Putsch in ThailandBörse droht Ausverkauf
Einen Tag nach dem Militärputsch in Thailand hat die Armeeführung in Bangkok ausländischen Investoren vorerst eine Zwangspause verordnet. Danach besteht die Gefahr, dass die Anleger ihre Milliarden schnell abziehen und damit kräftige Kursverluste auf dem thailändischen Aktienmarkt auslösen.
Einen Tag nach dem Militärputsch in Thailand hat die Armeeführung in Bangkok ausländischen Investoren vorerst eine Zwangspause verordnet. Danach besteht die Gefahr, dass die Anleger ihre Milliarden schnell abziehen und damit kräftige Kursverluste auf dem thailändischen Aktienmarkt auslösen.
"Der Markt könnte abstürzen, wenn er wieder geöffnet wird, und die Verluste dürften für etwa zwei Tage anhalten", sagte Analyst Viwat Techapoonpol von Tisco Securities. Das Militär hatte für Mittwoch einen Feiertag ausgerufen und damit die Wirtschaft des Landes vorübergehend zum Halt gebracht. An anderen asiatischen Börsen gaben die Aktien thailändischer Firmen jedoch deutlich nach. Die zentralbank des Landes (BOT) kündigte für Donnerstag wieder einen normalen Handelstag an.
Auch die thailändische Währung wurde am Dienstag in Mitleidenschaft gezogen. Der Bath verlor etwa 1,3 Prozent - das war der größte Tagesverlust innerhalb der letzten drei Jahre. "Ich erwarte, dass der Bath eine Zeitlang unter Druck bleiben wird - gerade, weil er vorher wohl überbewertet war", sagte Sean Callow, Devisenstratege bei der Westpac Bank. Vor dem Putsch hatte der Bath ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch erreicht. Am Mittwoch behauptete sich die thailändische Währung im europäischen Handel. Die thailändische Zentralbank hatte wiederholt betont, dass sie nicht stützend eingegriffen habe.
In diesem Jahr haben ausländische Investoren umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro in thailändische Aktien investiert. "Jetzt sollte es zu einer Kapitalflucht kommen", sagte Anusorn Tamajai von BankThai Asset Management. "Das Ausmaß der Panik hängt von den weiteren Entwicklungen ab. Wenn der Putsch dazu beiträgt, das Problem zu lösen, dürfte es nur zu einem eingeschränkten Ausverkauf kommen." Manche Analysten sehen in den erwarteten Kursverlusten sogar eine Chance zum Einsteigen.
Thailands Wirtschaft war bereits seit längerem ins Stocken geraten. Das Wachstum dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte auf 3,5 Prozent abschwächen, hatte (der nun abgesetzte) Finanzminister Thanong Bidaya noch am Sonntag zu Reuters gesagt. Im ersten Halbjahr lag es bei 5,5 Prozent. Die Wirtschaft wurde auch von der seit Monaten anhaltenden politischen Krise gelähmt. Pläne für milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur lagen auf Eis. Die Regierung unter dem umstrittenen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra hatte im Frühjahr nach wochenlangen Demonstrationen die Parlamentswahl um drei Jahre vorverlegt. Die Opposition bezeichnete den Urnengang jedoch als unfair und boykottierte die Abstimmung. Sie wirft der Regierung Machtmissbrauch vor.
Angesichts dieser Situation könnte der Putsch sogar positive Auswirkungen auf die thailändische Wirtschaft haben, sagen manche Experten - entscheidend sei nun, wie lange das Militär an der Macht bleibt. "Ich sehe keine größeren Auswirkungen auf die Wirtschaft, die ironischerweise stärker beeinträchtigt würde, wenn Thaksin an der Macht geblieben wäre", sagte der Politologe Somjai Phagaphasvivat.
An anderen asiatischen Börsen hielten sich die Verluste in Grenzen. In Japan schloss der Nikkei-225 um 0,98 Prozent im Minus bei 15.718 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor 1,37 Prozent auf 1570 Zähler. Auch die Indizes der Börsen in Südkorea, Taiwan und Singapur gaben nach.