "Wir haben eine Patt-Situation. Die Frage ist, wie man die Kuh vom Eis holt." Ein anderer äußerte sich noch pessimistischer. "Merck wird sicher weiter Schering-Aktien kaufen. Bereits jetzt ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Bayer die angepeilte Quote von 75 Prozent nicht erreicht und mit der Übernahme scheitert", sagte er. Dann könnte Merck doch noch zum Zuge kommen.
Die DZ Bank empfahl Schering-Aktionären, ihre Papiere nicht anzudienen. Mit den Aktien könne Merck Druck auf Bayer machen, Schering aufzuspalten und einige Teile wie das Diagnostika-Geschäft an Merck abzugeben. Aber auch eine höhere Merck-Offerte sei denkbar, schreibt die Bank. Experten halten dies rechtlich für möglich. So könne sich Merck etwa mit einem anderen Interessenten zusammentun, sagte ein Experte. In diesem Fall sei eine Aufspaltung von Schering wahrscheinlich.
Merck selbst hielt sich am Freitag zu seinen Plänen mit dem Schering-Aktienpaket weiter bedeckt. "Angesichts der in Kürze auslaufenden Annahmefrist machen wir derzeit keine Angaben zu dieser Beteiligung", sagte ein Sprecher. Bayer-Finanzchef Klaus Kühn rechnet jedenfalls nicht damit, dass Merck seine Aktien einreicht, wie er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte.
Merck könnte Squeeze-Out blockieren
Bis zum Donnerstag sind Bayer erst 40,19 Prozent der Schering-Aktien angedient worden. Institutionelle Anleger dienen ihre Papiere in der Regel aber erst in den letzten Tagen an. Bis zum kommenden Mittwoch müssen die Leverkusener auf 75 Prozent kommen, damit die Übernahme zu Stande kommt. Durch die Zukäufe von Merck wird das allerdings erschwert. Ohne die Merck-Anteile kann Bayer Schering jedenfalls schon jetzt nicht vom Kurszettel streichen, da für eine Zwangsabfindung der übrigen Aktionäre 95 Prozent der Stimmrechte nötig wären.
Wenn Bayer an der selbst gesetzten Schwelle von 75 Prozent scheitert, darf der Konzern Experten zufolge ein Jahr lang kein neues Angebot vorlegen. "Allerdings könnte das ein Jahr geltende Verbot durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aufgehoben werden, wenn Schering einem anderem Angebot von Bayer zustimmt", geben die Analysten vom Münchener Bankhaus Merck Finck zu bedenken.